Kategorie: Medien

  • „Jede digital erreichbare Institution ist bedroht“

    „Jede digital erreichbare Institution ist bedroht“

    Mann mit dunkler Kaputze in einem dunklen Raum vor Computer-Bildschirmen
    Foto: Unsplash+

    BSI stellt Jahresbericht vor: Besonders bei kleinen Betreibern fehlen Schutzmaßnahmen

    Berlin (2mind) – Eine fortschreitende Digitalisierung schafft neue digitale Anwendungen – und neue Einstiegspunkte für Cyberkriminalität. Zwar wächst die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen, Deutschland bleibt im digitalen Raum aber weiter verwundbar. Das wurde bei der Vorstellung des Jahresberichtes des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Dienstag deutlich.

    Dass Cyberkriminalität nicht nur große Konzerne oder Institutionen bedroht, betonte BSI-Präsidentin Claudia Plattner bei der Berichtsvorstellung. „Jede aus dem Internet erreichbare Institution oder Person ist prinzipiell bedroht, Angreifer suchen gezielt nach den verwundbarsten Angriffsflächen“, so Plattner. „Wir haben festgestellt, dass Cyberkriminelle überall dort eindringen, wo es ihnen möglich ist, und erst danach eruieren, welchen Schaden sie anrichten können.“

    Zwar seien die finanziell motivierten Cyberangriffe im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent zurückgegangen, jedoch blieben professionell organisierte Erpressergruppen, die mit Schadsoftware (Ransomware) arbeiten, die größte Bedrohung. Kleineren und mittleren Betreibern fehlten für den Ausbau von Schutzmaßnahmen oft die Ressourcen und das Bewusstsein der eigenen Verwundbarkeit.

    Der BSI-Jahresbericht 2025 im Internet: https://medien.bsi.bund.de/lagebericht/de/index.html

  • Grokipedia: Die Wikipedia-Konkurrenz von Elon Musk

    Grokipedia: Die Wikipedia-Konkurrenz von Elon Musk

    Foto: Screenshot

    KI-generierte Inhalte deutlich rechts und medienkritisch ausgerichtet

    Austin/Texas (2mind) „Grokipedia ist eine Online-Enzyklopädie, die von Elon Musks Unternehmen xAI unter Nutzung des KI-Chatbots Grok aus online zugänglichen Vorlagen und Informationen erstellt wurde. Sie ist als Konkurrent zur Wikipedia angelegt, der Musk vorwirft, nicht politisch neutral zu sein, sondern eine linksgerichtete Tendenz aufzuweisen. Grokipedia soll mehr konservative politische Ideen und Standpunkte präsentieren“, heißt es auf Wikipedia zur neuen Konkurrenz.

    Der Fachnachrichtendienst WIRED verweist auf die deutlich rechtsorientierte und medienkritische Ausrichtung von Grokipedia und nennt als Beispiele:

    • Der Artikel über die Sklaverei in den USA stelle ideologische Rechtfertigungen in den Mittelpunkt.
    • Zu aktuellen gesellschaftlichen Themen wie „Gay Marriage“ existierten keine Einträge; stattdessen würden alternative Vorschläge wie „gay pornography“ angezeigt, die nachweislich falsche Behauptungen über die HIV/AIDS-Epidemie aufstellten.
    • Der Eintrag zu „Transgender“ verwende abwertende Begriffe und stellt Transfrauen als „biologische Männer“ dar, wobei angebliche Risiken für Frauen betont würden. Social Media werden dort für die wachsende Zahl an Transgender-Personen verantwortlich gemacht.

    Grokipedia kann in englischer Sprache auch in Deutschland genutzt werden: https://grokipedia.com/

  • Künstliche Intelligenz und politische Radikalisierung bedrohen kirchliche Arbeit

    Künstliche Intelligenz und politische Radikalisierung bedrohen kirchliche Arbeit

    Pastor predigt vor einer Digitalkamera
    Foto: Unsplash+

    Der Bericht „Global Voices“ der Lausanner Bewegung lässt christliche Führungskräfte weltweit zu Wort kommen.

