Kategorie: Medien

  • Das Fediverse als Raum politischer Bildung

    Das Fediverse als Raum politischer Bildung

    Potenziale, Grenzen und Perspektiven für Bildungseinrichtungen

    Rüdiger Fries für bpb

    Das Fediverse als Bildungsinfrastruktur denken: Rüdiger Fries zeigt, was das Fediverse ist, welches Potenzial es für Austausch im Bildungskontext und als Lernort hat – und wo reale Grenzen liegen.

    Was ist das Fediverse?

    Das Fediverse – ein Kofferwort aus Federation und Universe – bezeichnet ein dezentrales Netzwerk miteinander verbundener Online-Plattformen, das auf offenen Standards wie ActivityPubZur Auflösung der Fußnote[1] basiert. Im Gegensatz zu kommerziellen Plattformen wie X (ehemals Twitter), Instagram oder TikTok gehört das Fediverse keinem einzelnen Unternehmen. Stattdessen besteht es aus Tausenden unabhängig betriebenen Servern, den sogenannten Instanzen, die über gemeinsame Protokolle – also Regeln und Standards – miteinander kommunizieren. Beiträge werden chronologisch angezeigt – ohne algorithmische Filtermechanismen, die entscheiden, wer welche Inhalte zu sehen bekommt.

    Die bekanntesten Dienste des Fediverse sind Mastodon (Mikroblogging), Pixelfed (Fotos), PeerTube (Videos) und Friendica (soziales Netzwerk). Alle sind interoperabel: Wer auf einer Mastodon-Instanz angemeldet ist, kann ohne weiteren Account anderen auf Pixelfed oder PeerTube folgen. Damit entsteht ein pluraler, offener Kommunikationsraum, der grundlegend anders funktioniert als die werbefinanzierten, datenhungrigen Plattformökosysteme der großen Technologiekonzerne.

    Strukturelle Vorteile für die politische Bildung

    Politische Bildung lebt von offenen kontroversen Diskursen und kritischem Denken. Genau hier liegt ein zentrales Problem kommerzieller Social-Media-Plattformen: Ihre algorithmischen Systeme sind darauf ausgelegt, die Verweilzeit auf ihren jeweiligen Plattformen zu maximieren, indem sie stark emotionalisierende Posts in den algorithmisch organisierten „For-you“-TimelinesZur Auflösung der Fußnote[2] anzeigen – ihr Ziel liegt nicht darin, den demokratischen Austausch zu fördern. Emotionalisierende, polarisierende oder reißerische Inhalte erhalten überproportionale Sichtbarkeit, während sachliche oder komplexe Beiträge systematisch benachteiligt werden. Das Fediverse folgt einer anderen Logik, bei der keine plattformseitige Priorisierung stattfindet.

    Da emotionalisierende und polarisierende Inhalte nicht bevorzugt ausgespielt werden, entstehen tendenziell konstruktivere Diskussionsräume – ein Wert, der im Bereich der politischen Bildung kaum zu überschätzen ist. Wer anderen folgt, sieht deren Beiträge tatsächlich, sie werden nicht nach undurchsichtigen algorithmischen Verfahren bevorzugt angezeigt oder herabgestuft. Möchte ich darüber hinaus Inhalte finden von Menschen, denen ich nicht folge, muss ich mich aktiv über die Option „Entdecken“ oder „Live-Feeds“ darum kümmern. Inhalte erreichen Interessierte auf Augenhöhe, ohne von Werbung oder Clickbait-Mechanismen verdrängt zu werden. Dieser ruhige Kommunikationsraum schafft die Bedingungen für jene Tiefe und Nachdenklichkeit, die sachliche politische Auseinandersetzung erfordert.

    Da Mastodon keinen zentralen Algorithmus nutzt, lassen sich Informationen am effektivsten finden, indem man relevanten Hashtags gezielt folgt. Thematische Listen ermöglichen eine übersichtliche Strukturierung der eigenen Timeline sowie eine klare Trennung verschiedener Interessengebiete. Die „Erweiterte Web-Ansicht“ am Desktop erlaubt zudem die gleichzeitige Anzeige mehrerer Spalten mit Suchergebnissen und Feeds. Dank der Volltextsuche und individueller Filter können gewünschte Inhalte präzise gefunden und störende Themen ausgeblendet werden. Barrierefreiheit wird dabei durch die Nutzung von CamelCase in Hashtags sowie durch konsequente Bildbeschreibungen aktiv unterstützt.

