Berlin (2mind) – „Es braucht in den Kitas ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot von morgens halb sieben bis abends neun Uhr.“ Das sagte Peter Adrian (65), Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der „Bild am Sonntag“ (gestrige Ausgabe). Um das zu ermöglichen, will der DIHK-Präsident Arbeitskräfte für die Kita gewinnen, die „vielleicht nicht allen Ausbildungskriterien genügen“.
Der Hintergrund: Jedes Jahr müssen rund 400 000 Fachkräfte ersetzen, die in Rente gehen. Im Inland sieht Adrian noch Potenziale bei bisher teilzeitbeschäftigten Frauen. „ Viele Frauen können schlicht nicht mehr Stunden arbeiten, weil es keine verlässliche Kinderbetreuung gibt“, so Adrian gegenüber der „Bild“.
Der DIHK-Präsident schlägt im Blick auf neue Kita-Kräfte deshalb vor: „Es gibt unter den geflüchteten Ukrainerinnen viele, die problemlos aushelfen könnten, auch viele Rentnerinnen und Rentner wären bereit, in Randzeiten stundenweise mitzuarbeiten.“
Köln (2mind) – Nach WDR-Recherchen brechen viele angehende Erzieherinnen und Erzieher ihre Ausbildung ab. Dem Besuch der Fachschule ist häufig eine Ausbildung in der Kinderpflege oder der Sozialassistenz vorgeschaltet. Nach dem gestern veröffentlichten WDR-Bericht liegt die Abbrecherquote dort bei 19. Prozent. Der Sender bezieht sich dabei auf Zahlen aus dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2021 und Gespräche mit Fachverbänden. Für die sozialpädagogische Fachschule sprach der WDR mit Ira Lieber vom Alice-Salomon-Berufskolleg, die für ihre Bochumer Schule von einer etwa 10-prozentigen Abbrecherquote berichtet.
Derzeit befinden sich laut WDR etwa 9.000 junge Menschen in NRW in einer Erzieher:innen-Ausbildung, erforderlich seien in diesem Jahr aber 25.000 neue Fachkräfte. Von den ausgebildeten Fachkräften kämen rund zwei Drittel in den Kitas an. Die anderen wechselten etwa in die Jugendhilfe oder in ein weiterführendes Studium, heißt es in dem Bericht.
Der Sender sprach mit angehenden Studierenden, die für die ersten beiden Jahre des Vollzeit-Schulbesuchs kein Gehalt bekommen und die berichteten, dass sie auf Bafög oft sehr lange warten müssen. „Zwar gibt es in NRW inzwischen die praxis-integrierte Ausbildung, bei der Azubis von Anfang an bezahlt werden. Aber die setzt sich erst langsam durch“, so der WDR.
Düsseldorf (2mind) – Mehr Quereinsteigerinnen, mehr FSJ-ler in Kitas, mehr Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung zur Kinderpflegerin: Das sind Eckpunkte eines „Sofortprogramms Kita“, mit dem die nordrhein-westfälische Landesregierung auf den andauernden Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen reagiert. Die Landesregierung betont, dass dieses Sofortprogramm in engem Austausch mit den kommunalen und freien Trägern entstand.
„Mit dem ,Sofortprogramm Kita‘ ergreifen wir kurzfristig erste notwendige Maßnahmen in dieser akuten Situation“, so NRW- Familienministerin Josefine Paul. „Der Fachkräftemangel ist gleichwohl eine der größten sozialen Herausforderungen der nächsten Jahre, weshalb das Sofortprogramm nur ein erster Schritt sein kann.“
Von den Gewerkschaften kamen dazu unterschiedliche Rückmeldungen: Während ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) das Programm kritisierte, begrüßte die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) das Maßnahmenpaket als ersten Schritt. „Es kann kurzfristig im Umgang mit dem Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten helfen“, so die GEW NRW-Vorsitzende Ayla Çelik. In NRW fehlten aktuell mindestens 24.000 Personen. Dem werde das Programm nicht gerecht, es könne aber den Fachkräftemangel möglicherweise kurzfristig abfedern.