    Orlando (2mind) – Ein großer Teil der christlichen Führungskräfte weltweit fühlt sich angesichts neuer globaler Herausforderungen überfordert. Themen wie künstliche Intelligenz, politische Radikalisierung und schwindendes gesellschaftliches Vertrauen erleben sie als erhebliche Bedrohungen für den Missionsbefehl, heißt es in einem aktuellen Bericht der Lausanner Bewegung mit dem Titel „Global Voices“. Zugleich äußeren die Befragten in allen Regionen ein geringes Vertrauen in die Bereitschaft der Kirche, diesen Herausforderungen zu begegnen. „Diese Lücke zwischen Bewusstsein und Vorbereitung unterstreicht den dringenden Bedarf an zukunftsorientierter Führung, theologischem Engagement und innovativen Strategien“, heißt es in dem Bericht.

    Mission im digitalen Raum

    Digitale Räume sind für die christlichen Führungskräfte heute ein wichtiger Teil des Missionsfeldes. Für 95 % unter ihnen ist der digitale Raum ein Teil des Missionsfeldes der Kirche und 95 % fordern hier verstärkte Investitionen. Unsicher bleibt jedoch, wie gut die christlichen Kirchen im digitalen Raum repräsentiert sind. Die Chance ist klar, aber der Weg bleibt eine Herausforderung.

    Wer erreicht die Menschen?

    Bei der Frage nach dem größten Vertrauen und dem größten Einfluss bei der Verbreitung des Evangeliums betonten christliche Leiter aus Nordamerika und Teilen Europas den wachsenden Einfluss christlicher Kreativer – Künstler, Geschichtenerzähler und digitaler Kommunikatoren. Afrikanische und asiatische Führungspersönlichkeiten bezeichneten dagegen Pastoren mit großer Mehrheit als die vertrauenswürdigsten und einflussreichsten Stimmen.

    Im Vorwort von Global Voices heißt es: „Dieser Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Kirche mit einer komplexen und sich rasch verändernden Welt konfrontiert ist. Globalisierung, digitales Leben, kulturelle Veränderungen und politische Umwälzungen belasten die Kirche“.

    Der Bericht „Global Voices Oktober 2025“ fasst Erkenntnisse von 1.030 Missionsleitern aus 119 Ländern zusammen und beleuchtet aktuelle Trends, die die Zukunft der Mission prägen, identifiziert Hindernisse und Durchbrüche und weist auf Bereiche hin, die Chancen für strategische Investitionen bieten. Die Befragung wurde im Mai und Juni 2025 digital durchgeführt. Die Lausanner Bewegung geht auf den Internationalen Kongress für Weltevangelisation 1974 in Lausanne zurück und will als überkonfessionell Kirchen, christliche Organisationen und einzelne Christen im Engagement für die Evangelisation der Welt stärken.

    Der Bericht ist in englischer Sprache erschienen und > online hier verfügbar (PDF).

  • Cybergrooming: 21-jähriger Hamburger wegen Mordes angeklagt

    Cybergrooming: 21-jähriger Hamburger wegen Mordes angeklagt

    Junge in der Nacht vor einem PC
    Foto: Unsplash+

    Der als „White Tiger“ bekannte junge Mann zwang Kinder weltweit zu Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen.

    Hamburg (2mind) – Ein aktueller Fall aus Hamburg rückt die Gefahren von Cybergrooming in den Fokus. Wie der NDR berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen einen 21-jährigen Mann Anklage erhoben – unter anderem wegen Mordes, versuchten Mordes, sexueller Nötigung und Besitz kinderpornografischer Inhalte. Der Angeklagte, im Internet als „White Tiger“ bekannt, soll über Jahre hinweg mehr als 30 Kinder und Jugendliche weltweit zu Selbstverletzungen und sexuellen Handlungen an sich selbst gezwungen haben.