    Hinzu kommt die Frage der Daten- und Identitätssouveränität. Lehrkräfte, Bildungseinrichtungen und politische Bildnerinnen und Bildner, die auf kommerziellen Plattformen tätig sind, bewegen sich in einem rechtlich wie ethisch problematischen Rahmen: Datenschutz, Profilbildung durch Drittanbieter und unvorhersehbare Änderungen der Plattform-Richtlinien – wie zuletzt bei X – können pädagogische Arbeit jederzeit gefährden. Das Fediverse bietet hier eine strukturelle Alternative: Instanzen können gezielt ausgewählt, eigene Datenschutzeinstellungen bewusst konfiguriert und Inhalte langfristig abgesichert publiziert werden.

    Vernetzung, Community und professionelle Weiterentwicklung

    Im Fediverse haben sich bereits aktive Bildungscommunities gebildet. Hashtags wie #FediLZ (das Fediverse-Lehrerzimmer), #Bildung oder #OER bündeln Beiträge zu Unterrichtspraxis, Methodik und Bildungsmaterialien. Auf der im deutschsprachigen Bildungskontext etablierten Instanz bildung.social tauschen sich tausende Lehrkräfte, Bildungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie pädagogische Fachkräfte aus.

    Für die politische Bildung ist diese Community-Praxis besonders wertvoll: Materialien werden dort unter offenen Lizenzen geteilt (OER – Open Educational Resources), Fragen werden kollaborativ bearbeitet, Unterrichtsideen werden iterativ weiterentwickelt. Diese Form des Peer-to-peer-Lernens außerhalb formaler Fortbildungsstrukturen ermöglicht neue Formen von Lerngemeinschaften und stärkt die pädagogische Reflexionsfähigkeit.

    Darüber hinaus eröffnet das Fediverse modulare Publikationsformen: Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen können ihre Blogs oder WordPress-Website in das Fediverse integrieren, Bilder über Pixelfed und Erklärvideos über PeerTube-Instanzen teilen – und das alles unter einem gemeinsamen, vernetzten Dach, ohne auf einen einzigen kommerziellen Anbieter angewiesen zu sein. Für Einrichtungen der politischen Bildung, die Medienbildung selbst als Aufgabe begreifen, ist die Nutzung des Fediverse damit auch eine Form gelebter Medienmündigkeit.

    Eigene Instanzen als institutionelle Räume

    Eine besondere Perspektive eröffnet sich, wenn Bildungseinrichtungen – Schulen, Landeszentralen für politische Bildung, Volkshochschulen, Jugendbildungsstätten oder Kommunen – eigene Fediverse-Instanzen betreiben. Dies ermöglicht vollständige Kontrolle über Moderationsregeln, Datenschutz und Community-Gestaltung. Eigene Instanzen können als geschlossene interne Räume für den Austausch im Kollegium genutzt (z.B. über die lokale Timeline bei nicht öffentlichen Posts) oder als öffentlich sichtbare Präsenz im Fediverse betrieben werden – oder beides kombiniert.

    Gerade die Landeszentralen für politische Bildung könnten so digitale Räume für demokratischen Diskurs schaffen: als Vorbild für werbefreie, plurale Öffentlichkeit, als Plattform für Bürgerdialog und Beteiligungsformate, als Vernetzungsknotenpunkt für die regional verankerte Bildungslandschaft. Die technische Umsetzung ist dabei weniger komplex als oft befürchtet – Anbieter für das „Managed Mastodon Hosting“ reduzieren den administrativen Aufwand erheblich. So können sie beispielweise Arbeiten in den Bereichen Sicherheit, Backups und Updates, aber auch bei rechtlichen Löschungen übernehmen.

    Reale Grenzen und ehrliche Einschätzungen

    Eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Fediverse erfordert auch eine ehrliche Betrachtung seiner Grenzen. Reichweite entsteht langsamer als auf kommerziellen Plattformen: Wer auf schnelle, breite Sichtbarkeit angewiesen ist – etwa für Nachrichten, kurzfristige Fortbildungsangebote oder Pressemitteilungen – wird das Fediverse sinnvoll durch andere Kanäle ergänzen müssen. Die Netzwerkdichte in spezifischen Fach- und Themenbereichen oder in sprachlichen Kontexten jenseits des Deutschen oder Englischen ist derzeit noch begrenzt, wächst aber kontinuierlich.

