Kategorie: Gesellschaft

  • Gender Education Gap – zum Nachteil der Männer

    Gender Education Gap – zum Nachteil der Männer

    Foto: Giulia Squillace auf Unsplash+

    Frauen schneiden in vielen Bildungsbereichen besser ab

    Wiesbaden (2mind) – In vielen schulischen Bildungsbereichen schneiden Frauen besser ab. Von den rund 258.000 Absolvierenden mit Allgemeiner Hochschulreife an allgemeinbildenden Schulen im Jahr 2024 waren 55 % Frauen und 45 % Männer, wie das Statistische Bundesamt in dieser Woche mitteilte. Je geringer der formale Schulabschluss, umso höher wird der Männeranteil:

    So waren unter den rund 133.000 Absolvierenden mit erstem Schulabschluss 59 % Männer und 41 % Frauen. Einen mittleren Schulabschluss erreichten 51 % der Männer und 49 % der Frauen.

  • NRW: Fast jeder Vierte kann sich keinen Urlaub leisten

    NRW: Fast jeder Vierte kann sich keinen Urlaub leisten

    Zwei Liegestühle an einer Sandküste
    Foto: Roman Raizen auf Unsplash

    Alleinerziehende sind besonders häufig betroffen, ebenso Alleinlebende und Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation.

    Düsseldorf (2min) – 2025 lebten in Nordrhein-Westfalen 4,1 Millionen Menschen in Haushalten, die sich keine Woche Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände leisten konnten. Das entspricht für dieses Bundesland einem Anteil von 23,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, was über dem deutschlandweiten Wert von 20,9 liegt. Wie der Landesbetrieb IT.NRW weiter berichtet, war besonders für Alleinerziehende die Finanzierung einer Urlaubsreise schwierig: Fast die Hälfte von ihnen und ihren Kindern (46,8 Prozent) konnte sich keine Woche Urlaub außer Haus leisten. Bei Alleinlebenden war fast ein Drittel (32,3 Prozent) betroffen.

    Insgesamt konnten sich Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation mit 39,9 Prozent deutlich häufiger keine Urlaubswoche leisten als Hochqualifizierte mit 10,5 Prozent. Die Ergebnisse basieren auf der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), die in Deutschland eine Unterstichprobe im Mikrozensus bildet.

  • Überschuldung: Erkrankung, Sucht oder Unfall die häufigsten Ursachen

    Überschuldung: Erkrankung, Sucht oder Unfall die häufigsten Ursachen

    Foto: stevepb auf pixabay

    Schuldnerberatungsstellen stehen durch aufwändigere Beratungen unter Druck.

    Berlin (2mind) – Mit 34.650 Euro waren die von Schuldnerberatungsstellen im vergangenen Jahr begleiteten Menschen durchschnittlich verschuldet. Wie das statistische Bundesamt mitteilte, lag die durchschnittliche Verschuldung 2025 bei Männern mit 39.717 Euro deutlich über der von Frauen mit 29.500 Euro. Hauptverschuldungsursachen waren bei den Hilfesuchenden der Schuldnerberatungsstellen mit 18 Prozent Erkrankung, Sucht oder Unfall – gefolgt von Arbeitslosigkeit mit rund 17 Prozent.

    Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners beziehungsweise der Partnerin waren für alleinerziehende Frauen in rund 23 Prozent der Fälle ein Hauptauslöser der Überschuldung. Einpersonenhaushalte bildeten unter den Ratsuchenden mit mehr als der Hälfte (knapp 52 Prozent) die größte Gruppe.

    In den meisten Fällen lagen Zahlungsrückstände gegenüber mehreren Gläubigern vor, darunter besonders häufig gegenüber

    • der öffentlichen Hand (z.B. Finanzämtern, gesetzlichen Renten- und Krankenversicherungsträgern sowie der Bundesagentur für Arbeit und deren Jobcentern) bei rund 57 Prozent aller beratenen Personen,
    • Telekommunikationsunternehmen mit einem Anteil von etwa 47 Prozent,
    • Kreditinstituten mit rund 37 Prozent und
    • dem Online- und Versandhandel mit knapp 29 Prozent der Fälle.

