Kategorie: Gesellschaft

  • Neu am Berufskolleg Bleibergquelle: Die Praxisintegrierte Ausbildung

    Neu am Berufskolleg Bleibergquelle: Die Praxisintegrierte Ausbildung

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    Velbert (2mind) – Im kommenden Schuljahr 2024/25 startet am Berufskolleg Bleibergquelle in Velbert die „Praxisintegrierte Erzieherausbildung“ (PiA). Was genau geplant ist, berichtet die neue Bildungsgangleiterin Susanne Gudd-Portugall im Interview.

    Am Berufskolleg Bleibergquelle wirst Du die „Praxisintegrierte Erzieherausbildung“ (PiA) aufbauen. Das Thema ist für Dich aber nicht neu. Was ist das Besondere an der PiA?

    Susanne Gudd-Portugall: Bis zum Sommer habe ich in Essen in einem PiA-Ausbildungsgang gearbeitet und dort die intensive Verzahnung von Theorie und Praxis kennengelernt. So planen wir es auch an der Bleibergquelle: Die Studierenden werden jede Woche einige Tage am Berufskolleg und einige Tage in der Praxis sein. Inhalte, die wir in der schulpraktischen Ausbildung vermitteln, können damit unmittelbar in die Praxis transportiert werden. Und Praxiserfahrungen können wir zeitnah im Unterricht reflektieren.

    Die Theorie-Praxis-Verzahnung ist also eine besondere Stärke?

    Genau: Die Lehrkräfte der stehen in regelmäßigem Austausch zu den Mitarbeitenden der Praxisstellen. Regelmäßige Praxisbesuche fördern diesen Austausch. Und Studierende können ihre Probleme und Beobachtungen in der Praxis unmittelbar in den Unterricht tragen.

    Welche Praxisfelder lernen PiA-Studierende kennen?

    Die Ausbildungsverträge werden in der Regel mit Kindertagesstätten geschlossen. Zur Ausbildung gehört aber auch ein zehnwöchiges Praktikum in einem anderen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeld, also z.B. in der Jugendhilfe, in Freizeiteinrichtungen oder dem offenen Ganztag.

    Wie läuft die PiA-Ausbildung ab?

    Wie die Vollzeitausbildung dauert sie insgesamt drei Jahre. Im 3. Ausbildungsjahr findet das Abschlussexamen statt und daran anschließend das Kolloquium.

    Wie lässt sich ein PiA-Studium finanzieren?

    Die Studierenden schließen Verträge mit den Trägern der Praxiseinrichtungen. Die Träger sind froh über die Entlastung, die sie durch diese Studierenden unmittelbar erhalten. Die Vergütung ist von Träger zu Träger unterschiedlich und liegt in der Regel zwischen 600 und 800 Euro.

    Wie entscheide ich mich denn zwischen einer Vollzeit-, einer berufsintegrierten oder einer praxisintegrierten Erzieherausbildung?

    Die berufsintegrierte Ausbildung ist ein Angebot für Menschen mit Berufserfahrung, die bereits in pädagogischen Tätigkeitsfeldern arbeiten. Ob im Anschluss an die Schule eine Vollzeit- oder eine praxisintegrierte Ausbildung besser passt, muss jeder selbst entscheiden. Das hängt auch am Lerntyp: Bringt mich die theoretische Grundlegung oder die intensive Praxis auf meinem Lernweg besser voran?

    Und wann geht es an der Bleibergquelle los?

    Wir starten im Schuljahr 2024/25 mit der PiA-Ausbildung. Anmeldungen dazu sind ab sofort möglich. Auf unserem Tag der offenen Tür am 16. September werden wir die PiA ausführlich vorstellen und ich stehe für alle Fragen dazu zur Verfügung. Ansonsten gibt es die Infos und das Anmeldeformular im Internet: https://freiraum.news/pia

    Vielen Dank für das Gespräch!

