Kategorie: Gesellschaft

  • Offener Ganztag: „Manche Kinder fallen durch das Raster“

    Offener Ganztag: „Manche Kinder fallen durch das Raster“

    Foto: Jenny Nau und Frank Hübner (Achim Halfmann / 2mind)

    In Wuppertal bietet der Verein Knicklicht seit 20 Jahren eine intensive Begleitung mit Hausaufgabenhilfe und Kinderkantine.

    Wuppertal (2mind) – Die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern soll Bildungschancen verbessern. Jedoch werden die großen Gruppen in der Nachmittagsbegleitung nicht allen Kindern gerecht. „Kinder, die auf familiäre Strukturen und intensivere Begleitung angewiesen sind, fallen durch das Raster“, sagt Frank Hübner, Vorstand beim Kinder- und Jugendhilfeträger Knicklicht. Die Arbeit auf dem Ölberg im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld wird im September 20 Jahre alt.

    Der markante Name Ölberg entstand in den 1920 Jahren, als viele Wohnungen in dem Arbeiterviertel mit Öl- bzw. Petroliumlampen beleuchtet wurden, denn sie waren nicht an das öffentliche Stromnetz angebunden. „In unserem Stadtteil leben viele Familien mit vielseitigen Migrationshintergründen“, sagt Hübner. Das fördere die interkulturelle Kompetenz dieser Kinder. Der Knicklicht-Vorstand weiter: „Ethnische oder religiöse Konflikte erleben wir nicht.“

    Knicklicht bietet eine soziale Gruppenarbeit für zwölf und eine Kinderkantine für 15 Kinder im Grundschulalter. Fünf Mitarbeitende in der sozialen Gruppenarbeit sorgen für eine individuelle Begleitung der Kinder an Wochentagen zwischen 11.30 und 16.30 Uhr. Die Kinder werden bei den Hausaufgaben unterstützt und mit Spiel- und Freizeitangeboten gefördert. Finanziert wird dieses Angebot im Rahmen der Hilfe zur Erziehung (HzE) durch das Wuppertaler Jugendamt.

    Die benachbarte Kinderkantine wird von drei Fachkräften begleitet. Das gemeinsame Essen, die Begleitung bei den Hausaufgaben und kreative Freizeitangebote sind – wie in der sozialen Gruppenarbeit – wichtige Programmelemente. Auch die Kinderkantine wendet sich an Grundschüler, für die eine intensivere Begleitung wichtig ist. Zu den 15 Mädchen und Jungen dort zählen drei sogenannte HzE-Kinder.

    Die Kinder in der sozialen Gruppenarbeit haben sich den Namen „Flumis“ gegeben, in der Kinderkantine sind die „Glühwürmchen“ unterwegs.

    Was können wir für unseren Stadtteil leisten?

    Entstanden ist die Knicklicht-Arbeit aus der Frage von Mitgliedern einer auf dem Ölberg gelegenen Baptistengemeinde, was Christen für ihren Stadtteil tun können. Mitglieder der Gemeindeleitung, zu der Frank Hübner gehörte, suchten das Gespräch mit Bezirkssozialarbeitern. Daraus entstand die Idee eines Jugendcafés, einer Hausaufgabenbetreuung und einer Kinderkantine. Zwei weitere Freikirchen – eine Freie evangelische und eine Brüdergemeinde – brachten sich in das Projekt. Gemeinsam renovierten Christen die Räume einer der Baptistengemeinde gegenüberliegenden ehemaligen Eckkneipe, die zum Verkauf stand und die ein Gemeindemitglied erwarb.