    „Am Anfang einer Verschuldungsspirale stehen oft Schicksalsschläge“, so die Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa gegenüber der Presse. „Es manifestieren sich Lebensrisiken, die grundsätzlich jeden treffen können und die zu bewältigen alleine oft nicht gelingt.“ Die soziale Schuldnerberatung sei überlastet. Die Caritas-Präsidentin weiter: „Die Beratungskonstellationen werden komplexer und damit aufwändiger. Eine schnelle Beratung kann verhindern, dass sich Probleme zu Problembergen stapeln, unter denen die hoch verschuldeten Menschen förmlich zusammenbrechen.“ Deshalb müsse das Angebot der Schuldnerberatung auch angesichts finanzieller Engpässe in zahlreichen Kommunen erhalten bleiben.

    Die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik 2025 beruhen auf Angaben von 738 der insgesamt etwa 1.360 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland zu rund 187.000 beratenen Personen.

  • NRW: Verdachtsfälle zu Kindeswohlgefährdungen auf Rekordniveau

    NRW: Verdachtsfälle zu Kindeswohlgefährdungen auf Rekordniveau

    Foto: Nadine Shaabana auf Unsplash

    Vernachlässigung die häufigste Gefährdungsform

    Düsseldorf (2mind) – Die Jugendämter in Nordrhein-Westfalen haben 2025 in rund 75.300 Fällen eine Gefährdungseinschätzung nach § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) vorgenommen – ein Anstieg von 11 % gegenüber 2024 und sogar 39 % gegenüber 2020. Das teilt das Statistische Landesamt IT.NRW mit. In rund einem Viertel der Fälle wurde eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt.

    Während die Zahl akuter Gefährdungen leicht um 3 % zurückging (ca. 10.700 Fälle), stiegen latente Gefährdungen um 28 % auf knapp 8.000 Fälle. Vernachlässigung war mit rund 9.800 Fällen die häufigste Gefährdungsform, gefolgt von psychischer (7.100) und körperlicher Misshandlung (6.400). Statistisch waren 6 von 1.000 Minderjährigen in NRW betroffen.

    Die Entwicklung in einer Grafik von IT.NRW:

  • „Einsamkeit kann jeden Menschen treffen.“

    „Einsamkeit kann jeden Menschen treffen.“

    Foto: Valeriia Miller auf Unsplash+

    Aktionswoche startet heute mit vielen Angeboten. NRW bringt ein eigenes Bündnis auf den Weg: „Du+Wir=Eins“.

    Berlin (2mind) – Bereits in der Grundschule beginnt für manchen das Einsamkeitserleben und es besitzt auch in der Lebensmitte und im Alter eine hohe Bedeutung (2mind berichtete). Darauf will die heute gestartete „Aktionswoche gegen Einsamkeit“ aufmerksam machen und gesellschaftliches Engagement gegen Einsamkeit fördern. „Einsamkeit ist kein rein individuelles Problem. Sie kann jeden Menschen treffen“, so Theresa Entringer, Expertin für Einsamkeit beim Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) im DIW Berlin, gegenüber der Presse. Chronische Einsamkeit könne zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen. Entringer weiter: „Ihre Vermeidung und Bekämpfung ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

    Vom demenzfreundlichen Online-Kunstworkshop bis zum Gesellschaftsspiele-Abend sind deutschlandweit 511 Angebote auf der > Aktionswebsite verzeichnet – darunter auch inhaltliche Angebote wie eine Podiumsdiskussion zum Thema: Wie wirkt Einsamkeit auf die Demokratie? Mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft bietet die Evangelische Kirchengemeinde Wuppertal-Ronsdorf einen WM-Gottesdienst mit anschließender Stadionwurst und Torwandschießen.