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  • Kita-Mitarbeiter unter Kinderpornoverdacht

    Kita-Mitarbeiter unter Kinderpornoverdacht

    Kinder brauchen Nähe (Foto: Caroline Hernandez auf Unsplash)

    Erkrath (2mind) – Das Thema Kinderpornografie bewegt die Menschen. Deshalb verwundert es nicht, dass der Fall eines 41-jährigen Kita-Mitarbeiters ein großes Presseecho erlebt: Der Mann sei in einem Schwimmbad in Baden-Württemberg dabei beobachtet worden, wie er Kinder gefilmt habe. Polizisten gegenüber bezeichnete er sich danach selbst als „Pädophiler“, berichtet etwa die „Zeit“. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden Beamte zahlreiche Datenträger, auf denen sich nach einer ersten Durchsicht auch kinderpornografische Inhalte befinden sollen. Der Mann hatte in verschiedenen Kitas als „Springer“ gearbeitet.

    Radio Neandertal erfuhr auf Nachfrage bei der Stadt Erkrath, dass der Beschuldigte nach Bekanntwerden der polizeilichen Ermittlungen sofort entlassen wurde. Die Jugendbehörde in Erkrath habe die Eltern der Kindergartenkinder informiert. „Hinweise auf einen etwaigen durch den Beschuldigten verübten sexuellen Missbrauch liegen derzeit nicht vor“, heißt es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Wuppertal.

    Zur Diskussion:

    Kitas sollen ein „sicherer Ort“ sein und das Vertrauen zwischen Eltern, Kindern und pädagogischem Personal ist eine Grundlage ihrer Arbeit. Schutzkonzepte, wie sie das Landeskinderschutzgesetz NRW (§11) vorschreibt, sollen dazu beitragen. Reichen die vorhandenen Konzepte zum Schutz der Kinder und zur Vertrauensbildung aus? Oder was sollte darüber hinaus geschehen? Beteiligen Sie sich gerne mit Ihren Erfahrungen und Ihrer Meinung!

  • „Das System kollabiert gerade“

    „Das System kollabiert gerade“

    Foto: Nadine Shaabana auf Unsplash

    Dortmund (2mind) – Im zurückliegenden Jahr haben sich nordrhein-westfälische Jugendämter 56.914-mal mit einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung beschäftigt und eine Einschätzung dazu vorgenommen. In 14.411 Fällen wurde dabei eine latente oder akute Kindeswohlgefährdung festgestellt: am häufigsten aufgrund von Vernachlässigungen, gefolgt von psychischen und körperlichen Misshandlungen. In 985 Fällen lagen Hinweise auf sexuelle Gewalt vor.

    Die Zahl der Verdachtsverfahren auf Kindeswohlgefährdung stieg um fast 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als 100 Prozent gegenüber dem Jahr 2012. Diese Zahlen berichtet das Statistische Landesamt NRW.

    Nachgegangen ist dem jetzt die WDR Lokalzeit Ruhr. Während die Fallzahlen in der Jugendhilfe steigen, fehlen sowohl in den Jugendämtern als auch bei den freien Trägern Fachkräfte. „Das System kollabiert gerade“, sagt Thomas Soer, Leiter der Jugendhilfe echt in Dortmund, in der Sendung. Unterbringungsmöglichkeiten für gefährdete Kinder zu finden, werde zunehmend zu einem Problem. Immer häufiger blieben vermeintlich leichte Fälle liegen. Unterstützung erhält er in der Sendung von Karen Krause Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) der Ruhr-Universität Bochum. „Wir brauchen mehr Fachkräfte“, so die Psychologin.

    Das Problem ist auch dem Deutschen Städtetag bekannt. Dessen Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy erklärte schriftlich gegenüber dem Sender: „Die Arbeitsbelastung der Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD) in den Städten steigt seit Jahren dynamisch. Der Beruf fordert die Beschäftigten mental stark. Die Länder müssen die Kommunen deutlich mehr unterstützen: Sie müssen zum Beispiel zusätzliche Studienplätze für sozialpädagogische Studiengänge an den Fachhochschulen schaffen.“

  • Arbeitslosigkeit der Eltern schadet Bildungserfolg: Ganztagsausbau hilft

    Arbeitslosigkeit der Eltern schadet Bildungserfolg: Ganztagsausbau hilft

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    Berlin (2mind) – Werden Eltern während der Grundschulzeit ihrer Kinder arbeitslos, verringert sich die Chance dieser Kinder auf das (Fach-) Abitur. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Forscher haben Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Trotz der langen Zeit zwischen der Arbeitslosigkeit der Eltern und den gemessenen Effekten auf den Schulerfolg ihrer Kinder können die Ergebnisse kausal interpretiert werden, so die Forscher: Die Arbeitslosigkeit der Eltern ist tatsächlich Ursache für die schlechteren Bildungsergebnisse ihrer Kinder.