Für die Landesfachbereichsleiterin von ver.di NRW, Andrea Becker, steht mit Blick auf das Sofortprogramm fest: „Der Bildungs- und Qualitätsanspruch an die Kitas in Nordrhein-Westfalen wird schlicht weiter abgesenkt, was die Abwärtsspirale fortsetzen und die Abwanderung von Fachkräften beschleunigen wird“. Die vorgelegten Maßnahmen würden das System nicht stabilisieren.
Die Maßnahmen im Einzelnen:
Etwa 10.500 überwiegend junge Menschen in NRW sich in aus Bundesmitteln geförderten Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) tätig. Die Zahl der jungen FSJ-ler, die in Kitas arbeiten, soll steigen.
In der praxisintegrierten Ausbildung zum Kinderpfleger und zur Kinderpflegerin (PiA-K) sollen mit Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. August 2023 bis zu 900 Ausbildungsplätze neu gefördert werden. Kinderpfleger:innen und andere Ergänzungskräfte sollen in allen Gruppenformen als Mindestpersonal eingesetzt werden können und so dauerhafte berufliche Perspektiven erhalten.
Studierende aus pädagogischen Fachrichtungen sollen gezielt für den Einsatz in der Kindertagesbetreuung gewonnen und weitere Berufsgruppen (etwa Psychologinnen, Sport- oder Kunstpädagogen) für den Einsatz in Kitas zugelassen werden.
Das landesgeförderte Projekt der Integrationsbegleiterinnen – Frauen mit eigener Einwanderungsgeschichte – soll auf ganz NRW ausgeweitet werden.
Mit einer neuen Imagekampagnen will das Land neue Zielgruppen – zum Beispiel Männer und Menschen mit Einwanderungsgeschichte – für die Arbeit in den Sozial- und Erziehungsberufen begeistern.
Berlin (2mind) – Am Freitag (27. Januar) wurde der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen. Anlass ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die „Rote Armee“ am 27. Januar 1945. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Strömungen und Parteien und der Zunahme antisemitischer Verschwörungsnarrative fordern zwei große deutsche Bildungsgewerkschaften mehr Investitionen in die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verweisen auf die schwindende Zahl verbleibender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und die deshalb erforderlichen neuen Wege des Erinnerns. „Wir leben in einer Zeit, die von sich überlagernden Krisen geprägt ist und das gesellschaftliche Miteinander auf eine harte Probe stellt“, erklärte der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand gegenüber der Presse. „Wirft man den Blick in die Vergangenheit, wird klar, dass insbesondere Epochen wie diese ein Nährboden für Verschwörungstheorien und menschenfeindliche Narrative darstellen.“
Neue Wege in der Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus können digitale Medien einbeziehen. Ein Beispiel gibt die vom WDR entwickelte App „Stolpersteine NRW“: Gedenksteine (siehe Foto) werden nach einer Idee des Künstlers Gunter Demnig auf Bürgersteinen vor den ehemaligen Wohnorten von NS-Opfern verlegt. Die App stellt zu den darauf genannten Personen Informationen und Dokumente zur Verfügung. Sie eignet sich, um mit Kindern und Jugendlichen Ereignisse aus der NS-Zeit in ihrer Heimat zu entdecken und diese – z.B. in (Medien-) Projekten – lebendig werden zu lassen.
Gütersloh (2mind) – Etwa 2,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind armutsgefährdet. Besonders betroffen sind die Kinder Alleinerziehender sowie Familien mit drei oder mehr Kindern. Insgesamt ist mehr als jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Das geht aus dem heute veröffentlichten Factsheet „Kinder- und Jugendarmut in Deutschland“ der Bertelsmann Stiftung hervor.