    Hinzu kommt das Problem der digitalen Spaltung: Nicht alle Lehrkräfte oder Mitarbeitenden in Bildungseinrichtungen verfügen über gleiche technische Vorerfahrungen. Ohne begleitende Fortbildungen, organisatorische Unterstützung und niedrigschwellige Einstiegsangebote bleibt das Potenzial des Fediverse für viele unzugänglich. Wer allerdings einfach loslegen möchte, wird feststellen: Die Erstregistrierung auf einer Instanz wie mastodon.social dauert wenige Minuten und erfordert keine technischen Vorkenntnisse.

    Der Betrieb einer eigenen Instanz hingegen setzt Ressourcen voraus: technische Administration, Moderation, Datenschutz-Compliance. Dieser Aufwand lohnt sich vor allem für größere Einrichtungen, die langfristig digitale Souveränität und institutionelle Sichtbarkeit im Fediverse anstreben.

    Einen eher kritischen Blick gibt es auf die Transparenz und Kuratierung einzelner Instanzen. Gut zusammengefasst wird die Debatte in dem von Matthias Kettemenn verfassten Artikel Interner Link:„Dezentral, dynamisch, demokratisch: Sind föderierte Plattformen wie Mastodon besser?“. Die innere Demokratisierung von Mastodon steckt noch in den Kinderschuhen: Moderationsentscheidungen werden immer wieder nicht transparent genug kommuniziert, und das Fehlen algorithmischer Empfehlungen macht die Plattform für Neunutzende zunächst unübersichtlicher als gewohnte Netzwerke.

    Wer von X, Instagram oder LinkedIn kommt, ist gewohnt, dass die Plattform von Beginn an Inhalte vorschlägt, Kontakte empfiehlt und die Timeline mit vermeintlich relevantem Content befüllt. Bei Mastodon passiert das nicht: Die Timeline bleibt leer, bis man selbst aktiv anderen Accounts folgt. Hinzu kommt die Instanzlogik, die für Neueinsteigende zunächst nicht unmittelbar verständlich ist. Warum gibt es verschiedene Server? Was ist der Unterschied zwischen der lokalen, der föderalen und der persönlichen Timeline? Welche Instanz ist die „richtige“ für mich? Diese Fragen stellen sich bei zentralisierten Plattformen schlicht nicht. Kurz gesagt: Das Fediverse setzt Eigeninitiative und ein gewisses Maß an Orientierungswille voraus, bevor es seinen Mehrwert entfaltet.

    Mastodon könnte als Experimentierraum für demokratische Plattformregeln dienen, indem Nutzende niederschwellig in Moderationsprozesse einbezogen werden – etwa über Plattformbeiräte aus Bildungssektor, Zivilgesellschaft und jungen Menschen.

    Das Fediverse als Bildungsinfrastruktur denken

    Das Fediverse ist kein Nischenphänomen mehr, aber auch noch keine Massenplattform. Für die politische Bildung ist genau das ein Vorteil: Es bietet einen Raum für substanziellen Diskurs, selbstbestimmte Vernetzung und demokratische Medienpraktiken – fern von Reichweiten-Logik, Datenverwertung und konzerngesteuerter Öffentlichkeit. Wer Medienbildung als demokratische Aufgabe begreift, findet im Fediverse nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Modell.

    Die Potenziale liegen auf drei Ebenen: Erstens als professionelles Netzwerk für Bildungspraktikerinnen und -praktiker, die Austausch, Inspiration und kollegiale Beratung suchen. Zweitens als Lernort und Anschauungsbeispiel für Lernende, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, wie eine nicht-kommerzielle, demokratisch verfasste digitale Öffentlichkeit aussehen kann. Drittens als institutionelle Chance für Einrichtungen politischer Bildung, souveräne digitale Räume zu schaffen und damit die eigene Glaubwürdigkeit in Fragen der Medienbildung zu stärken.

    Damit diese Potenziale gehoben werden können, braucht es Strategie, Ressourcen und Geduld. Das Fediverse funktioniert nicht nach der Logik „Ein Post = viel Reichweite“. Es belohnt stattdessen kontinuierliche Präsenz, authentischen Austausch und den Aufbau von Netzwerken.


    Um eine passende Instanz zu finden, empfiehlt sich die > Übersicht auf Mastodon Instances. Erste Hashtags zum Folgen: #FediLZ, #Bildung, #OER, #politischeBildung. Einen guten Einstieg beschreibt auch Nele Hirsch in ihrem > Blog.