    Als besonders einflussreich zeigte sich in der Studie die Arbeitslosigkeit des Vaters: Betroffene Kinder erreichen mit einer um gut 30 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit das (Fach-) Abitur. Bei einer Arbeitslosigkeit der Mutter sind geringe oder keine Effekte – wobei die Kinder in der untersuchten Stichprobe wurden zwischen 1979 und 2001 geboren wurden und die Erwerbstätigkeit von Müttern seitdem deutlich gestiegen ist.

    „Die Studie zeigt ein weiteres Mal, wie stark der Bildungserfolg in Deutschland vom Elternhaus abhängt“, so Celina Tippmann, eine Co-Autorin der Studie, gegenüber der Presse. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Felix Weinhardt fordert sie, das Bildungssystem so zu gestalten, dass der Bildungserfolg der Kinder weniger stark von den Eltern abhängt. „Ganztagsschulen und der beschlossene Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab 2026 sind ein wichtiger Schritt“, so Co-Autor Weinhardt.

    Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Befragung privater Haushalte in Deutschland, die seit 1984 jährlich durchgeführt wird und für die aktuell jedes Jahr rund 30 000 Personen in etwa 15 000 Haushalten befragt werden.

  • Kitas: Verschärfter Personalmangel belastet Fachkräfte und Alltag

    Kitas: Verschärfter Personalmangel belastet Fachkräfte und Alltag

    Foto: Pro Church Media auf Unsplash

    Berlin (2mind) – Die hohe Arbeitsbelastung von pädagogischen Fachkräften führt zu höheren Fehlzeiten und mehr Krankschreibungen. So sehen es 97 Prozent der Kita-Leitungen, die an einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) teilnahmen. 95 Prozent erleben einen verschärften Personalmangel und das Problem, geeignete Bewerber für offene Stellen zu finden.

    Das hat Folgen für den Kita-Alltag: 64 Prozent der befragten Kita-Leitungen berichteten, in den letzten zwölf Monaten in 20 Prozent der Zeit in Personalunterdeckung gearbeitet zu haben, also etwa mit zu wenig Personal, um den Aufsichtspflichten zu entsprechen. Laut Kita-Leitungen führte der Personalmangel in der Hälfte der Einrichtungen (51 Prozent) zum Ausfall von Teamsitzungen und hatte negative Auswirkungen auf die Vorbereitungs- und Reflexionszeit für pädagogische Angebote (89 Prozent), auf Beobachtung und Dokumentation (90 Prozent) sowie auf die Konzeptentwicklung (83 Prozent).

    „Das sind erschreckende Ergebnisse, die deutlich machen, dass die Politik ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht gerecht wird. Sie sind ein eindringlicher Hilferuf und die Verpflichtung zum Handeln“, so Tomi Neckov, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), gegenüber der Presse. Der Verbandsvertreter fordert mehr Geld für die Kitas: „Die frühkindliche Bildung braucht, hier gibt es keine zwei Lesarten, massive Investitionen – jetzt und dauerhaft“.

    Derweil setzten die Kita-Leitungen bei der Personalgewinnung und -sicherung auf die praxisintegrierte Ausbildung (53 Prozent), auf die Entfristung befristeter Arbeitsverträge (44 Prozent) und die Öffentlichkeitsarbeit (42 Prozent). „In den kommenden Jahren wird ein großer Teil der Leitungspositionen in Deutschland neu zu besetzen sein, der Ganztagsanspruch verstärkt den Personalbedarf zusätzlich, von der Wirkung aktueller Missstände auf den dringend benötigten Nachwuchs ganz zu schweigen. Es besteht akuter Handlungsbedarf“, so Neckov.