    Das Bundesfamilienministerium legte 2023 eine „Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit“ vor und fördert das „Kompetenznetz Einsamkeit“, das die Aktionswoche koordiniert. Die NRW-Landesregierung nutzt dieses Event für den Start einer eigenen Initiative: „Aktionsbündnis Du+Wir=Eins. Nordrhein-Westfalen gegen Einsamkeit“. Das Bündnis voll das Engagement von Initiativen, Projekte, Vereine, Verbände, Stiftungen, Hochschulen, Unternehmen, engagierte Einzelpersonen und Kommunen bündeln. Die NRW-Plattform verzeichnet bereits über 900 Hilfsangebote, Projekte und Initiativen gegen Einsamkeit. „Einsamkeit ist die neue soziale Frage unserer Zeit“, so NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gegenüber der Presse. „Wir alle tragen Verantwortung, einander zu unterstützen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder Mensch wertgeschätzt und verbunden fühlt.“

  • Armut und Kürzungen treiben Menschen in die Hände von Populisten

    Armut und Kürzungen treiben Menschen in die Hände von Populisten

    Bettelnder Mensch in einer Großstadt
    Foto: Ev auf Unsplash

    Der Paritätische Gesamtverband fordert in seinem Armutsbericht mehr bezahlbaren Wohnraum.

    Berlin (2mind) – 13,3 Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut, das sind 16,1 Prozent der Bevölkerung. Davon leben 4,6 Millionen Menschen in erheblicher materieller Entbehrung, so der heute vorgestellte Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes. „Wir sehen eine Gesellschaft, die sozial weiter auseinanderdriftet. Menschen spüren das“, so Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Jetzt immer neue Kürzungen zu diskutieren, schürt Angst und Unsicherheit. Das spielt Populisten und Extremisten in die Hände“.

    Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende sowie ältere Menschen sind besonders häufig von Armut betroffen. Zudem bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: So sind in Bayern etwa jede achte Person von Armut betroffen, während in Sachsen-Anhalt mehr als jede fünfte Person und in Bremen mehr als jede vierte Person in Armut lebt.

    Armutsbetroffene seien in besonders hohem Maße durch Wohnkosten belastet, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Neben dem dringend notwendigen Ausbau bezahlbarer und sozial gebundener Wohnungen braucht es insbesondere einen stärkeren Schutz bestehender Mietverhältnisse vor übermäßigen Rendite-Interessen.“

    Der > Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes als PDF zum Download

  • Mission Freedom: „Wir haben einige Veränderungen vorgenommen“

    Mission Freedom: „Wir haben einige Veränderungen vorgenommen“

    Kinderbeine mit Turnschuhen vor einer bunten Wand
    Foto: Aedrian Salazar auf Unsplash

    Der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Haus SeeNest“ wurde die Betriebserlaubnis entzogen, die Trägergesellschaft musste Insolvenz anmelden.

    Hamburg/München (2mind) – „In den letzten Wochen haben wir einige Veränderungen vorgenommen.“ Unter dieser Überschrift berichtete der Hamburger Verein „Mission Freedom“ in seinem Newsletter zu Wochenbeginn über seine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Haus SeeNest“ im Oberallgäu. Dann erfährt der Leser: Der Einrichtung wurde die Betriebsgenehmigung entzogen und die sechs dort untergebrachten Kinder wurden in andere Betreuungssituationen überführt. Die pädagogische Leitung des Hauses wurde freigestellt und die verantwortliche Geschäftsführerin verlässt den Verein.

    Die Inobhutnahme der Kinder erfolgte durch das örtliche Jugendamt. Dessen Aktivitäten gehen auf eine Anzeige ehemaliger und aktueller Mitarbeiter der christlichen Jugendhilfeeinrichtung zurück. Im Vorfeld hatten Auffassungsunterschiede über das Profil der Einrichtung zu Spannungen im Mitarbeiterteam geführt, wie 2mind im Gespräch mit mehreren Mitarbeitenden des Vereins „Mission Freedom“ erfuhr.

    Im März wurde ein Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leiterin erlassen. Mitte April nahm das zuständige Jugendamt die sechs dort untergebrachten Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren aus der Einrichtung heraus und beendete damit deren Tätigkeit. Die zuweisenden Jugendämter hatten zuvor dem Verbleib der Kinder in „Haus SeeNest“ zugestimmt, so die Mitarbeitenden. Gegen das Tätigkeitsverbot hatte die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH, eine 100-prozentige Tochter des Hamburger Vereins Mission Freedom, als Träger der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Beschwerde eingelegt und eine Entscheidung im Eilverfahren beantragt.