    Der Text „Das Fediverse als Raum politischer Bildung“ ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY-SA 4.0“ veröffentlicht. Autor/-in: Rüdiger Fries für bpb.de

  • Ohne KI-Resilienz kein zukunftsfähiger Journalismus

    Ohne KI-Resilienz kein zukunftsfähiger Journalismus

    Ein Mann notiert etwas auf einen Zettel neben seinem Computer.
    Foto: StartupStockPhotos auf Pixabay

    Das Whitepaper will einen ganzheitlichen Blick auf Responsible KI in den Medien schärfen.

    Hamburg (2mind) – Der Einsatz von KI verändert den Journalismus grundlegend – sie greift ein in Recherche, Produktion und Distribution. Das könnte die Beziehungen der Journalisten zu ihrem Publikum porös werden lassen und zu Vertrauensverlusten führen. Mit dem Whitepaper „KI-Resilienz im Journalismus“ stellen sich die Kommunikationswissenschaftlern Leif Kramp und Stephan Weichert nach eigenen Worten der Herausforderung: „Wie bleibt Journalismus entscheidungssicher, zurechnungsfähig und glaubhaft in einer Kommunikations- und Medienumgebung, die zunehmend von KI geprägt ist?“

    Aktuelle Anlässe dafür gibt es genug: Mitte Februar flossen KI-generierte Bilder ohne entsprechende Kennzeichnung in einen Beitrag des „heute journal“ zu Abschiebungen von Minderjährigen in den USA ein; die Redaktion entschuldigte sich. Anfang März veröffentlichte der „Spiegel“ in seiner Berichterstattung über den Iran ungekennzeichnet KI-generierte Bilder, die das Magazin über eine Bildagentur bezogen hatte; das Magazin entfernte die Bilder und entschuldigte sich.

    Im Umgang mit KI komme der Journalismus mit Ge- und Verboten nicht weiter, so die Autoren des Whitepaper. Gefordert sei „der ganzheitlich-ethische, aber auch der psychosozial-organisationale Blick, was landläufig unter dem Schlagwort der Responsible AI verhandelt wird“. Dazu will sich der Text folgenden Fragen stellen:

    • „Wie verändert KI die Atmosphäre in Redaktionen?
    • Wie verändert sie Teamdynamik, Verantwortungslinien, Entscheidungsprozesse?
    • Wie verändert sie das Verhältnis zu Quellen, Fehlern, zum Publikum?
    • Wie wirkt KI auf die Öffentlichkeit, die der Journalismus mitgestalten will?
    • Und: Wie sehr stärken oder schwächen KI-Anwendungen die digitale Souveränität?“

    Dabei definiert das Whitepaper KI-Resilienz als professionelle Kernkompetenz anhand von drei Dimensionen:

    • Vertrauen nicht voraussetzen, sondern aktiv aufbauen
    • Verantwortung nicht delegieren, sondern klar verorten
    • Beziehungen aktiv gestalten – zwischen Menschen, Medien und Maschinen

    Für die Autoren der Studie geht es beim Umgang mit KI um die Zukunftsfähigkeit des Journalismus. „Wir erleben nichts weniger als eine digitale Zäsur, in der es längst nicht mehr um technische Evolution geht als vielmehr um die Gretchenfrage, ob sich journalistische Inhalte in den kommenden Jahren noch behaupten können, ob journalistische Arbeit überhaupt noch sichtbar bleibt und ob Menschen sie weiterhin zu schätzen wissen – und bereit sind, dafür zu bezahlen“, so Kramp und Weichert in dem Papier. Zielgruppe der Publikation sind Redaktionen und Medienschaffende ebenso wie Medienpolitiker und die Zivilgesellschaft. Herausgegeben wird es vom Vocer Institut für Digitale Resilienz, einem Projekt des Hamburger Vereins für Medien- und Journalismuskritik.

    Das > Whitepaper „KI-Resilienz im Journalismus“ als PDF zum Download

  • tagesschau und NDR starten neues Faktencheck-Format

    tagesschau und NDR starten neues Faktencheck-Format

    Grafik: Alex Shuper für Unsplash+

    Hamburg (2mind) – Mit „rabbit hole“ starten die tagesschau und der NDR ein innovatives Faktencheck-Format, das junge Menschen im Umgang mit Falschinformationen auf Social Media stärken und ihnen praktische Werkzeuge zur Überprüfung digitaler Inhalte an die Hand geben will. Das neue Format der tagesschau erklärt anschaulich, wie Desinformation funktioniert, und macht den journalistischen Rechercheprozess für die Zuschauer sichtbar.