    An der DKLK-Studie 2023 haben im Rahmen einer Online-Befragung zwischen Oktober 2022 und Januar 2023 5.387 Kitaleitungen teilgenommen. Durchgeführt wird sie vom dem VBE Bundesverband sowie vier VBE Landesverbänden in Kooperation mit FLEET Education Events. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei der Hochschule Konstanz.

  • Grundschule Bleibergquelle: Einweihungsfeier

    Grundschule Bleibergquelle: Einweihungsfeier

    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung

    Velbert (2mind) – Am Samstag wurde die Einweihung der Grundschule Bleibergquelle gefeiert. Seit dem 10. Februar wird in dem Neubau unterrichtet – derzeit zwei erste Klassen. Mit jedem Schuljahresbeginn werden weitere Klassen hinzukommen und nach dem Konzept der „Draußenschule“ lernen. Dabei verlassen die Klassen einmal pro Woche das Schulgebäude und sind in der Natur oder der Region unterwegs: ein ökologisches Bildungsverständnis, das Lernen in und von der Natur ermöglicht. Zugleich wird die Schule ihre Schülerinnen und Schüler auf das Leben in einer zunehmend digitalen Welt vorbereiten, wie Schulleiter Arnfried Szymanski auf der Einweihungsfeier sagte.

    Die Grundschule ist Teil des Bildungszentrums Bleibergquelle, zu dem auch eine Kindertagesstätte, eine inklusive Gesamtschule und ein Berufskolleg für Gesundheit und Soziales gehören.

    Mehr im Internet: https://gsbleibergquelle.de

    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung
    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung
    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung

  • „Vielerorts katastrophal“: Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

    „Vielerorts katastrophal“: Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

    Foto: Kevin Bückert auf Unsplash

    Wuppertal (2mind) – „Eine angemessene, das Kindeswohl wahrende Aufnahme, Versorgung, Betreuung und Begleitung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) ist derzeit an vielen Orten Deutschlands nicht mehr gewährleistet.“ Mit diesem Statement trat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Dezember an die Öffentlichkeit. Das Positionspapier wurde inzwischen von über 370 Dachverbände, Träger, Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet. Die Kernforderung darin lautet: „Kindeswohl für alle Kinder und Jugendlichen sichern“.

    Die steigende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge trifft in Deutschland auf ein deutlich geschwächtes Ankunfts- und Betreuungssystem. „Die Unterbringungssituation gestaltet sich vielerorts als zunehmend katastrophal“, heißt es in dem Papier. In der Inobhutnahme fehle es an geeigneten Plätzen für junge Menschen mit komplexen Bedarfen. Freien Trägern falle es zunehmend schwer, Fachkräfte für ihre Angebote zu finden.

    Für die jungen Flüchtlinge gelten eigentlich die Standards des SGB VIII; einige Bundesländer hätten die Standards aber für diese Zielgruppe abgesenkt. Unbegleitete junge Flüchtlinge werden teilweise in Großunterkünften wie Turnhallen untergebracht, zeitweise auch in Einrichtungen für erwachsene Geflüchtete. Und eine Rund-um-die-Uhr-Begleitung ist für diese jungen Menschen mancherorts nicht gewährleistet.

    Probleme mit der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge bestünden insbesondere in Ballungsgebieten, in denen viele dieser jungen Menschen ankommen, sagt Helen Sundermeyer vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Gespräch mit 2mind. Betroffen seien etwa Berlin und Bremen, aber auch Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie höre zudem, dass in fast allen Stellen die Lage angespannt sein. Seit 2017 seien Unterbringungsstrukturen abgeschafft worden. „Die Probleme waren absehbar“, sagt Sundermeyer.