    Das Verwaltungsgericht Augsburg entschied gegen diese Beschwerde. Aus dem Beschluss zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) schwerwiegende Vorwürfe gegen das pädagogische Team der Einrichtung: Kinder seien am Boden fixiert worden. Einem Kind sei mehrfach eine scharfe Chilipaste auf die Lippen aufgetragen worden und Kinder hätten sich Waschlappen in den Mund stopfen müssen. Von den Mitarbeitenden werden die Beschreibungen als verzerrt dargestellt. Sie gingen zum Teil auf die mit den Kindern vereinbarte Anwendung sogenannter Trauma-Skills zurück: Dabei geht es um Bewältigungsstrategien, mit denen traumatisierte Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen ihren Körper erleben und ins Hier und Jetzt zurückgeholt werden sollen.

    Seit Mai ermittelt die Staatsanwaltschaft Kempten wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

    Das 2023 eröffnete „Haus SeeNest“ sollte bis zu zehn Kindern mit frühkindlichen Traumatisierungen einen geschützten Alltag sowie eine traumatherapeutische Begleitung bieten. Mission Freedom als Gesellschafter und Kapitalgeber der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung wurde 2011 von der Predigerin und Buchautorin Gaby Wentland gegründet, die ihn bis heute leitet. Der Verein setzt sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution ein, bietet betroffenen Frauen Ausstiegshilfen an und wird von Kritikern – auch unter Verweis auf Äußerungen der Gründerin Wentland -als christlich-fundamentalistisch eingeordnet. Mission Freedom ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Lebenshilfen (ACL) und im Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“.

    Seit ihrer Eröffnung war die Einrichtung im Oberallgäu mit Kritik konfrontiert. So heißt es etwa in einer Anfrage der Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel (Bündnis 90/Die Grünen) an die bayerische Staatsregierung aus dem April 2024 über Mission Freedom: „Den Helfern wird unterstellt, fundamentalistische Christen zu sein.“

    Die Schließung der Einrichtung hat für die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH schwerwiegende Auswirkungen: Sie musste einen Insolvenzantrag stellen; das Amtsgericht Hamburg setzte im Mai eine vorläufige Insolvenzverwalterin ein (Az. 67c IN 195/26). Darüber berichtet der Newsletter von Mission Freedom nicht.

  • Migration nicht mit der „schwarzen Brille“ betrachten

    Migration nicht mit der „schwarzen Brille“ betrachten

    Integrationsexperte Vargo sieht einen „Prüfstein für Humanität und christliche Identität“.

    Willingen (2mind) – Die Migration ist ein „Prüfstein für Humanität und christliche Identität“. Das sagte Luwai Vargo, Referent am Europäischen Institut für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI), am 8. April auf der SPRING-Konferenz in Willingen (Sauerland). Eine Missachtung der Humanität von Migranten sehe er auf allen Ebenen – persönlich wie politisch. Christen könnten dagegen Gastfreundschaft praktizieren. „Der Umgang mit dem Fremden ist kein Nebenthema“, so Vargo. „Er ist ein Prüfstein für Christsein und den Glauben.“

    In seinem Seminar auf der Konferenz der Deutschen Evangelischen Allianz leitete der Integrationsexperte aus biblischen Texten die Verantwortung von Christen für Migranten ab. „Aus theologischer Sicht lässt sich im Migranten nicht nur der Fremde sehen, sondern das Bild Christi entdecken“, so Vargo.

    Dabei sollten Christen im Einsatz für Migranten sollten Christen ihre Grenzen beachten. „Wir sind nicht die Retter, wir sind Begleiter.“ Vargo weiter: „Wir sollten einfach nur ehrlich sein: helfen, wo wir können, und sagen, was wir nicht können.“ Dabei sein schon die freundliche und zugewandte Begegnung im Alltag wichtig. Vargo: „Biete einen Kaffee an, lächle, höre einfach einen Moment zu, ohne gleich ein Problem lösen zu müssen.“

    Der evangelische Integrationsexperte warb dafür, nicht mit einer „schwarzen Brille“ auf Migration zu schauen. „Auch daran müssen wir denken, dass Gott diese Menschen hierhergeschickt hat, um für uns ein Segen zu sein“, so Vargo.