    Laut NDR nutzte der mutmaßliche Täter gezielt Online-Plattformen, um Minderjährige im Alter von 11 bis 15 Jahren zu manipulieren, zu erpressen und zu missbrauchen. In einem besonders schweren Fall soll ein 13-jähriges Opfer aus Hamburg in den Suizid getrieben worden sein. Die Ermittler gehen von mehr als 200 Straftaten aus, die sich überwiegend im Internet abspielten.

    Der Fall zeigt auf, wie gefährlich Cybergrooming für Kinder und Jugendliche sein und welche zerstörerischen Folgen psychische Manipulation im Netz haben kann. Die Ermittlungen dauern weiter an; das Verfahren wird vor der Jugendkammer des Landgerichts Hamburg geführt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Der > Bericht vom 15.10.25 im NDR

  • KI: Göttliche Ansprache auf Knopfdruck

    KI: Göttliche Ansprache auf Knopfdruck

    Roboter in einem Kirchenschiff
    Foto: KI-generiertes Symbolbild

    Das Interview mit der Medienethikerin Claudia Paganini

    „Wird die Verehrung von Künstlicher Intelligenz zur Religion des 21. Jahrhunderts?“ Dieser Frage geht das Portal ref.ch in einem Interview mit der Philosophin und Medienethikerin Claudia Paganini nach. Der KI werden göttliche Attribute zugeschrieben, so die Wissenschaftlerin.

    Paganini erläutert das am Beispiel Sinn. „Im religiösen Kontext bedeutet Sinn, dass wir in Gott ein Gegenüber oder ein Du finden“, so die Wissenschaftlerin gegenüber ref.ch. „Und gerade dieses Bedürfnis wird von KI-unterstützen Chatbots ausgezeichnet bedient.“ Chatbots reagierten scheinbar empathisch und wertschätzend. „Und im Unterschied zu den traditionellen Religionen braucht es keine Rituale oder Gebete, um mit Gott in einen Dialog zu treten. Bei KI bekomme ich die göttliche Ansprache auf Knopfdruck.“ Menschen berichteten Paganini, dass sie sich in bestimmten Situationen lieber mit ChatGPT als mit einer Freundin unterhalten.

    Von der KI ausgehende Gefahren sieht die Medienethikerin im Blick auf soziale Gerechtigkeit und Ressourcenverbrauch – nicht jedoch im Bezug auf die Religion. Paganini: „Solange ein Glaube keine negativen Auswirkungen auf Menschen, Tiere oder die Umwelt hat, spricht nichts dagegen, dass Menschen auch einen KI-Gott verehren.“

    Claudia Paganini studierte Philosophie und Theologie und habilitierte im Fach Medienethik. Sie ist Autorin des neu erschienen Buches „Der neue Gott. Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche“. Paganini lehrt und forscht am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck.

    Das > Interview auf ref.ch

  • Sammeln, sichten, sortieren

    Sammeln, sichten, sortieren

    Grafik mit Einsen, Nullen und einer Weltkugel
    Foto: Unsplash+

    2. Ausgabe von DiMe-Sozial erschienen

    Cottbus (2mind) – DiMe-Sozial ist eine in diesem Jahr gestartete Fachzeitschrift für Soziale Arbeit, Medien und Digitalisierung. Sie erscheint Open Access, offen lizenziert und online. In ihrer zweiten Ausgabe widmet sich DiMe-Sozial dem Thema „Daten in der Sozialen Arbeit“ und bietet darüber hinaus Impulse für medienpädagogische Praxis in der Sozialen Arbeit.