    Die Expertin verweist insbesondere auf das Fachkräfteproblem in der Flüchtlingshilfe. Die Arbeit dort sei „super-anstrengend und fordernd“. Durch viele fachfremde Mitarbeitende und Beschäftigungsverhältnisse, deren Bestand von Fluchtbewegungen abhänge, werde das Arbeitsfeld unattraktiver. Wie Sundermeyer weiter berichtet, hat das Bundesfamilienministerium in dieser Woche auf das Positionspapier reagiert und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

    Zu den Unterzeichnern des Papiers gehört die Diakonie Wuppertal. In Nordrhein-Westfalen seien Standards für die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge nicht geschlossen abgesenkt worden, sagt Bärbel Hoffmann aus der Geschäftsführung der Diakonie Wuppertal – Kinder – Jugend – Familie. Allerdings sei auch in Wuppertal spürbar, dass sich die Anfragen vermehrten und keine neuen Plätze geschaffen würden. „Die Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe müssen mehr werden“, so Hoffmann.

    In der stationären Jugendhilfe seien heute durchweg junge Menschen untergebracht, die etwa aufgrund von Traumatisierungen und sexualisierter Gewalt extrem belastet seien. Hoffmann weiter: „Bei geflüchteten jungen Menschen kommt oft hinzu, dass sie aus Ländern kommen, wo es eine extreme Gewalterfahrungen gegeben hat.“ Die Jugendhilfe kenne sich mit der Situation dieser jungen Menschen aus. Allerdings fehle es an therapeutischen Angeboten – ambulant ebenso wie stationär. „Wir haben es da in der Regel mit jungen Leuten zu tun, die traumatisierende Erfahrungen gemacht haben und viel Unterstützung und Begleitung brauchen“, sagt Hoffmann.

    Das Forderungspapier > im Internet

  • #UNDDU?: Gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

    #UNDDU?: Gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

    Screenshot #UNDDU?

    Berlin (2mind) – „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen darf kein Tabuthema sein“, unter diesem Motto steht die aktuelle Website #UNDDU?. Das Online-Angebot widmet sich insbesondere der sexualisierten Gewalt, die von Jugendlichen selbst ausgeht. Das Angebot will die sexuelle Selbstbestimmung Jugendlicher und eine klare Haltung gegen sexualisierte Gewalt fördern.

    „Jugendliche müssen in einem partnerschaftlichen Umgang und ihrer (digitaler) Beziehungskompetenz gestärkt werden und befähigt werden Ansprechpartner*innen für betroffene Jugendliche zu sein“, heißt es auf der Website. „Präventions- und Interventionsangebote müssen betroffene Jugendliche ermutigen, sich anzuvertrauen und auch so genannte Bystander (beobachtende Jugendliche) darin bestärken, einzugreifen.“

    Die Website bietet eigene Bereiche für Fachkräfte, Eltern und Jugendliche. Ein Lexikon erklärt einschlägige Begriffe; in Handlungsleitfäden bieten Videos Impulse für den Umgang mit und die Einstellung zu sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen. Zudem gibt es spielerische Einführungen zu den Themen rund um die sexualisierte Gewalt und ein Workshopangebot. Zudem soll eine digitale Community für Fachkräfte entstehen. Und es gibt eine Fachkräfte-App für Android- und iOS-Geräte.

    Herausgeber ist der Berliner Verein Innocence in Danger, der insbesondere mittels digitaler Medien gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen kämpft. Das Bundesjugendministerium fördert die Website.

    Der Link zur Website: https://unddu-portal.de/

  • MEMO-Jugendstudie: Interesse junger Menschen an der NS-Zeit – und Wissenslücken

    MEMO-Jugendstudie: Interesse junger Menschen an der NS-Zeit – und Wissenslücken

    Konzentrationslager Birkenau (Foto: Marcin Czerniawski auf Unsplash)

    Berlin (2mind) – Junge Erwachsene wollen mehr über die NS-Zeit wissen: über historische Orte und Gegenwartsbezüge. Das geht aus der in dieser Woche vorgestellten MEMO-Jugendstudie hervor, die von der Universität Bielefeld im Auftrag der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) erstellt wurde.

    „Jungen Erwachsenen wird gern historisches und politisches Desinteresse unterstellt“, so Prof. Jonas Rees von Universität Bielefeld gegenüber der Presse. „Unsere Befragung ergibt jedoch das Bild einer in weiten Teilen engagierten und interessierten Generation.“ Gleichzeitig zeigten sich aber auch Lücken mit Blick auf das Wissen zu grundlegenden historischen Fakten.