    Der Verein Knicklicht e.V. wurde im September 2008 gegründet und schloss sich später dem DPWV („Der Paritätische“) als Spitzenverband an. Wichtig war die Vereinsgründung, um Spendengelder akquirieren zu können: Manche Firmen- und Privatspender wollten Mittel für die Kinderarbeit, nicht aber für eine Kirche zur Verfügung stellen. In dem Verein sind bis heute die Freie evangelische und die Baptistengemeinden vertreten. „Wir wollen eine christliche Ausrichtung als Kompass behalten“, sagt Hübner. „Dabei verstehen wir uns nicht als missionarisches, sondern als sozial-diakonisches Projekt.“

    Hausbrand als Neustart

    Anfangs wurde das Projekt Knicklicht ganz durch Ehrenamtliche gestaltet. Nach einem Brandschaden im Jahr 2010 mussten die Räume neu renoviert werden. Der Verein nutzte die unfreiwillige Zäsur, um seine Arbeit zu fokussieren: Das Jugendcafé wurde aufgegeben, Hausaufgabenbetreuung und Kinderkantine wurden ausgebaut. Für die Koordination und Begleitung des ehrenamtlichen Teams wurde erstmals eine hauptamtliche Fachkraft eingestellt.

    Die soziale Gruppenarbeit startete im Jahr 2017. Seitdem ist der Verein als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Geleitet wird die Arbeit heute von der Sozialpädagogin Jenny Nau, die in Elterngesprächen und bei der Hilfeplanung mit den Familien gemeinsam Perspektiven über die Zeit im Knicklicht hinaus in den Blick nimmt. „Einzelne Kinder bleiben auch in der 5. Klasse bei uns, wenn der zeitgleiche Wechsel von Schule und Nachmittagsbetreuung eine Überforderung für sie wäre“, sagt Nau.

    Nicht ohne Ehrenamtliche

    Wie in der Anfangszeit besitzt das ehrenamtliche Engagement im Knicklicht eine hohe Bedeutung, auch wenn es nicht an die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte ersetzt. Jeden Tag ist eine ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Gruppenarbeit mit dabei und Freiwillige unterstützen zudem die Köchin. Darüber hinaus kommen Ehrenamtliche im Rahmen von Patenschaften zum Einsatz, etwa als Vorlesepaten oder bei der Hausaufgabenunterstützung. „Das ehrenamtliche Engagement hat in der Coronapandemie deutlich gelitten, aber ohne Ehrenamtliche kann ein normaler Arbeitstag nicht abgedeckt werden“, sagt Nau.

    Im Alltag wird die multiethnische Herkunft der Kinder berücksichtigt. Im Knicklicht wird das Verständnis der unterschiedlichen religiösen und kulturellen Besonderheiten der Kinder untereinander mit Projekten fördern. Das Essen wird von einer aus Syrien stammenden Köchin frisch zubereitet. Die Kinder können über eine Essenswunschbox ihre Ideen einbringen, die auch dann berücksichtigt werden, wenn sie nicht einem typisch deutschen Speiseplan entsprechen.

    Kürzungen der Schulsozialarbeit hat Folgen

    Seit der Coronapandemie haben sich Kinderbedürfnisse erkennbar verändert. „Die Zeit zu Hause und das Tragen von Schutzmasken hat sich bei den Kindern tief eingebrannt.“ Nau weiter: „Kinder sind gewaltbereiter und emotional unausgeglichener geworden. Es fällt ihnen schwerer, sich in soziale Situationen zu integrieren.“

    Angesichts dieser Beobachtungen erscheint es alles andere als hilfreich, dass – aufgrund der unsicheren Finanzierung durch das Land – freie Träger der Schulsozialarbeit in Wuppertal ihren Rückzug aus diesem Arbeitsfeld angekündigt haben. Sozialarbeitende verlassen ihre Stellen und wechseln auf sicherere berufliche Positionen. Knicklicht-Vorstand Hübner sagt: „Kürzungen der Schulsozialarbeit führen dazu, dass der Austausch mit Schulen schwieriger wird.“ Lehrer fühlten sich häufiger überfordert und könnten einzelne Kinder und deren soziale Situation nicht tiefer kennenlernen. Dies könne auch dazu führen, dass weniger Kinder individuelle Förderangebote über Hilfen zur Erziehung erhalten. Für das Knicklicht liegt eine Herausforderung darin, die eigenen Belegungszahlen aufrecht zu erhalten.