  • Neuerscheinung: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027

    Neuerscheinung: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027

    Schwerpunkt der offen lizenzierten Ausgabe ist die „Global Citizenship Education“.

    Bielefeld (2mind) – Das „Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027“ positioniert sich an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und will eine alternative Erzählung zum herrschenden Bedrohungsnarrativ über Migration bieten. Der Schwerpunkt „Global Citizenship Education“ (GCED) wird verstanden als Bildung für ein Weltbürger-Bewusstsein, das über nationalstaatliche Grenzen hinausgeht und eine planetare Verantwortung sowie ein neues Verständnis von Zugehörigkeit und Teilhabe in Migrationsgesellschaften fördert.

    Die einzelnen Kapitel:

    • Hans Karl Peterlini & Jasmin Donlic: „Global Citizenship Education: An alternative narrative on migration – eine andere Erzählung für Migration“
      Die Herausgeber führen in die Thematik ein und erläutern, wie GCED einen Perspektivenwechsel ermöglicht, der Migration als integralen Bestandteil einer gemeinsamen „Heimat-Erde“ begreift. Sie betonen den Anspruch des Jahrbuchs, durch aktuelle und exemplarische Zugänge Impulse für Wissenschaft und Praxis zu geben.
    • Caroline Schmitt: „Global Citizenship Education in Times of Disasters. Communities as Spaces of ›Transformative Literacy‹“
      Der Beitrag untersucht am Beispiel syrischer Freiwilliger im Ahrtal, wie postmigrantische Gemeinschaften durch Solidarität in Krisenzeiten neue Formen globaler Zugehörigkeit schaffen. Geflüchtete werden hierbei als Akteure einer transformativen Bildung sichtbar, die aktiv gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
    • Hans Karl Peterlini: „Bildung für das nackte Leben. Global Citizenship Education als Antwort auf Verrohung und Verhetzung in den westlichen Migrationsgesellschaften“
      Peterlini reflektiert kritisch über die inhumanen Bedingungen an den europäischen Außengrenzen und den erstarkenden Rechtspopulismus. Unter Rückgriff auf Giorgio Agambens Konzept des „nackten Lebens“ zeigt er auf, wie GCED als pädagogische Antwort auf die Entwertung des Menschen dienen kann.
    • Nuzha Allassad Alhuzail: „»I Am an Immigrant, Not a Refugee« Palestinian Migrant Workers, Global Citizenship, and the Politics of Belonging“
      Diese Studie beleuchtet die Erfahrungen palästinensischer Arbeitsmigranten und deren bewusste Abgrenzung vom Flüchtlingsbegriff, um eigene Agency und Würde zu betonen. GCED wird hier als Instrument diskutiert, um das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung dieser Gruppe in Konfliktkontexten zu stärken.
    • Lukas Baumann: „Negative affektive Dynamiken in der Unterbringung von Geflüchteten. Forschungsperspektiven und Anstöße für eine an Fluchtmigration interessierte Global Citizenship Education“
      Baumann analysiert, wie Gefühle wie Ekel und Misstrauen in Unterkünften zur Stabilisierung sozialer Hierarchien und zum „Othering“ beitragen. Er plädiert dafür, diese affektiven Dynamiken in der GCED kritisch zu reflektieren, um koloniale Kontinuitäten zu überwinden.
    • Maria Benedetta Cabitza: „GCED and the Italian Migration Paradox. Bridging Macro, Meso, and Micro Integration Challenges“
      Am Beispiel Italiens werden die Spannungen zwischen restriktiver Politik und lokalen Integrationspraktiken untersucht. Cabitza schlägt GCED als Rahmen vor, um Brücken zwischen Aufnahmegesellschaften und Migrant*innen zu bauen und langfristige Inklusion zu fördern.
    • Irma Eloff: „Vignettes of wellbeing, sustainability and migration. Diversifying the narratives in global citizenship education“
      Die Studie im südafrikanischen Kontext verbindet Wohlbefinden, Nachhaltigkeit und Migration. Mittels Vignettenforschung wird gezeigt, dass internationale Studierende nicht bloß Hilfeempfänger sind, sondern ihre Lebenswege aktiv und gestalterisch im Sinne einer globalen Bürgerschaft prägen.
    • Phillip D. Th. Knobloch: „Indigenous Education und Global Citizenship Education. Decolonial Education Concepts for Migration Societies“
      Knobloch verknüpft dekoloniale Theorien aus Lateinamerika mit indigenen Bildungsgeschichten, etwa der Sámi in Nordeuropa. Er entwickelt daraus Konzepte für eine dekoloniale GCED, die Machtasymmetrien kritisch hinterfragt und indigene Perspektiven in Migrationsgesellschaften würdigt.
    • Daniela Lehner: „Learning from Gloria Anzaldúa. Weaving Pluriversal Perspectives in Global Citizenship Education“
      Basierend auf Anzaldúas Konzept „Nepantla“ (Zwischenraum) plädiert Lehner für pluriversale Pädagogiken in der GCED. Ziel ist es, universelle westliche Sichtweisen zu verlernen, multiple Wissenssysteme anzuerkennen und Bildung als Raum für koexistierende Weltsichten zu gestalten.
    • Meryem Aydogan & Caroline Bossong: „Facing Methodological Nationalism. The significance of multilingualism in qualitative interviews“
      Die Autorinnen diskutieren, wie der bewusste Einbezug von Mehrsprachigkeit in der Forschung helfen kann, den „methodologischen Nationalismus“ zu überwinden. Sie zeigen auf, dass multilingualen Forschungsansätzen eine zentrale Rolle zukommt, um globalere Perspektiven auf GCED zu eröffnen.
    • Rosemarie Schöffmann: „Transformatives Lernen durch GCED als Beitrag zu einer Bildung für alle? Erfahrungen aus einem SüdnachNord-Austausch“
      Dieser Beitrag reflektiert dekoloniale Ansätze am Beispiel eines Austauschprogramms mit Ghana. Es wird gezeigt, wie intersektionale und postkoloniale Perspektiven Räume für transformatives Lernen und ein konviviales Zusammenleben auf Augenhöhe eröffnen können.