    So konnte die Hälfte der befragten 16- bis 25-Jährigen den Zeitraum der NS-Herrschaft nicht korrekt benennen. Trotzdem hatten sich 63 Prozent der jungen Erwachsenen – im Vergleich zu 53 Prozent im Durchschnitt aller Altersgruppen – nach eigenen Angaben intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Rund drei Viertel der 16- bis 25-Jährigen stellen den Sinn der Beschäftigung mit der NS-Geschichte nicht in Frage. Und ein Drittel fühlte sich im Alltag selbst schon diskriminiert.

    „Wer sich mit Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten auseinandersetzt, schaut sensibilisierter auf Diskriminierung heute“, so die Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ, Andrea Despot. Geschichtsvermittlung sei ein Booster für Solidarität und Demokratie. Despot weiter: „Wir brauchen interaktive und partizipative Angebote für Geschichtsvermittlung – innerhalb und außerhalb der Schule.“

    Für die MEMO-Jugendstudie wurden 3.485 repräsentativ ausgewählte junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren im September und Oktober 2021 sowie 838 Teilnehmer:innen erneut im September 2022 online befragt.

    Die MEMO-Jugendstudie 2023 > als PDF zum Download

  • Offener Ganztag der Zukunft: Schule und Jugendhilfe besser vernetzen

    Offener Ganztag der Zukunft: Schule und Jugendhilfe besser vernetzen

    CDC auf Unsplash

    Düsseldorf (2mind) – Das im Oktober 2021 verabschiedete Ganztagsförderungsgesetz garantiert ab August 2026 allen Kindern der ersten Klassenstufe an deutschen Grundschulen einen Platz in Ganztagsbetreuung. Und das trotz dem Mangel an pädagogischen Fachkräften und der mancherorts spartanischen Räume und Ausstattungen der Ganztagseinrichtungen. Um den Anspruch auf einen Ganztagsplatz in drei Jahren mit Qualität erfüllen zu können, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung im Januar einen Expertenbeirat einberufen. Derzeit steht in NRW mit 392.500 Plätzen ein Ganztagsangebot für etwas mehr als die Hälfte aller Kinder im Grundschulalter zur Verfügung. Die qualitative Ausgestaltung dieses Angebotes stellt sich jedoch unterschiedlich dar, sagt Prof. Ulrich Deinet, der dem Expertenbeirat angehört.

    „Die einheitlich aussehende Schullandschaft zerfällt ins sehr unterschiedliche Schulen mit sehr unterschiedlichen Ressourcen und Ausstattungen für den offenen Ganztag, was auch von der Frage abhängt, was eine Kommune finanziell leisten kann“, sagt Deinet, der am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf lehrt und forscht. „Selbst im reichen Düsseldorf sind die Unterschiede zwischen Schulen und Sozialräumen sehr gravierend.“

    Schule als Lebensraum

    Deinet verweist darauf, dass Kinder an Werktagen mehr Zeit in der Schule verbringen als danach wach zuhause. „Wir müssen uns damit beschäftigen, wie Kinder und Jugendliche den Lebensraum Schule erleben und wie sie ihn mitgestalten können“, so der Wissenschaftler. Früher lebten Kinder in einer Gleichaltrigenkultur im Stadtteil oder in der Familie; heute finde dieses gemeinsame Leben in der Schule statt.

    Dabei seien für Kinder auch Rückzugsräume von großer Bedeutung – an denen es im offenen Ganztag mitunter fehle. Deinet weiter: „Viele für die Entspannung gedachte Räume wurden inzwischen allerdings in Gruppenräume umgewandelt, weil der Bedarf so groß ist.“

    Miteinander von Schule und Jugendhilfe

    Eine Besonderheit des offenen Ganztags liegt darin, dass hier „verschiedene Systeme an einem Ort zusammenarbeiten: Schule und Jugendhilfe, meist Wohlfahrtsverbände oder auch Elternvereine. Strukturelle Unterschiede müssen professionell bearbeitet werden“, so Deinet.