Noch ungünstiger sieht es für junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren aus: 1,55 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als armutsgefährdet. Das sind 25,5 Prozent aller jungen Erwachsenen, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer, junge Menschen in Ostdeutschland häufiger als die in Westdeutschland.
„Wer als junger Mensch in Armut aufwächst, leidet täglich unter Mangel, Verzicht und Scham und hat zugleich deutlich schlechtere Zukunftsaussichten“, so Anette Stein, Director Bildung und Next Generation bei der Bertelsmann Stiftung, in einem Statement. „Das ist sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Gesellschaft als Ganzes untragbar. Die derzeitigen Krisen und Preissteigerungen verschärfen das Problem.“
Bildungssystem gefordert
Das stellt auch für den Bildungsbereich eine Herausforderung dar. Antje Funcke, Senior Expert Familie und Bildung, sagte gegenüber 2mind: „Es ist notwendig, in Bildungseinrichtungen über Armut zu sprechen und das Thema nicht zu tabuisieren.“ Der sozio-ökonomische Status von Kindern sei immer noch entscheidend für deren Bildungserfolg; es gehe also auch um Bildungsgerechtigkeit. „Pädagoginnen und Pädagogen sollten dafür sensibilisiert sein, was es mit Kindern macht, wenn sie unter Armutsbedingungen aufwachsen“, so Funcke. Keinesfalls dürften diese Kinder stigmatisiert werden.
Die deutlich steigende Zahl von Kindern in SGB II-Haushalten ist laut Bertelsmann Stiftung vor allem auf die aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen zurückzuführen. In Bezug auf die regionale Verteilung zeigt sich eine große Spannbreite zwischen drei Prozent betroffener Kinder und Jugendlicher im bayerischen Roth und 42 Prozent in Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen.
Kindergrundsicherung – bedarfsorientiert
Von der Politik fordert die Bertelsmann Stiftung, die Bekämpfung der Kinder- und Jugendarmut zur Priorität zu machen. Die Bundesregierung müsse „die im Koalitionsvertrag vereinbarte Kindergrundsicherung jetzt schnellstmöglich und im benötigten Umfang beschließen“, so Anette Stein. Die Kindergrundsicherung müsse sich an den tatsächlichen Bedarfen junger Menschen für gutes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe orientierten. Dazu müssten junge Menschen beteiligt und regelmäßig zu ihren Bedarfen befragt werden.
Die Diakonie-Vorständin Sozialpolitik, Maria Loheide, sieht das ähnlich: „Die Bertelsmann-Studie zu Kinderarmut zeigt, wie wichtig jetzt eine wirksame Kindergrundsicherung ist. Bei der materiellen Ausstattung darf die Bundesregierung keine Schnellschüsse liefern“, so Loheide gegenüber 2mind. „Es darf keine Ermittlung des Existenzminimums nach Haushalts- oder Kassenlage geben. Nötig ist eine Neuberechnung, die sich an dem orientiert, was Kinder und Jugendliche für ein gutes Aufwachsen wirklich und maßgeblich brauchen.“
Bei den Berechnungen im Factsheet „Kinder- und Jugendarmut“ orientiert sich die Bertelsmann Stiftung erstens an der Armutsgefährdungsquote, der zufolge Familien als arm gelten, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens verfügen. Einen zweiten Orientierungspunkt bildet die SGBII-Hilfequote, die Aufschlüsse über das Armutsrisiko zum Beispiel nach Wohnort oder Familienform gibt.
Stuttgart (2mind) – Freude Arbeit mit kleinen Kindern transportieren und Einblicke in den Beruf vermitteln – das will Baden-Württemberg mit der Kampagne „Mehr bekommst Du nirgendwo!“. „Wir brauchen noch mehr gut qualifiziertes Personal in unseren Kitas, um den steigenden Betreuungsbedarf zu decken und den pädagogischen Fachkräften bessere Arbeitsbedingungen bieten zu können“, so Staatssekretär Volker Schebesta zum Start der Kampagne am 18. Januar.