    Die finanziell angespannte Lage verhindert zudem neue Projekte. So hatte Knicklicht die Konzeption für eine Präventionsgruppe entwickelt, die Kinder bereits vor einer Gewährung von Hilfe zur Erziehung fördern sollte. Die Konzeption stieß bei den kommunalen Verantwortlichen auf Zustimmung, jedoch scheiterte eine Finanzierung. Hübner dazu: „Hilfe zur Erziehung ist eine Pflichtleistung, Prävention dagegen eine Kann-Leistung, und dafür fehlt es aktuell an Mitteln.“

  • 50.000 Kinder leben bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren

    50.000 Kinder leben bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren

    Foto: Jordan González auf Unsplash+

    Paare in Regenbogenfamilien überwiegend Frauen – jede 200. Familie gehört dazu

    Berlin (2mind) – Etwa 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern lebten 2024 in Deutschland. In diesen sogenannten Regenbogenfamilien lebten 50.000 minderjährige Kinder. Bei knapp 6,8 Millionen Paarfamilien mit minderjährigen Kindern in Deutschland war rund jede 200. davon im zurückliegenden Jahr eine Regenbogenfamilie.

    Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter berichtet, lebten 2024 etwa 208.000 gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland, darunter 15 % gemeinsam mit Kindern unter 18 Jahren. Gut 70 % der Elternpaare in Regenbogenfamilien waren zwei Frauen (22.000), knapp 30 % Männerpaare (9.000). Berücksichtigt man auch volljährige Kinder, dann lebten 38.000 Regenbogenfamilien mit 62.000 Kindern zusammen.

    Die Angaben beruhen auf dem sogenannten Mikrozensus, einer Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund 1 % der Bevölkerung in Deutschland befragt wird.

  • Inklusion an Schulen: Lehrkräfte unzufrieden

    Inklusion an Schulen: Lehrkräfte unzufrieden

    CDC auf Unsplash

    Fehlendes Personal, zu große Klassen und mangende individuelle Förderung bilden strukturelle Probleme.

    Berlin (2mind) – Inklusion kommt in der Schule kaum voran. So sieht es Tomi Neckov, der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Nach Befragungen in den Jahren 2015, 2017 und 2020 hatte der VBE erneut das Meinungsforschungsinstitut forsa mit einer Umfrage unter 2.737 Lehrkräften beauftragt. „Die größte Herausforderung bleibt, dass die Lehrkräfte die Chancen von Inklusion sehen, aber täglich mangelnde Ausstattung und fehlende Unterstützung erleben“, so Neckov. Angesichts dieses strukturellen Versagens sei das Eingreifen der Politik gefordert.

    Weitere Ergebnisse der Befragung:

    • 41 % der befragten Lehrkräfte geben an, dass ihre Schule nicht barrierefrei ist.
    • 62 % der Befragten halten das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung für sinnvoll.
    • Jedoch halten nur 28 % einen inklusiven Unterricht in der aktuellen schulischen Umsetzung für praktikabel – angesichts fehlenden Personals, großer Klassen und mangelnder individueller Förderung.
    • Fast der Hälfte der Lehrkräfte fehlt sonderpädagogisches Wissen.
    • Und ebenso äußert sich fast die Hälfte der Lehrkräfte eher unzufrieden und über ein Drittel sogar sehr unzufrieden mit der Inklusionspolitik in ihren Bundesländern.