    Das Titelthema „Daten“ wird in der Ausgabe insbesondere aus der Praxisperspektive der Jugendhilfe bzw. der stationären Erziehungshilfe beleuchtet. Impulse bietet DiMe-Sozial für die medienpädagogische Lehre, etwa in einem Beitrag zum „reflective film“. Unter der Überschrift „Sammeln, sichten, sortieren“ beleuchten Anja Goral und Phil Rieger, wie diese handlungsorientierte Methode im Studium der Sozialen Arbeit zur Haltungsbildung beitragen kann.

    Eine Perspektive auf nachhaltige Digitalisierung in der Sozialen Arbeit bietet der Beitrag „(Neue) Digitale Nachhaltigkeit“. Angelika Beranek beschäftigte sich in einem Forschungssemester mit der Frage, wie Digitale Nachhaltigkeit im sozialen Bereich neu gedacht werden kann. Die Überlegungen in ihrem Beitrag reichen über ökologische Aspekte hinaus und berücksichtigen gesellschaftliche Wirkungen, ethische Fragestellungen und den Umgang mit immateriellen Wissensgütern (siehe Grafik unten).

    Grafikn zur Digitalen Nachhaltigkeit in der Sozialen Arbeit

    Die Beiträge im Magazin sind mit einer CC BY 4.0-Lizenz versehen, können also – unter Nennung der Verfasser – frei genutzt werden.

    Für das kommende Jahr plant DiMe-Sozial die Themen „Soziale Arbeit und KI“ (1/2026) sowie „Gelingende Digitalisierung in der Sozialen Arbeit“ (2/2026). Die Redaktion der Fachzeitschrift sitzt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

    Hier geht es zur > Online-Plattform von DiMe-Sozial

    Die > vollständige Ausgabe als PDF

  • Handyverbot in Schulen: Was sagen Studien? Was gilt in den Bundesländern?

    Handyverbot in Schulen: Was sagen Studien? Was gilt in den Bundesländern?

    Junge sitzt auf einer Erhöhung und blickt auf sein Handy.
    Foto: Gaelle Marcel auf Unsplash

    Das Deutsche Schulportal bietet eine Übersicht zu Forschung und Gesetzeslage.

    Stuttgart (2mind) – Die Forschungslage zur Handynutzung in Schulen und deren Auswirkungen auf das Lernen ist dünn. Eine Übersicht zu entsprechenden Studien bietet das Deutsche Schulportal. Im Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 heißt es dort: „Je länger die Jugendlichen zum Zeitvertreib am Handy hängen, desto schlechter sind ihre Leistungen.“ Allerdings könnten „sowohl die hohe Handynutzung als auch die schlechten Leistungen Ausdruck einer gemeinsamen Ursache sind, beispielsweise einer mangelnden Konzentrationsfähigkeit.“

    Und auch die andere Perspektive – den lernförderlichen Einsatz digitaler Geräte – beleuchtet der Text: So „schneiden Schülerinnen und Schüler, die digitale Geräte zwischen drei und sieben Stunden täglich zum Lernen nutzen, am besten ab.“

    Relevante Studien sind in dem Text verlinkt, zentrale Ergebnisse grafisch ansprechend aufbereitet. Zudem enthält der Beitrag eine Übersicht zu den in den Bundesländern geltenden Regelungen.

    Im Blick auf den Umgang von Schulen mit Handyverboten kommt Katharina Scheiter, Professorin für Digitale Bildung an der Universität Potsdam, in einem Interview zu Wort. „Es geht darum, mit den Kindern und Jugendlichen eine angemessene Nutzung einzuüben. Es bringt nichts, wenn Kinder den ganzen Vormittag zwanghaft den Griff zum Handy unterdrücken und kompensatorisch am Nachmittag unkontrolliert damit herumspielen“, so Scheiter.

    Das Deutsche Schulportal wird von der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der Zeit-Verlagsgruppe angeboten.

    Der Beitrag > „Handyverbot an Schulen – ja oder nein: Was sagen die Studien?“

  • KI-Einsatz: Risiken für das Gemeinwohl

    KI-Einsatz: Risiken für das Gemeinwohl

    Grafik mit Leiterplatte und einem angedeuteten Gehirn
    Grafik: Steve Johnson auf Unsplash

    Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, was gesellschaftliche Organisationen beachten sollten.