Im Vergleich zu 2008/2009 hätten sich die Ausbildungskapazitäten für den Erzieherberuf verdoppelt. Sorge bereitet den Initiatoren jedoch, dass immer weniger junge Menschen nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen. Das Land Baden-Württemberg benötigt laut einer Bertelsmann-Studie 16.800 zusätzliche Fachkräfte, um dem gesetzlichen Betreuungsanspruch entsprechen zu können.
Die Kampagne setzt auf Storytelling und erzählt mit Videoclips Geschichten von Auszubildenden, Quereinsteiger:innen und erfahrenen Erzieher:innen. Zum Einsatz kommen dabei ein YouTube-Channel und eine Website, auf der mit den Gehalts- und Aufstiegsperspektiven geworben wird. Geworben wird auch für einen Berufseinstieg als sozialpädagogische Assistentin.
Erzieher:innen in der Jugendhilfe stehen nicht im Fokus der Werbekampagne.
Bielefeld (2mind) – Die den Landesjugendämtern gemeldeten Fälle von pädagogischem Fehlverhalten und Gewalt in nordrhein-westfälischen Kitas steigen deutlich. Wie die „Neue Westfälische“ (NW) gestern mitteilte, ist die Entwicklung im Rheinland besonders eklatant. Berichte über Gewalt und Fehlverhalten in Kitas kommen allerdings aus mehreren Bundesländern. Das liegt auch an einer gestiegenen Sensibilität.
Das rheinische Landesjugendamt erfasste laut NW 2018 noch 34 Fälle von pädagogischem Fehlverhalten, 2020 waren es 120 und 2021 bereits 222 Fälle. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich auch bei körperlicher Gewalt (42 Fälle in 2018, 2021 waren es mehr als doppelt so viele) und bei sexuellen Übergriffen (von38 Fällen in 2018 auf 76 in 2020 und 2021). In Westfalen-Lippe wurden weniger Fälle erfasst, jedoch zeigt sich auch hier ein deutlicher Anstieg.
Erschreckende Berichte
Eine Erzieherin aus Ostwestfalen-Lippe berichtet gegenüber der NW von Gewalt gegen Kinder: „Ich habe Kinder gesehen, die in ihrem eigenen Urin sitzengelassen wurden, als Strafe, weil es schon die dritte vollgepinkelte Hose in drei Tagen war“, so die Antje B. genannte Pädagogin. Sie habe miterlebt, wie Kinder gewaltsam auf Stühle gesetzt und wie Stühle unter ihnen weggerissen wurden.
Nordrhein-Westfalen steht mit den steigenden Verdachtsmeldungen nicht alleine da. So hatte der Bayerische Rundfunk (BR) im Dezember die 76 Kita-Aufsichtsbehörden im Freistaat zu Fehlverhalten in Kitas befragt. Nach diesen Recherchen steigt auch in Bayern die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Aufsichtspflichtverletzungen sowie zu seelischer oder körperlicher Gewalt. Zudem führte der BR Gespräche mit 61 Erzieher:innen und Kita-Leitungen. Auszüge daraus erschrecken: „Ein Kind hat Sprachprobleme. Im Morgenkreis äfft die Erzieherin immer wieder das Stocken und Stottern nach. Die anderen Kinder lachen.“ „Meine Kollegin schiebt einem Kind Kartoffeln in den Mund. Dabei hält sie die Hände fest und die Nase zu, damit das Kind schluckt.“ „Ein Kind wird immer auf dem Klo eingesperrt, wenn es sich ’nicht benimmt‘.“
Problembewusstsein nimmt zu
Woran liegt die steigende Zahl der Meldungen zu Gewalt und Fehlverhalten aus Kitas? „Über die Ursachen der steigenden Meldungen an Landesjugendämter ist wenig bekannt“, sagt Sabine Prott, die Leiterin des Geschäftsfelds Tageseinrichtungen der Diakonie RWL. „Die gestiegene Sensibilität in den Einrichtungen könnte meines Erachtens dazu ein Erklärungsansatz sein.“ So wurde etwa durch das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) im Jahr 2021 die Vorlage eines Schutzkonzeptes zu einer Voraussetzung für die Kita-Betriebserlaubnis.