    Der VBE fragte auch nach dem Einsatz digitaler Endgeräte zur individuellen Förderung in inklusiven Settings. Drei Viertel der befragten Lehrkräfte nutzen digitale Bildungstechnik, die Hälfte der Lehrkräfte wöchentlich. Zum Einsatz kommen etwa Lern-Apps und Spiele, die differenzierte Aufgabenstellungen ermöglichen und die Eigenständigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern. Bei körperlich beeinträchtigten Kindern werden digitale Endgeräte für alternative Darstellungsformen oder das Vorlesen von Aufgabenstellungen genutzt. Neckov dazu: „Der Einsatz digitaler Unterstützungsmöglichkeiten ist richtig, gut und ein Gewinn für den Unterricht. Aber es kann den persönlichen Kontakt zur Lehrkraft nicht ersetzen.“ Die Entlastung durch den Einsatz digitaler Endgeräte dürfe von der Politik nicht überbewertet werden.

    Die > Ergebnisse der repräsentativen Befragung als PDF

  • Jugendhilfe: „Lost in the System“

    Jugendhilfe: „Lost in the System“

    Foto: Unsplash+

    Eine Masterarbeit an der FH Campus Wien untersucht, wie es zu „Systemsprengungen“ kommt.

    Wien (2mind) – Wie geraten junge Menschen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe in die Situation, dass sie als „Systemsprenger“ und „Systemsprengerinnen“ kategorisiert werden? Dieser Frage geht die an der FH Campus Wien veröffentlichte Masterarbeit von Oliver Klement nach. „Systemsprengung“ ist danach kein plötzliches Ereignis, sondern ein schleichender Prozess, der durch die Häufung sich gegenseitig verstärkender Belastungsfaktoren entsteht. Zu diesen Faktoren gehören die Überforderung der Fachkräfte, strukturelle Rahmenbedingungen und institutionelle Begrenzungen.

    Nach den Ergebnissen einer im Rahmen der Masterarbeit durchgeführten Studie wird Überforderung in sozialpädagogischen Strukturen „vor allem durch Dauer, Häufigkeit, Intensität, Kontrollierbarkeit und Vorhersagbarkeit bestimmt“. Verschiedene gleichzeitig auftretende Stressfaktoren verstärken sich dabei gegenseitig, und das System Jugendhilfe wird bis an seine Grenzen belastet.

    Beispielhaft geht die Arbeit auf den übermäßigen Gebrauch von Drogen durch Jugendliche ein. Dazu schreibt Klement: „Eine vorherige Verwendung von Drogen könnte als Risikofaktor betrachtet werden, während ein steigender Konsum als Frühwarnzeichen und ein besonders exzessiver oder eskalierender Konsum als Anzeichen für eine ‚Systemsprengung‘ angesehen werden könnte.“ Die Grenzen zwischen diesen Kategorien sei jedoch fließend.

    Der > Link zur Publikation (PDF)

  • „Demokratie beginnt mit guter Bildung.“

    „Demokratie beginnt mit guter Bildung.“

    CDC auf Unsplash

    Gewerkschaft GEW: Gute Bildung fördert den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

    Kassel (2mind) – Am Tag der Arbeit stellt die Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) die Bedeutung der Bildung für die Demokratie in den Mittelpunkt: „Wir brauchen ein Bildungssystem, das den engen Zusammenhang zwischen Armut und Bildungserfolg entkoppelt – nicht weiter zementiert“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Doreen Siebernik am 1. Mai bei einer Kundgebung in Kassel. „Dafür sind gut qualifizierte Fachkräfte in den Bildungseinrichtungen notwendig, die ausreichend Zeit haben, alle Lernenden zu unterstützen und zu fördern.“ 

    Der Fachkräftemangel sei in Kitas und Schulen dramatisch; das Bildungswesen müsse als Arbeitgeber daher wieder attraktiver werden. Erwiesen sei der Zusammenhang zwischen Armut und mangelndem Bildungserfolg. Siebernik weiter: „Dieser Zusammenhang ist entscheidend für alle. Das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft müssen wir aufbrechen.“ 

    Der „Tag der Arbeit“ steht 2025 unter dem Motto „Mach dich stark mit uns“ – die GEW fordert von der Bundesregierung ein Sondervermögen mit mindestens 130 Milliarden Euro zusätzlich für den Bildungsbereich.