    Dass dieses Miteinander gelingt, ist auch eine personelle Frage – und ein Grund, den Fachkräfteanteil im Ganztag hochzuhalten. Qualitätseinbußen beim offenen Ganztag erschwerten dessen Kooperation mit der Schule. Deinet weiter: „Die Lehrkräfte dort verfügen über Universitätsabschlüsse, und ohne qualifizierte Ganztagsmitarbeiter wird die Rede von der Begegnung auf Augenhöhe schwierig.“

    Und es geht um organisatorische Entscheidungen, die eine Verschränkung von Schule und Jugendhilfe fördern. „An manchen Schulen gibt es ‚Mitarbeitendenzimmer‘ statt ‚Lehrerzimmer‘. Professionen der Mitarbeitenden an den Schulen haben sich diversifiziert, deshalb ist ein gutes Teambuilding wichtig. Im Blick auf Schule und Jugendhilfe müssen unterschiedliche Kulturen zusammengebracht werden“, sagt Deinet.

    Dass es mit diesen multiprofessionellen Teams noch nicht überall gut läuft, hat auch Birgit Schröder beobachtet, die am Institut für soziale Arbeit (ISA) den Arbeitsbereich Jugendhilfe und Schule leitet. „Das betrifft auch die Schul- und Jugendhilfeplanung, die abgestimmt aufeinander laufen sollte, jedoch oftmals noch separiert läuft“, so Schröder.

    Planungsprozesse neu denken

    Zu einem abgestimmten Miteinander gehöre auch, dass die schulische Raumentwicklung in kommunalen Planungsprozessen und von Schulleitungen und Ganztagskoordinator:innen neu gedacht werde. Schröder weiter: „Stellen Sie sich vor, die Schule wäre komplett leer: Was brauchen Kinder über den ganzen Tag an Räumlichkeiten und Flächen?“ Angebote im Sozialraum – wie Bauspielplätze – und mögliche Kooperationspartner – wie Büchereien – sollten einbezogen werden. „Unter den Mitarbeitenden darf es das Pronomen ‚mein‘ Raum nicht mehr geben, die Nutzung von Räumen nur für den Unterricht oder nur für den Ganztag muss aufgebrochen werden.“

    Sozialpädagogische Berufskollegs gefordert

    Bei der Frage nach der Fachkräftequalität im offenen Ganztag sieht Schröder die Berufskollegs als Ausbildungsstätten in der Pflicht: „Gehört der offene Ganztag dort zum Portfolio? Ist die multiprofessionelle Zusammenarbeit im Curriculum verankert? Gibt es Weiterqualifizierungsangebote – etwa zur OGS-Fachkraft?“, fragt die Expertin.

    Und schließlich müsse im offenen Ganztag die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern stärker in den Blick genommen werden. In der Schule würden Eltern teilweise als Störenfriede wahrgenommen. Schröder weiter: „Wir wissen aber, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehr- und pädagogischen Fachkräften mit Eltern bzw. Personensorgeberechtigten einen positiven Impuls für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder hat.“

    „Personal backen können wir nicht“

    Iris Solmaz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISA und sieht im Personalmangel – neben dem Raummangel – die große Herausforderung für eine flächendeckende Einführung des offenen Ganztags. Solmaz dazu: „Wir müssen an diesem Mangel arbeiten, aber Personal backen können wir nicht.“

    Dazu sei auch eine Nachqualifizierung von Quereinsteiger:innen wichtig – so, dass diese im Ganztag Fuß fassen und bleiben könnten. Und im Personal-Wettbewerb etwa mit Kitas müsse sich der offene Ganztag besser aufstellen. „Wenn wir nicht wollen, dass Fachkräfte aus dem offenen Ganztag in die Kita wechseln, müssen Arbeitsbedingungen verbessert und z.B. mehr Vollzeitstellen angeboten werden“, sagt Solmaz.

    Bei der Ganztagsentwicklung sind aber nicht nur Schul- und Jugendhilfeträger gefordert. „Bei allen Planungen muss die Partizipation der Kinder eine Rolle spielen“, sagt Solmaz. „Bei Raumgestaltung und Konzeptentwicklung müssen die Kinder stärker gehört und aktiv beteiligt werden.“