Zudem arbeitet eine zunehmende Zahl an Einrichtungen mit Qualitätsmanagementsystemen. „Mehr als die Hälfte der evangelischen Tageseinrichtungen in Rheinland, Westfalen und Lippe arbeitet mit dem Bundesrahmenhandbuch zur Erlangung des Evangelischen Gütesiegels BETA“, so Prott, „einem Qualitätsmanagementsystem, in dem auch der Kinderschutz eine wichtige Rolle spielt.“
Sprecher beider Landesjugendämter führen die steigenden Fallzahlen laut NW ebenfalls auf eine erhöhte Sensibilisierung der Eltern, Erzieher und Träger zurück. Beide Landesjugendämter hatten 2020 eine Kampagne für Gewaltschutz durchgeführt.
Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes NRW, Gaby Flösser, sieht allerdings noch einen weiteren Hintergrund. In dieser Situation schlügen sich der Personalmangel und die Überforderung nieder, sagte sie gegenüber der NW. Flösser weiter: „Das ist ganz klar politisches Versagen, weil sich niemand um die desaströse Lage in den Kitas kümmert.“ Auf politischer Ebene gebe es eine „Allianz des Nichthinschauens.“
Schutzkonzepte sensibilisieren
„Schutzkonzepte bieten eine Chance, Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Fehlverhalten zu sensibilisieren.“ So sieht es auch Gudrun Barbendererde, die Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen in der Lippischen Landeskirche. Bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes und dessen Verankerung in der täglichen Arbeit sei eine Unterstützung für die Kita-Leitungen wichtig. „Das ist keine Routineaufgabe, und Leitungen sind dabei schnell in einer Doppelrolle als Führungskräfte und Moderatoren.“ Die Landesregierung stelle für Fortbildungen inzwischen auch im Bereich Kinderschutz finanzielle Mittel zur Verfügung – die gab es bisher für Teamschulungen in alltagsintegrierter Sprachbildung -, um externe Fortbildner zu engagieren. „Ich würde mir wünschen, dass die Landesregierung Kitas jährlich vier Tage Sonderschließzeit für die Arbeit an der Konzepterstellung und -umsetzung und Qualitätssicherung verpflichtend bereitstellen würde“, so die Fachberaterin weiter.
Berlin (2mind) – Sozialraumorientiertes Arbeiten gilt als ein unverzichtbarer Standard für pädagogische Einrichtungen. Die gestern vorgestellte interaktive Toolbox „Wir & Hier“ will dazu Inspirationen vermitteln. Sie richtet sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende in Diakonie und Kirchengemeinden und wurde von der Evangelischen Arbeitsstelle midi entwickelt.
In einer Grußbotschaft zur Einführung der Toolbox begründete die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, die Bedeutung einer Sozialraumorientierung theologisch: „Eine sozialraumorientierte Kirche bewegt sich in der Spur Jesu. In Jesus lässt Gott selbst sich ein auf das Leben unterschiedlicher Menschen, macht sich abhängig von den entsprechenden Kontexten und verändert auf diese Weise die Welt.“
Die Toolbox bietet in zehn Themenfeldern u.a. Ideen für den Einstieg in die Sozialraumorientierung, stellt Methoden dazu vor, informiert zu Unterstützungsangeboten und Finanzierungsmöglichkeiten und stellt Best Practice vor. Im Kontext von Sozialraumorientierung informiert sie zudem über religiöse Sprachfähigkeit. Jedes Themenfeld ist mit einem motivierenden Einstieg versehen. Damit bietet die Toolbox einerseits einen schnellen Einstieg in die Themenbereiche und stellt andererseits zahlreiche Informationen und Links für eine vertiefende Beschäftigung mit dem Thema bereit.