  • Rekordhoch: Rechtsextreme Straftaten an Schulen

    Rekordhoch: Rechtsextreme Straftaten an Schulen

    Innerhalb von 10 Jahren haben sich die Taten mehr als verdoppelt. Es geht etwa um die Verwendung der Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen in Chats.

    Hamburg (2mind) – Über ein Rekordhoch rechtsmotivierter Straftaten an deutschen Schulen berichtet das Magazin Stern. Nach einer Umfrage der Stern-Redaktion unter den  Landeskriminalämtern  haben sich die bei der Polizei gemeldeten Fälle an Schulen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und sie sind auch im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Jedoch erfassen nicht alle Bundeländer entsprechende Fallzahlen.

    Am häufigsten wurde durch die Landeskriminalämter das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen registriert – Taten wie das Einritzen von Hakenkreuzen in Schulbänke oder das Zeigen des Hitlergrußes auf dem Schulgelände.

    Den deutlichsten Anstieg der Fälle erfasste die Polizei laut  Stern  in Sachsen-Anhalt: Dort stieg die Fallzahl im Jahr 2024 auf 185 – und damit im Vergleich zu 2023 um 150 Prozent. Deutliche Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr meldeten auch Rheinland-Pfalz (80 %), Sachsen (52 %) und Bayern (39 %).

    Besonders häufig registriert wurde von den Landeskriminalämtern das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Das meint beispielsweise in Schulbänke eingeritzte Hakenkreuze oder das Zeigen des Hitlergrußes auf dem Schulgelände.

    Nach Auskunft der Landeskriminalämter wird die Verwendung rechtsextremer Symbole in Klassenchats zu einem wachsenden Problem. Beliebt sei an Schulen zudem der Partysong „L’Amour Toujours“: Im vergangenen Sommer wurde der Song durch einen Vorfall auf Sylt bekannt; der Text wurde dabei ausländerfeindlich umgedichtet auf „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“.

    Der > Link zum Stern-Bericht

  • Immer mehr junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

    Immer mehr junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

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    Auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche steigt kontinuierlich. Der Arbeitsmarkt für Helfer wird sich verschlechtern. Das IAB rät zu niedrigschwelligen und berufsbegleitenden Angeboten.

    Berlin (2mind) – Der Anteil junger Erwachsener ohne Berufsabschluss steigt seit über zehn Jahren kontinuierlich an. Lag die Zahl der 20 bis 34-jährigen Erwerbspersonen ohne berufliche Qualifizierung im Jahr 2013 noch bei 10 %, so stieg er bis 2024 auf 13 % an. Das berichtet das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

    Ein Teil dieses Anstiegs lasse sich durch Zuwanderung erklären; in dieser Bevölkerungsgruppe sei der Anteil der nicht formal Qualifizierten höher. Jedoch stieg die Quote auch unter Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit an. Zudem brachen zwischen 2005 und 2020 immer mehr Auszubildende die von ihnen gewählte Ausbildung vorzeitig ab; im Jahr 2020 lagt der Anteil der Ausbildungsabbrüche bei etwa 23 %. Insgesamt gelten 1,6 Millionen Menschen in der Altersgruppe von 20 bis 34 Jahren als nicht formal qualifiziert.

    Das IAB verweist auf die Erhöhung des Mindestlohns und die damit gestiegene Attraktivität von Helfertätigkeiten. Perspektivisch werde sich die Arbeitsmarktlage bei Helfertätigkeiten jedoch verschlechtern, so dass IAB.