    „Desinformation im Netz wird immer professioneller gemacht. Da reicht es nicht mehr aus, Behauptungen nur zu widerlegen“, so Sven Lohmann, Leiter des NDR-Verifikationsteams, auf tagesschau.de. „In ‚rabbit hole‘ zeigen wir deshalb ganz genau, wie wir arbeiten.“ Das neue Format soll zeigen, wie ein Bild oder die Herkunft eines Videos überprüft werden. Lohmann weiter: „Wer einmal verstanden hat, wie manipulative Geschichten aufgebaut sind, fällt im eigenen Feed nicht mehr so leicht darauf herein.“

    „rabbit hole“ erscheint seit dem 9. März dreimal im Monat und ist in der ARD Mediathek sowie in den tagesschau-Kanälen auf YouTube und TikTok abrufbar.

  • Künstliche Intelligenz verstehen und kompetent nutzen

    Künstliche Intelligenz verstehen und kompetent nutzen

    Grafik: Unsplash+

    Mainz (2mind) – Wie funktioniert Künstliche Intelligenz (KI)? Wie sehen gute Prompts – Arbeitsaufträge an die KI – aus? Welche psychologischen Aspekte sind im Umgang mit KI-Chatbots wichtig? Und was ist mit kritischen KI-Themen wie BIAS (Vorurteile) und Nachhaltigkeit?

    Das soeben in 2. Auflage erschienene Buch „Künstliche Intelligenz verstehen und kompetent nutzen“ von Tobias Albers-Heinemann und Lukas Spahlinger bietet ein breites Themenspektrum. Es ist verständlich geschrieben, wobei ansprechend gestaltete Grafiken den Blick auf komplexe Zusammenhänge erleichtern. Das Buch bietet sowohl Hintergründe als auch viele praxisorientierte Hinweise. Und es ist offen lizenziert (CC BY-SA 4.0) und im Rahmen dieser Lizenz frei nutzbar.

    Das Buch „Künstliche Intelligenz verstehen und kompetent nutzen“ bündelt zentrale Ergebnisse des Projekts „AI Impact – Wir mit KI“, das vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) gemeinsam mit weiteren Partnern durchgeführt wurde.

    Das > Buch „Künstliche Intelligenz verstehen und kompetent nutzen“ als PDF zum Download

  • TikTok: Meinungsblasen vernebeln gesellschaftliche Mehrheiten

    TikTok: Meinungsblasen vernebeln gesellschaftliche Mehrheiten

    Drei junge Mädchen schauen mit "Kussmund" in eine Kamera.
    Foto: Unsplash+

    Mainz (2mind) – Der bei Jugendlichen beliebte Social-Media-Dienst TikTok erweckt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kurzvideos den Eindruck eines vielstimmigen Meinungsraumes. Allerdings geraten junge Menschen schnell in „Echokammern“: Gemeint sind digitale Umgebungen mit sich gegenseitig bestätigenden Beiträgen. Der Report „Meinungsblasen und Extremismus auf TikTok“ von Jugendschutz.net widmet sich der politischen Beeinflussung durch die Plattform. So geht es um die Frage, wie Meinungsblasen entstehen.

    Problematisch sei es laut der Autoren, wenn TikTok die einzige oder vorrangige Informationsquelle zu kontroversen politischen Themen darstelle. Kinder und Jugendliche würden möglicherweise nicht erkennen, wie schnell sie durch personalisierte Empfehlungen in solche Blasen geraten. Für das Entstehen homogener Meinungsräume seien neben dem Vorschlagsalgorithmus die Vernetzung der jungen Nutzer untereinander sowie der emotionalisierende und mit entsprechenden Hashtags versehene Inhalt von Extremisten verantwortlich.

    TikTok als „sozial-mediale Gegenöffentlichkeit“

    „Das gemeinschaftlich und algorithmisch verzerrte Meinungs- und Realitätsbild bestätigt und verstärkt Verschwörungsdenken“, heißt es in dem Bericht. TikTok werden von Nutzern dann als „sozial-mediale Gegenöffentlichkeit“ erlebt, nur dort könne man noch „die Wahrheit“ finden.