Berlin (2mind) – Seit dem 1. Januar steht die Berliner Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse der Kultusministerkonferenz (KMK) vor. Die SPD-Politikerin will insbesondere die Qualität des offenen Ganztags in Grundschulen in den Blick nehmen. „Unsere Kleinen sollen pädagogisch wertvoll gefördert werden“, so Busse im Dezember gegenüber der Presse. Die KMK-Präsidentin verweist dabei auf den ab dem Schuljahr 2026/27 geltenden Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung an Grundschulen.
„Ganztag dient nicht nur der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein solches Angebot befördert die Persönlichkeitsentwicklung und somit auch die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen“, so Busse zur Bedeutung des Ganztags in Grundschulen; „ein gutes Ganztagsangebot, das Kindern Spaß macht, fördert sowohl die sozialen wie auch die kognitiven Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler.“
Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller sieht in dem ab 2026 geltenden Rechtsanspruch eine Chance auf Qualitätsverbesserungen: „Die Umsetzung des Rechtsanspruches auf einen ganztägigen Betreuungsplatz für Kinder im Grundschulalter wird eine herausfordernde Aufgabe, die aber auch die große Chance bietet, Erziehung, Bildung und Betreuung für alle Kinder im Ganztag entscheidend und nachhaltig zu verbessern“, so Feller Ende Dezember in ihrem Statement zur Einberufung eines Expertenbeirats. Wissenschaftler und Praktiker bilden diesen Beirat, der die Landesregierung auf dem Weg zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung begleiten soll.
In Sachen Qualität herrscht Handlungsbedarf. So heißt es auf der Website „Qualität im Ganztag“ des Bundesbildungsministeriums: „Während der quantitative Ausbau des Ganztagsschulangebotes mittlerweile deutlich vorangeschritten ist, hat sich die Qualität des Ganztags nicht in gleichem Maß entwickelt.“ Zahlreiche Forschungsprojekte, Initiativen und Netzwerke wollen die Qualität im Ganztag fördern. Dazu zählen etwa das ESF Plus-Programms „Gemeinsam für Qualität: Kinder beteiligen im Ganztag“, das im August abgeschlossene Forschungsprojekt „ganztag digital“ oder Akteurs- und Themen-übergreifende Initiativen wie RuhrFutur.
Herausgeberinnen (von links) Esther Kalman-Haag, Beate Schmidt) und Petra Halfmann (Foto: Achim Halfmann)
Velbert (2mind) – Singen Kinder im Alter bis zu 3 Jahren? Ja, allerdings fehlen Lieder für diese Altersgruppe. Ein Team am Berufskolleg Bleibergquelle (Velbert) wollte das ändern und entwickelte das Kita-Kinderlieder Werkbuch „Ich freu mich auf den Tag“. Als Musiklehrerin schrieb Petra Halfmann Texte und Melodien, erprobt wurden die Lieder in der Kita „Quellenzwerge“ (Velbert) unter Leitung von Beate Schmidt. Und die Schüler:innen und Studierenden am Berufskolleg Illustrationen für das Werkbuch.
„Ich freu mich auf den Tag“ ist 2022 als Printausgabe erschienen. Dazu gehört die Website https://kita-lieder.de, die ständig erweitert wird und deren Videos und Audios den Liedeinsatz unterstützen. Buch und Website bieten zudem vielseitige Ideen für die Lideinführung.
Eine Besonderheit: Texte, Lieder und das ergänzende Material sind offen lizenziert (CC BY-SA 4.0), sodass sie frei genutzt und weiterentwickelt werden können.