    “Dass junge Menschen den Weg zu einer formalen Qualifizierung finden, dazu können gezielte niedrigschwellige Angebote beitragen. Diese können modular aufgebaut sein und gegebenenfalls berufsbegleitend zum vollwertigen Abschluss führen“, schreiben die Forscher. Verantwortliche in Berufsschulen und Betrieben sollten im Umgang mit lernschwächeren Menschen befähigt werden. Im Blick auf Zugewanderte “kommt es darauf an, Kompetenzen festzustellen, zügig anzuerkennen und berufsbegleitend gezielt Qualifikation weiterzuentwickeln sowie Sprachkenntnisse zu fördern“, so das IAB.

    Der > Link zum IAB-Bericht

  • Multiprofessionelle Kita-Teams als Chance

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    Das Gelingen der Multiprofessionalität ist an Voraussetzungen geknüpft. Die Leitung trägt dabei eine besondere Verantwortung.

    Berlin (2mind) – Multiprofessionelle Teams in Kitas können die Qualität der pädagogischen Arbeit steigern – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Laut der Bildungswissenschaftlerin Kassandra Klumpe geht es insbesondere darum, das fachliche Perspektiven und Kompetenzen erfolgreich zusammengebracht werden.

    In dem soeben erschienen Fachtext „Multiprofessionelle Teams in der Kita“ zeigt Klumpe die Bedeutungsvielfalt des Begriffs „Multiprofessionalität“ und diskutiert Risiken und Chancen. Dabei geht sie u.a. auf Herausforderungen für die Weiterbildung, für Einarbeitung, Aufgabenteilung und die Gestaltung von Teamrollen ein. Neu an Bedeutung gewonnen hat das Thema aufgrund des Fachkräftemangels in der Elementarpädagogik und der dadurch mitbedingten Anwerbung von Mitarbeitenden unterschiedlicher Berufsfelder.

    „Wenn eine Kita multiprofessionell besetzt werden soll, erfordert dies umfassende Organisationsentwicklungsprozesse, die vor allem mithilfe der Leitungskraft angestoßen und von ihr verantwortet werden können“, so Klumpe. Leitungskräfte sollten das „Wir-Gefühl“ stärken, Identität stiften und ein beziehungsorientiertes Führungsverhalten einsetzen.

    Die Soziologin Kassandra Klumpe arbeitet am Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung. Erschienen ist der Beitrag in der Reihe Kita-Fachtexte, einer Kooperation dieses Instituts und des Fröbel e. V. Der Text „Multiprofessionelle Teams in der Kita“ ist offen lizenziert (CC BY-SA 3.0 DE).

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  • Gewalt: Strukturproblem in der Kindertagesbetreuung

    Foto: Unsplash+

    Es fehlen klare Regeln, genug Personal, klare Schutzkonzepte und Reflexionsräume. Sexualisierte Übergriffe unter Kindern werden häufig nicht als solche wahrgenommen.

    Berlin (2mind) – Gewalt in der frühkindlichen Betreuung ist kein Randphänomen ist, sondern tief in den institutionellen Rahmenbedingungen verwurzelt ist. Und sie wird oft tabuisiert. Darauf verweist das Arbeitspapier „Verletzendes Verhalten in der Kindertagesbetreuung: Anspruch und Realität“ von Nikolaus Meyer und Elke Alsago.

    „Fehlendes Personal, hohe Gruppengrößen und unklare Schutzkonzepte führen zu einer schleichenden Normalisierung von Gewalt, die im Alltag kaum noch hinterfragt wird“, heißt es in dem Text. Ein Problemfeld sei die unzureichende Regulierung von Nähe und Distanz im Kita-Alltag. „Während Körperkontakt in der Betreuung von Kleinkindern notwendig ist, fehlen vielen Fachkräften klare fachliche Leitlinien, um Übergriffe zu vermeiden.“