    Gütersloh (2mind) – Ein Chatbot für Menschen mit Essstörungen sollte keine Diättipps ausgeben und kein Chatbot sollte suizidale Gedanken Jugendlicher verstärken. Dennoch ist beides geschehen und zeigt beispielhaft: Der KI-Einsatz birgt Risiken für den einzelnen Menschen und für das Gemeinwohl. Welche Schwächen die in aktuellen KI-Tools verwendeten Basismodelle ausweisen, untersucht die Bertelsmann Stiftung in der aktuellen Studie „Auf Sand gebaut: Die versteckten Risiken generativer KI für das Gemeinwohl“.

    Dass KI nicht immer neutral und objektiv funktioniert, hat auch damit zu tun, dass diese Modelle mit nicht sorgfältig zusammengestellten Daten trainiert werden. Daher kann der Bericht der Bertelsmann Stiftung als Warnung an gesellschaftliche Organisationen verstanden werden. Von der Stiftung selbst heißt es dazu: „Wenn Organisationen mit gesellschaftlicher Verantwortung durch ihren Einsatz von KI-Anwendungen verzerrte, fehler- und zweifelhafte Ergebnisse für ihre Arbeit nutzen, dann drohen sie das Vertrauen zu untergraben, auf das sie essenziell angewiesen sind.“

    Zugleich zeigt die Studie, wie Basismodell besser entwickelt und betrieben werden könnten, nämlich indem sie Monokulturen in den Trainingsdaten vermeiden, auf Transparenz und Feedback setzen und sich dabei Bibliotheken zum Vorbild nehmen.

    Im Projekt „reframe[Tech] – Algorithmen fürs Gemeinwohl“, mit dem sich die Bertelsmann Stiftung dafür einsetzt, dass Entwicklung und Einsatz digitaler Technologien stärker am Gemeinwohl ausgerichtet werden.

    Die > Studienwebsite der Bertelsmann Stiftung

  • „Holy Firewall“: China beschränkt religiöse Online-Aktivitäten

    „Holy Firewall“: China beschränkt religiöse Online-Aktivitäten

    Menschen vor einem Tempel in Peking
    Religiöses Leben in Peking (Foto: Igor Sporynin auf Unsplash)

    Die kommunistische Führung hat massive Einschränkungen der digitalen Religionsausübung veröffentlicht.

    Torino (2mind) – In der Volksrepublik China wird die Möglichkeit Geistlicher, ihren Glauben online zu teilen, deutlich eingeschränkt. Online-Religionsaktivitäten wie Gottesdienst oder das Predigen via per Livestream, Kurzvideo, Online-Meeting oder WeChat-Gruppen wird verboten – es sei denn, die Geistlichen besitzen eine „Lizenz für Internet-Religionsinformationsdienste“. Das sehen die am 15. September veröffentlichten „Vorschriften zum Online-Verhalten religiöser Amtsträger“ vor, über die das Menschenrechtsmagazin „Bitter Winter“ berichtet.

    Verboten ist es religiösen Amtsträger danach, sich selbst zu vermarkten oder religiöse Themen zu nutzen, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu erzielen – religiöse Influencer sind unerwünscht. De facto unterbindet die Vorschrift einen Online-Religionsunterricht: „Religiöse Amtsträger dürfen über das Internet keine religiösen Ideen an Minderjährige weitergeben“, heißt es in der Vorschrift. Die Durchführung von Online-Lern- und Trainingsangebote mit religiösem Bezug ist ebenso untersagt wie die Nutzung von KI zum Predigen.

    Die Kooperation mit internationalen religiösen Vereinigungen steht ebenfalls im Fokus der Vorschrift: „Religiöse Amtsträger dürfen sich nicht mit ausländischen Kräften über das Internet verbünden“, heißt es dort.