    Der Bericht beschreibt sodann das Vorgehen extremistischer Akteure auf TikTok: den Einsatz von Livestreaming, die Nutzung von TikTok als Online-Pranger, die Selbstrepräsentation extremistischer Akteure, den Einsatz von Songs, Edits und einschlägig codierten Emojis sowie extremistischer Posen.

    Durch Meinungsblasen könne ein unzutreffendes Bild über gesellschaftliche Mehrheiten entstehen. Weiter schreiben die Autoren: „Besonders schwerwiegend ist das dort, wo Misstrauen gegenüber demokratischen Instanzen geschürt wird (z. B. Wahlen), offener Hass das Kommunikationsklima bestimmt oder Verschwörungsdenken dominiert. Besorgniserregend ist, wenn junge Nutzer:innen selbst versuchen, sich über öffentliche demokratiefeindliche Äußerungen zu profilieren. Durch das positive Feedback kann eine Art „Radikalisierungsspirale“ in Gang geraten.“

    Transparenz zu Algorithmen gefordert

    Gefordert werden in dem Report ein nachhaltiges Vorgehen von TikTok gegen unzulässige Angebote sowie altersgerechte Sicherheitseinstellungen. „Hinsichtlich des Empfehlungsalgorithmus ist es an TikTok, diesen transparent zu machen und verantwortungsvoll zu gestalten.“ Zudem seien die Aufklärung und Sensibilisierung junger Nutzerinnen und Nutzer wichtig.

    Jugendschutz.net wurde 1997 als Stelle aller Bundesländer mit dem Auftrag des Jugendmedienschutzes gegründet.

    Der > Report „Meinungsblasen und Extremismus auf TikTok“ im Internet

  • Digitale Spiele – pädagogisch beurteilt

    Digitale Spiele – pädagogisch beurteilt

    Foto: Alexander Andrews auf Unsplash

    Köln (2mind) – Mit der Broschüre „Digitale Spiele – pädagogisch beurteilt“ will der Spieleratgeber-NRW aufzeigen, welche Spiele sich für welche Altersgruppe eignen. Die Broschüre bietet eine Einführung in die Alterskennzeichnung für digitale Spiele (USK Kennzeichnung). In einem Fachbeitrag geht es um den pädagogischen Umgang mit rechtsextremen Inhalten auf Gaming-Plattformen. Sodann werden für die verschiedenen USK-Altersgruppen geeignete Spiele vorgestellt und bewertet.

    Welche Risiken in digitalen Spielen stecken können, dazu bietet der Spieleratgeber-NRW > auf seiner Website eine Übersicht.

    Die > Broschüre „Digitale Spiele – pädagogisch beurteilt“ als PDF zum Download

  • Über 2 Millionen Menschen in Deutschland leben offline

    Über 2 Millionen Menschen in Deutschland leben offline

    Foto: kewl auf pixabay

    Wiesbaden (2mind) – Trotz der zunehmenden Digitalisierung des Alltags bleibt ein Teil der Bevölkerung in Deutschland offline. Im Jahr 2025 hatten rund 3 % der 16- bis 74-Jährigen noch nie das Internet genutzt. Das entspricht etwa 2,1 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Der Anteil der sogenannten Offliner ist in den letzten fünf Jahren stetig gesunken. Im Jahr 2021 lag er noch bei 6 %.

    Besonders in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen ist der Anteil der Offliner hoch. Hier nutzten 2025 etwa 10 % der Menschen das Internet noch nie. Bei den 45- bis 64-Jährigen lag der Anteil bei 3 %, während in der jüngeren Generation der 16- bis 24-Jährigen nur 2 % offline waren. In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen war der Anteil mit 1 % am niedrigsten.

    Deutschland im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt

    Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit einem Offliner-Anteil von 3 % unter dem EU-Durchschnitt von 4 %, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat berichtet. Länder wie Irland, die Niederlande, Schweden und Luxemburg verzeichneten weniger als 1 % Offliner. Dagegen waren in Kroatien und Portugal jeweils rund 10 % der Menschen offline.

    Weltweit bleibt ein Viertel der Bevölkerung offline

    Global betrachtet bleibt der Zugang zum Internet für viele Menschen eine Herausforderung. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) waren 2025 etwa 26 % der Weltbevölkerung offline. Das entspricht rund 2,2 Milliarden Menschen. In Europa und Nordamerika ist der Internetzugang zwar besser, dennoch nutzten dort 8 % beziehungsweise 12 % der Bevölkerung kein Internet.

  • Future Skills 2030 für eine Welt im Wandel

    Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft  legt ein aktualisiertes Framework für Zukunftskompetenzen vor.

    Essen(2mind) – Welche Kompetenzen brauchen Studierende und Arbeitnehmer in einer Welt, die sich in einem immer schnelleren Wandel befindet? Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat sein erstmals 2021 vorgelegtes Rahmenwerk „Future Skills 2030“ aktualisiert.

    Das Framework verzeichnet drei Kompetenzbereichen für Transformation, Gemeinschaft und Digitalisierung, die sich an der Spitze zu Kompetenzen für technologische Exzellenz entwickeln. Die Basis bilden Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken oder Kommunikationskompetenz. Ein Expertenteam mit etwa 30 Personen hat die „Future Skills 2030“ aktualisiert und dabei rund 1.000 Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen befragt.

    „Die Transformation wird zur Normalität: Transformative Zukunftskompetenzen wie Innovationskompetenz oder Nachhaltigkeitskompetenz bleiben weiter hochrelevant“, heißt eine Kernbotschaft des Frameworks. Der Megatrend Künstliche Intelligenz (KI) erfordert grundlegende und digitale Zukunftskompetenzen wie AI Literacy und Data Literacy für alle.

    Das > Framework Future Skills 2023 als PDF zum Download

  • KI-basierte Future Skills werden wichtiger

    KI-basierte Future Skills werden wichtiger

    Grafik: Unsplash+

    Das Fraunhofer IAO analysiert 29 deutschsprachige Studien und definiert 39 Kompetenzen für die Zukunft der Bildung.

    Stuttgart (2mind) – Künstliche Intelligenz und andere technische Innovationen verändern unseren Alltag und unsere Arbeitswelt enorm. Welche Kompetenzen brauchen wir, um diese Technologien gewinnbringend in unser Leben und unsere Arbeit integrieren zu können. Wie können (Hoch-) Schulen junge Menschen in einer sich schnell verändernden Welt auf die Zukunft vorbereiten? Und wie können Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden fördern?

    Mit diesen Fragen hat sich das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in einer Metastudie beschäftigt. 29 Studien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden dazu analysiert. Dabei wurden 830 Kompetenzen erfasst und zu 39 Future Skills verdichtet. Die Future Skills im Überblick:

    Die Metastudie zeige, dass „Green Skills-bezogene und KI-basierte Future Skills Anforderungen zunehmen.“ Weiter heißt es im Text: Insgesamt „besteht großer Forschungsbedarf, um Unternehmen und Organisationen zielgerichtet bei der Identifikation und Entwicklung von Future Skills zu unterstützen.“

    Die Metastudie als PDF:

  • Neu: Das Online-Magazin „Digital Glauben“

    Neu: Das Online-Magazin „Digital Glauben“

    Das Cover des Magazins "Digital Glauben"
    Foto: Screenshot

    Praxisrelevante Inhalte für die digitale Jugendarbeit bietet die CVJM Hochschule.

    Kassel (2mind) – Was bietet die christliche E-Sport-Liga? Welche Chancen und Risiken stecken in der digitalen Evangelisation? Wie steht des um die Praxis digitaler Jugendarbeit? Und wie bleibt die Kirche digital authentisch? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die im Herbst erschienene erste Ausgabe des Online-Magazins „Digital Glauben“. Herausgegeben wird es von der CVJM Hochschule.

    Die Texte der Publikation sind mit einer CC BY-SA 4.0-Lizenz versehen, können also unter Angabe des Erstellers auch in anderen Kontexten verwendet werden.

    Lesenswert ist etwa der Beitrag „Digitale Seelsorge – Herausforderung und Geschenk zugleich“ von Achim Blackstein. „Digitale Seelsorge bleibt (.) eine spannende Aufgabe zwischen Technik und Menschlichkeit und zeigt, dass echte Nähe auch über Bildschirme hinweg entstehen kann“, schreibt der Pastor der Ev.-Luth. Landeskirche Hannover. Wer eine schnelle Orientierung zur Praxis digitaler Seelsorge sucht, wird hier fündig.

    Der Link zum Online-Magazin: https://zukunft-jugendarbeit.de/digital-glauben/