    Peterlini, Hans Karl, & Donlic, Jasmin (Hg.). (2026). Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027: Schwerpunkt »Global Citizenship Education«. Bielefeld: transcript Verlag (CC BY 4.0)

  • Migration – ein Überblick in Grafiken

    Migration – ein Überblick in Grafiken

    Berlin (2mind) – Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bietet mit ihrem Artikel „Migration: Ein Überblick in Grafiken“ eine visuelle und datenbasierte Einführung in die komplexen Themen Migration, Integration und Asyl. Die interaktiven Grafiken erleichtern es, zentrale Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich Migration besser zu verstehen. Die folgende Themen werden behandelt:

    1. Zuwanderung nach Deutschland: Die Grafiken zeigen, wie viele Menschen jährlich nach Deutschland einwandern und aus welchen Gründen (z. B. Arbeit, Flucht, Familienzusammenführung).
    1. Herkunftsländer und Fluchtursachen: Es wird dargestellt, aus welchen Ländern die meisten Geflüchteten stammen und welche Konflikte oder Krisen die Fluchtbewegungen auslösen.
    1. Integration und gesellschaftliche Teilhabe: Die Daten zeigen, wie sich Migranten in Deutschland integrieren, z. B. in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und Sprache. Herausforderungen wie Diskriminierung und soziale Ungleichheit werden ebenfalls thematisiert.
    1. Asylverfahren und Schutzquoten: Der Artikel erklärt die Abläufe von Asylverfahren und zeigt, wie viele Menschen in Deutschland Schutz erhalten. Dabei wird auch auf die Unterschiede zwischen verschiedenen Schutzstatus (z. B. Asyl, subsidiärer Schutz) eingegangen.
    1. Globale Perspektive: Neben Deutschland wird auch die weltweite Migration beleuchtet, einschließlich der Rolle internationaler Organisationen und der Verteilung von Geflüchteten auf verschiedene Länder.

    Der Beitrag bietet mit seiner Vielzahl an Daten und deren übersichtlicher Aufarbeitung eine gut aufbereitete Übersicht zum Thema Migration.

    Christina Mecke (2026). Migration – ein Überblick in Grafiken. Bonn: bpb (CC BY-NC-ND 4.0)