    Zugleich beschreibt der Text, wie sich Chinas Führung das Verhalten der Geistlichen vorstellt: Sie sollen „das Vaterland lieben, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas unterstützen und das sozialistische System wahren“.

    Geistlichen, die gegen diese Vorschriften verstoßen, drohen empfindliche Strafen. Zudem kann ihren ihr Status als Geistliche aberkannt und ihre Schulen und Veranstaltungsorte können geschlossen werden.

    „Bitter Winter“ kommentiert die neue Regulierung: „Obwohl das Dokument in der Sprache von ‚Ordnung‘ und ‚Harmonie‘ gehalten ist, sind die Implikationen deutlich: Es kriminalisiert faktisch spontane religiöse Äußerungen im Internet, isoliert Geistliche vom globalen religiösen Diskurs und stellt sakrale Rede unter die wachsame Aufsicht staatlicher Zensoren. … Im Zeitalter digitaler Seelsorge, in dem Predigten gestreamt und Gebete gepingt werden, wirkt die Vorschrift wie ein gezielter Versuch, das Heilige vom Sozialen zu trennen.“

    „Bitter Winter“ ist ein in Italien herausgegebenes Online-Magazin zur Religionsfreiheit und den Menschenrechten in China. Der Beitrag enthält eine englische Übersetzung der neuen Verordnung.

    Der Link zum Beitrag > “Holy Firewalls: China’s New Rules for Online Clergy Conduct”

  • KI in der Sozialen Arbeit: Chancen und Risiken

    KI in der Sozialen Arbeit: Chancen und Risiken

    Grafik: Unsplash+

    Offen lizenziertes Fachbuch zu Theorien und Praxisfragen erschienen

    Weinheim (2mind) Welche Chancen und Risiken liegen in der Anwendung von KI-Systemen in der Sozialen Arbeit – etwa bei Dokumentation, Beratung oder Assistenztechnologien? Wo sind ethische und rechtliche Fragen zu stellen und zu klären? Welche KI-Kompetenzen brauchen Sozialarbeitende, pädagogisch Tätige und ihre Institutionen? Wie schützen sich Professionelle vor einem Deskilling – dem Verlernen von Tätigkeiten, die durch Computer automatisiert ausgeführt werden?

    Eine Vielzahl hoch aktueller Themen kommt in den offen lizenzierten – und damit kostenlos verfügbaren Sammelband „Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit: Grundlagen für Theorie und Praxis“ zu Wort, der jüngst im Beltz-Verlag erschienen ist. In ihrer Einführung verweisen die Herausgeber auf die besondere Verantwortung in der Sozialen Arbeit, die mit sensiblen persönlichen Informationen umgeht und vulnerable Menschen begleitet. Unter dieser Perspektive werden digitale Tools wie etwa ChatGPT beleuchtet. „Weil die Soziale Arbeit stark durch Dokumentation in natürlicher Sprache geprägt ist und ein großer Teil der sozialarbeiterischen Tätigkeiten in Form von Gesprächen stattfindet, gewinnen Methoden zur Auswertung, Analyse und Generierung von Text und Sprache besondere Relevanz“, so die Herausgeber. Eine Schwierigkeit sei die fehlende Nachvollziehbarkeit der Modelle und somit ein Mangel an Erklärbarkeit der Ergebnisse.

    Das Buch beleuchtet Grundfragen des KI-Einsatzes in der Sozialen Arbeit und blickt auf konkrete Handlungsfelder und Problemstellungen. Dabei kommen Forschungsperspektiven ebenso zu Wort wie Praxiserfahrungen.

    Das Buch (PDF) steht kostenlos zum Download bereit:
    Gesa Linnemann, Julian Lohe, Beate Rottkemper (Hrsg.)(2025). Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit: Grundlagen für Theorie und Praxis. Weinheim: Beltz (CC BY 4.0)