    Gewalt trete in verschiedenen Formen auf, darunter psychische, physische und sexualisierte Gewalt, sowohl zwischen Kindern als auch durch Fachkräfte. Besonders problematisch sei die Normalisierung von Gewalt im Alltag, die oft nicht hinterfragt wird. So verweisen Meyer und Alsago auf das Thema sexualisierte Gewalt in Kitas, die sowohl von Fachkräften als auch von anderen Kindern ausgehen könne. „In pädagogischen Kontexten zeigen sich Übergriffe häufig in Form von unangemessenen Berührungen, sexualisierten Sprachspielen oder dem Fehlen klarer Regelungen zu Nähe und Distanz“, heißt es in dem Text. Studien zeigten, dass sexualisierte Übergriffe unter Kindern nicht selten vorkommen, aber häufig nicht als solche wahrgenommen und daher nicht bearbeitet werden.“

    In der wenig erforschten Kindertagespflege erschwere die Ein-Personen-Struktur eine Kontrolle und Reflexion. Schutzkonzepte seien zwar vorhanden, würden jedoch selten überprüft.

    Meyer und Alsago fordern umfassende Reformen, um Gewalt zu reduzieren. Dazu gehören bessere Personalschlüssel, verpflichtende Schutzkonzepte und regelmäßige Reflexionsräume für Fachkräfte. Kinder und Beschäftigte sollen stärker in Entscheidungen einbezogen werden, um eine gewaltfreie Kultur zu fördern. Die Ergebnisse zeigten, dass Gewaltprävention nicht nur individuelle Maßnahmen erfordert, sondern auch strukturelle Veränderungen in den Einrichtungen. „Nur durch strukturelle Veränderungen kann verhindert werden, dass Gewalt in der frühkindlichen Betreuung als unvermeidlich hingenommen wird“, heißt es in dem Text.

    Der Text „Verletzendes Verhalten in der Kindertagesbetreuung: Anspruch und Realität“ von Nikolaus Meyer und Elke Alsago ist unter einer offenen Lizenz in der Reihe ver.di-Schriften zur Sozialen Arbeit veröffentlicht.

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  • Schwangerschaftsabbrüche in NRW auf dem Höchststand

    Foto: Suhyeon Choi auf Unsplash

    Drei Prozent der Abtreibenden waren minderjährig. Medizinische Gründe oder Sexualstraftaten waren in etwa fünf Prozent ursächlich.

    Düsseldorf (2mind) – Seit 2022 steigt die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Nordrhein-Westfalen an. Mit 23.445 Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in NRW erreichte sie im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 2008. Das Statistische Landesamt NRW teilt nun Details dazu mit:

    • Neun von zehn Frauen waren zwischen 18 und 39 Jahre alt – drei Prozent waren minderjährig. 70 Mädchen waren jünger als 15 Jahre.
    • Etwa die Hälfte der Frauen (54,8 Prozent) hatte vor dem Abbruch bereits mindestens ein Kind geboren, 3 025 Frauen bereits drei oder vier Kinder und 455 fünf oder mehr Kinder.
    • In 50,1 Prozent der Fälle erfolgte der Schwangerschaftsabbruch vor der siebten, in 80,3 Prozent en vor der neunten und in 96,7 Prozent vor der zwölften Schwangerschaftswoche.
    • Indikationen aus medizinischen Gründen oder aufgrund von Sexualdelikten waren in 5,1 Prozent der Fälle die Begründung für den Abbruch.
    • 97,3 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche erfolgten ambulant in Arztpraxen und Krankenhäusern durchgeführt, 2,8 Prozent stationär in Krankenhäusern.

    In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch in § 218 StGB (Strafgesetzbuch) geregelt und gilt als rechtswidrig. Ein Abbruch ist innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Befruchtung möglich, wenn die Schwangere zuvor eine verpflichtende Beratung in Anspruch nimmt und eine dreitägige Wartefrist einhält („Beratungsregelung“). Darüber hinaus ist ein Abbruch auch nach der zwölften Woche straffrei, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, etwa bei Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren oder wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist.