Kategorie: Aktuelles

  • Digital eingeschränkt, aber nicht abgehängt

    Digital eingeschränkt, aber nicht abgehängt

    Foto: Curated Lifestyle auf Unsplash+

    Studie: Wohnungslose Menschen sind auf digitale Zugänge angewiesen.

    Düsseldorf (2mind) – Wohnungslose Menschen nutzen digitale Medien für ihre sozialen Beziehungen und ihre persönlichen Belange – wie andere Menschen in unserer Gesellschaft. Sie seien „in ihrer digitalen Teilhabe zwar eingeschränkt, aber mitnichten gänzlich abgehängt“, heißt es in einer Studie.

    Neun von zehn befragten Wohnungslosen besitzen ein Smartphone für den Internetzugang und nutzen es vor allem alltagspraktisch, konsum- und kommunikationsorientiert. Drei Viertel greifen dafür auf kostenpflichtige mobile Datenzugänge zurück, jedoch verfügt nur ein Drittel über ein ausreichendes Guthaben. Menschen ohne Unterkunft (obdachlose Menschen) sind dabei schlechter ausgestattet als etwa wohnungslose Menschen in Einrichtungen. „Armut ist auch bezogen auf digitale Teilhabe der zentrale Ungleichheitsfaktor“, so die Autoren der Studie.

    Während die befragten wohnungslosen Menschen ihre digitalen Basiskompetenzen als gut einschätzten, bewerteten sie ihre Fähigkeiten in den Kompetenzbereichen „Umgang mit Informationen und Daten“ sowie „Kommunikation und Zusammenarbeit“ geringer als die Allgemeinbevölkerung. „Menschen, die über gesicherte und stabile Zugänge zu digitalen Medien verfügen, sehen sich auch besser in der Lage, diese zu nutzen und sie bauen Kompetenzen auf und aus“, heißt es in der Studie.

    Die Forschenden verweisen auf die hohe Bedeutung digitaler Zugänge für wohnungslose Menschen: „Über den Zugang zu Wohnungen oder Arbeit wird etwa überwiegend im digitalen Raum entschieden.“ Auch für die Beantragung existenzsichernder Leistungen sei ein digitaler Zugang wichtig.

    Die Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) hatte mit einer Förderung des nordrhein-westfälischen Sozialministeriums von Juli bis Dezember 2025 insgesamt 1.026 Menschen online befragt, zwölf Tiefeninterviews geführt und zwei Fokusgruppen mit insgesamt neun wohnungslosen Menschen aus Beratungsstellen und stationären Einrichtungen gebildet.

    Die > Studie als PDF zum Download

  • Neuerscheinung: „Fragile Behausungen“

    Neuerscheinung: „Fragile Behausungen“

    Bettelnder Mensch in einer Großstadt
    Foto: Ev auf Unsplash

    Das offen lizenzierte Fachbuch bietet Forschungsperspektiven zur Wohnungslosigkeit.

    Weinheim (2mind) – Wohnungslosigkeit gilt als das extremste Phänomen der Armut – und ist zugleich Lebensrealität hunderttausender Menschen in Deutschland. Mit der offen lizenzierten Ausgabe starten die Herausgeber eine Buchreihe zur Obdach- und Wohnungslosigkeitsforschung. Was bringt Menschen in diese Lage und was hält sie dort? Wie reagiert die Gesellschaft und was kann Soziale Arbeit leisten?

    Die Texte in dem Buch gehen auf die Konferenz „Fragile Behausungen. Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit in Zeiten multipler Krisen“ im Februar 2024 an der Technischen Hochschule Nürnberg zurück. Enthalten sind wissenschaftliche Beiträge zur Situation, Deutungen oder Praxen von wohnungslosen Menschen, zu den wohlfahrtsstaatlichen, kommunalen, sozialarbeiterischen oder politischen Bearbeitungen dieses sozialen Phänomens und zu gesellschaftlichen Diskursen.

    Frank Sowa, Marisa Geiser-Krummenacher, Pauline Runge, Tom Neu, Anna Xymena Tissot, Nora Sellner, Athanasios Tsirikiotis (Hrsg.)(2026). Fragile Behausungen. Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit in Zeiten multipler Krisen. Weinheim: Beltz Juventa (CC BY-NC-ND 4.0)

    Das Buch als > PDF zum Download

  • Leipzig: „Housing First“ holt Menschen aus der Wohnungslosigkeit

    Leipzig: „Housing First“ holt Menschen aus der Wohnungslosigkeit

    Foto: Curated Lifestyle auf Unsplash+

    Das Projekt „Eigene Wohnung“ soll ausgebaut werden.

    Leipzig (2mind) – Beim „Housing First“ erhalten wohnungslose Menschen ohne Umwege und Zwischenstationen außerhalb des regulären Wohnungsmarktes eine eigene Wohnung. So können Menschen dauerhaft aus der Wohnungslosigkeit geholt werden, wie das Modellprojekt „Eigene Wohnung“ in Leipzig zeigt. Im Rahmen des 2021 vom Rat der Stadt beschlossenen Projektes wurden 33 Teilnehmende mit einer Wohnung versorgt; zum Ende des Evaluationszeitraums am 01.12.2024 waren lediglich vier Personen wieder ausgeschieden. Wie der nun vorgestellt Abschlussbericht des Projektes zeigt, waren zwei der ausgeschiedenen Personen verstorben, eine Person wurde auf eigenen Wunsch in eine andere dauerhafte Wohnform vermittelt und eine Person wurde wieder wohnungslos. Der Stadtrat nat nun beschlossen, das Projekt auszuweiten.

    Bei den Teilnehmenden des Modellprojekts „handelte es sich bei den Teilnehmenden zu einem sehr hohen Anteil um Menschen mit komplexen Problemlagen, die neben ihrer Wohnungslosigkeit zusätzlich mit einer zum Teil seit Jahrzehnten bestehenden Suchtmittelabhängigkeit und/oder mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hatten und die auf dem herkömmlichen Wohnungsmarkt ansonsten kaum Chancen gehabt hätten, mit einer Wohnung versorgt zu werden“, heißt es in dem Bericht.

    Zudem zeigte sich in dem Leipziger Projekt „eigene Wohnung“ die Bedeutung des Grundprinzips „Flexible Unterstützung so lange wie nötig“: Eine Beendigung der wohnbegleitenden Hilfen und sozialen Betreuung war innerhalb von etwa drei Jahren nur für einen sehr kleinen Teil der Zielgruppe; weit mehr als die Hälfte benötigte auch zum Abschluss der Evaluationsphase eine intensivere Begleitung.

    Ob und wie viele zusätzliche Plätze in den kommenden Jahren bereitgestellt werden, hängt nun vom Wohnungsangebot und der finanziellen Situation der Stadt ab.

    Der > Abschlussbericht des Housing-First-Projektes in Leipzig als PDF zum Download

  • Radio: Smart Speaker gefährden die Medienvielfalt

    Radio: Smart Speaker gefährden die Medienvielfalt

    Amazon Alexa auf einem Ecktisch
    Foto: Fabian Hurnaus auf Pexels

    Berlin (2mind) – Immer mehr Menschen hören Radiogramme über ihre Smart Speaker. Finanziell profitieren die Radiosender davon kaum. Eine von den Medienanstalten in Auftrag gegebene Studie zeigt: Sollte die Marktdominanz der Big-Tech-Anbieter mit ihren Smart Speakern (wie Amazon Alexa, Google Assistant oder Apple Siri) weiter wachsen, könnte den Radioanbietern bis 2030 ein Verlust von mehreren hundert Millionen Euro drohen.

    Zudem fungieren Plattformen wie Amazon, Google oder zunehmend als Gatekeeper für den Zugang zu Audioangeboten. „Für Hörfunkanbieter bedeutet dies, dass Reichweite, Auffindbarkeit und Nutzung zunehmend durch Plattformlogiken, Integrationen und Default-Einstellungen geprägt werden“, heißt es in der Studie.

    Aktuell verfügen fast 30 Prozent der Haushalte in Deutschland über einen Smart Speaker, diese Geräte gelten als eine besonders schnell wachsende Consumer-Technologie.

    Die Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, Eva-Maria Sommer, erklärte dazu: „Bislang verwerten die Plattformen sämtliche Nutzungsdaten vor allem für ihre eigenen Zwecke – und entziehen den Radiosendern damit die Möglichkeit, die Reichweite ihrer Inhalte durch Werbung zu refinanzieren.“ Den Radiosendern müssten die bezüglich ihrer Inhalte erhobenen Nutzerdaten zur Verfügung gestellt werden. Sommer weiter: „Durch fairere Wettbewerbsbedingungen könnten Millionen an Umsätzen zu den Radioveranstaltern zurückfließen – und damit auch in die wichtige Finanzierung lokaler journalistischer Strukturen.“

    Der Bericht „Bedeutung von Smart Speakern für den deutschen Hörfunk“ > zum Download

  • „KI stärkt die Macht der Starken“

    „KI stärkt die Macht der Starken“

    Der Petersdom
    Foto: Simone Savoldi auf Unsplash

    Rom (2mind) – Um ethische Perspektiven auf die KI-Entwicklung und den KI-Einsatz geht es bei der gestern von Papst Leo XIV. im Vatikan vorgestellten Enzyklika „Magnifica Humanitas“. Darin schreibt der Papst: „Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit: Wenn sie in Prozesse eingebunden wird, die das Leben der Menschen beeinflussen, kommt sie mit Rechten, Chancen, gutem Ruf und Freiheit in Berührung.“ Einen Schwerpunkt des Textes bildet der Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) in Waffensystemen.

    Leo XIV. beschreibt eine Machtverschiebung: Im Blick auf digitale Anwendungen liege die Kontrolle in vielen Fällen nicht in der Hand des Staates, sondern von wirtschaftlichen Akteuren. Das birgt Risiken: „Wie es bei jeder großen technologischen Wende der Fall ist, so neigt auch die KI dazu, vor allem die Macht derjenigen zu stärken, die bereits über wirtschaftliche Ressourcen, Kompetenzen und Zugang zu Daten verfügen“, heißt es in der Enzyklika, die auf die Themenbereiche Bildung, Arbeit, Familie und Verteidigung der Freiheit eingeht.

    Als Leitkriterium formuliert Leo XIV.: „Es reicht nicht aus, dass KI uns effizienter oder vernetzter macht; sie muss dazu dienen, jene universale Menschheitsfamilie mit gemeinsamen Rechten und Pflichten aufzubauen, in der digitale Nähe zu einer echten Chance für Begegnung und gegenseitige Fürsorge wird.“

    Angesichts eines neuen Wettrüstens geht die Enzyklika ausführlich auf den KI-Einsatz im Krieg ein. „Zuallererst muss bei jedem System, das zu Kriegszwecken eingesetzt wird, die Rückverfolgbarkeit und die Möglichkeit gewährleistet sein, Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen, damit sich Verantwortlichkeiten und eventuelle Verschuldungen nicht „in der Maschine“ verlieren“, fordert Leo XIV. Die Entscheidung über den Einsatz tödlicher Gewalt dürfe nicht an undurchsichtige oder automatisierte Prozesse delegiert werden. Und es brauche international festgelegte Regeln, die den Wettlauf um hochtechnisierte Waffensysteme bremsen.

    Die > Enzyklika „Magnifica Humanitas“ im Web

  • Migration nicht mit der „schwarzen Brille“ betrachten

    Migration nicht mit der „schwarzen Brille“ betrachten

    Integrationsexperte Vargo sieht einen „Prüfstein für Humanität und christliche Identität“.

    Willingen (2mind) – Die Migration ist ein „Prüfstein für Humanität und christliche Identität“. Das sagte Luwai Vargo, Referent am Europäischen Institut für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI), am 8. April auf der SPRING-Konferenz in Willingen (Sauerland). Eine Missachtung der Humanität von Migranten sehe er auf allen Ebenen – persönlich wie politisch. Christen könnten dagegen Gastfreundschaft praktizieren. „Der Umgang mit dem Fremden ist kein Nebenthema“, so Vargo. „Er ist ein Prüfstein für Christsein und den Glauben.“

    In seinem Seminar auf der Konferenz der Deutschen Evangelischen Allianz leitete der Integrationsexperte aus biblischen Texten die Verantwortung von Christen für Migranten ab. „Aus theologischer Sicht lässt sich im Migranten nicht nur der Fremde sehen, sondern das Bild Christi entdecken“, so Vargo.

    Dabei sollten Christen im Einsatz für Migranten sollten Christen ihre Grenzen beachten. „Wir sind nicht die Retter, wir sind Begleiter.“ Vargo weiter: „Wir sollten einfach nur ehrlich sein: helfen, wo wir können, und sagen, was wir nicht können.“ Dabei sein schon die freundliche und zugewandte Begegnung im Alltag wichtig. Vargo: „Biete einen Kaffee an, lächle, höre einfach einen Moment zu, ohne gleich ein Problem lösen zu müssen.“

    Der evangelische Integrationsexperte warb dafür, nicht mit einer „schwarzen Brille“ auf Migration zu schauen. „Auch daran müssen wir denken, dass Gott diese Menschen hierhergeschickt hat, um für uns ein Segen zu sein“, so Vargo.

  • #PingTok oder #TripTok: Drogendeals per Hashtag

    #PingTok oder #TripTok: Drogendeals per Hashtag

    Von einer jungen Frau wird ein Video aufgenommen.
    Foto: Amanda Vick auf Unsplash

    jugendschutz.net nimmt die Bedeutung von TikTok für den Drogenhandel unter die Lupe.

    Mainz (2mind) – Drogeninhalte finden auf TikTok unter Hashtags wie #PingTok oder #TripTok eine weite Verbreitung. Ein aktueller Bericht von jugendschutz.net verdeutlicht, wie dort der Konsum illegaler Substanz wie Marihuana, Ecstasy, Ketamin, Speed oder auch Kokain durch ästhetische Inszenierungen und humorvolle Formate verharmlost oder glorifiziert wird, was insbesondere auf Jugendliche eine starke Anziehungskraft ausübt. Über die Kommentarspalten und spezielle Codewörter fungiert die Plattform zudem als Marktplatz für den Drogenhandel, wobei Dealer gezielt junge Zielgruppen ansprechen. Der TikTok-Algorithmus verstärkt diese Gefahren, indem er interessierten Nutzern fortlaufend ähnliche Beiträge zuspielt und so eine gefährliche Normalisierung des Konsums fördert.

    Drogen als „normaler Teil des Alltags“

    Emotional aufgeladene Inszenierungen, Ästhetisierung und Verharmlosung geschehen auf verschiedene Weise:

    • Ästhetische Inszenierung des Rausches: Drogenkonsum wird häufig mit bunten Farben, Lichtern und Party-Atmosphäre verknüpft. Der Rausch wird dabei als Ausdruck von Freiheit, Gemeinschaft, Selbstfindung oder als fester Bestandteil der Partykultur dargestellt. Sogar negative körperliche Begleiterscheinungen wie geweitete Pupillen, Zittern, Kontrollverlust oder Erbrechen werden ästhetisch in Szene gesetzt und so romantisiert.
    • Humorvolle und triviale Kontexte: Manche Videos stellen Drogentrips in einem humoristischen oder trivialisierenden Rahmen dar. Der Konsum wird als spaßiges Mittel zum Feiern oder als unbeschwerte Flucht aus dem Alltag präsentiert, was auf Jugendliche faszinierend wirken kann.
    • Nutzung von Trends und Popkultur: User unterlegen ihre Videos mit szenetypischen Sounds, Memes oder Songtexten von Rappern, die Substanzen wie Ketamin als Partydroge feiern.
    • Verwendung von Codes und Verharmlosung durch Sprache: Unter Hashtags wie #PingTok, #TripTok, #SniffTok oder #Emma teilen Nutzer scheinbar beiläufig ihre Erfahrungen. Dabei werden gesundheitsschädliche Substanzen oft mit harmlos wirkenden Emojis codiert, wie etwa ein Einhorn für Ketamin, ein Puzzleteil für LSD oder ein Fliegenpilz für psychoaktive Pilze.
    • Ausblendung von Risiken: In derartigen Inhalten werden Gefahren wie Suchtpotential, psychische Folgen (z.B. Psychosen, Depressionen), körperliche Schäden oder Unfälle selten thematisiert.
    • Normalisierung durch den Algorithmus: Durch die algorithmische Verstärkung entstehen für User sogenannte „Echokammern“, in denen Drogeninhalte ständig präsent sind. Dies erzeugt den Eindruck, Drogenkonsum sei weit verbreitet und gesellschaftlich normal („Das machen doch alle“), was die Hemmschwelle für den Erstkonsum senken kann.

    Gegenmaßnahmen bleiben lückenhaft

    TikTok reagiert auf die Verbreitung von Drogeninhalten, jedoch inkonsistent und teilweise unzureichend, so der Bericht von jugendschutz.net. Im Einzelnen reagiert die Plattform wie folgt:

    • Richtlinien und Meldesystem: Offiziell verbietet TikTok in seinen Richtlinien Inhalte, die den Konsum oder Handel mit illegalen Drogen fördern. Zudem gibt es eine Meldefunktion, über die Nutzer solche Inhalte melden können.
    • Sperrung von Hashtags: Um die Auffindbarkeit von Drogeninhalten einzuschränken, hat TikTok vereinzelt szenetypische Hashtags wie beispielsweise #SpecialK oder #TripTok gesperrt.
    • Löschung von Inhalten: Teilweise wird TikTok erst dann aktiv, wenn offenkundig Drogen zum Verkauf angeboten werden. Dabei kommt es vor, dass lediglich die Kommentare gelöscht werden, die einen Handel einleiten, während das ursprüngliche Video online bleibt. Dies führt dazu, dass die Kommentarspalten oft kurz darauf erneut für den Drogenhandel genutzt werden.
    • Unterschiedliche Reaktionen bei Meldungen: Ein Test von jugendschutz.net zeigte, dass TikTok auf Meldungen jugendgefährdender Inhalte durch normale User nur in 18 Prozent der Fälle reagierte. Allerdings wurden 89 Prozent der Inhalte entfernt, wenn sie offiziell durch jugendschutz.net gemeldet wurden.
    • Probleme bei der Durchsetzung: Die Maßnahmen von TikTok lassen sich leicht umgehen, so der Bericht. Nutzer wandeln Hashtags gezielt ab, um automatische Filter zu vermeiden, und nutzen Zweit- oder Drittaccounts als Backups für den Fall einer Sperrung.

    Da die bisherigen Moderationsmaßnahmen des Anbieters lückenhaft bleiben, fordert jugendschutz.net strengere Altersprüfungen, effektivere Meldesysteme und eine stärkere Sichtbarkeit von Präventionsangeboten. Letztlich unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit eines besseren Jugendschutzes, um Kinder vor gesundheitlichen Risiken in digitalen Räumen zu bewahren.

    Der „Report: #PingTok, #TripTok & Co“ > als PDF zum Download

  • War die Teillegalisierung des Cannabiskonsums richtig?

    War die Teillegalisierung des Cannabiskonsums richtig?

    Cannabisblätter und ein Medizinfläschchen
    Foto: Kimzy Nanney auf Unsplash

    Ein Zwischenbericht der Begleitforschung wird kontrovers diskutiert

    Berlin (2mind) – War die 2024 gesetzlich geregelte Teil-Legalisierung des Cannabiskonsums ein Schritt in die richtige Richtung? Während eine Anfang April vorgelegte wissenschaftliche Studie zu einem tendenziell eher positiven Ergebnis kommt und keinen sprunghaften Konsumanstieg feststellt, fällt die Bewertung durch die Bundesregierung deutlich anders aus. So erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: „Das Cannabisgesetz ist ein vollkommener Rohrkrepierer. Jugendgefährdend und kriminalitätsfördernd.“ Der Schwarzmarkt boome und die Kriminalität steige, so der CSU-Politiker.

    Durch das seit dem 1. April 2024 geltende Konsumcannabisgesetz (KCanG) hatte die Koalition aus SPD, Grünen und FDP den Umgang mit Cannabis für Privatpersonen teilweise legalisiert: Seitdem sind der Besitz der Droge sowie der private Eigenanbau und der gemeinschaftliche Eigenanbau in Anbauvereinigungen in gewissen Grenzen erlaubt. Zudem wurde die Nutzung von Cannabis zu medizinischen Zwecken durch das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) erleichtert.

    Bereits im KCanG wurde die wissenschaftliche Evaluation des Projektes verankert, die vom Verbundforschungsprojekt „Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“ (EKOCAN) noch bis zum April 2028 geleistet wird. EKOCAN legte nun diesen 2. Zwischenbericht vor. Ergebnisse daraus im Einzelnen:

    Die Teillegalisierung hat den Cannabismarkt verändert: Eine besondere Bedeutung besitzt dabei das zu medizinischen Zwecken vertriebene Cannabis. In Deutschland hat sich „der größte prinzipiell legal-kommerzielle Cannabismarkt Europas entwickelt“. Weiter heißt es in der Studie: „Ein Grund für diese Entwicklung sind die mittlerweile zahlreichen Onlineplattformen für Medizinalcannabis, die das verschreibungspflichtige Arzneimittel auch an Freizeitkonsumierende vermarkten.“ Angezogen habe der Eigenanbau von Cannabis, jedoch sei der (illegale) Bezug über soziale Kontakte weiterhin bedeutender. Der gemeinschaftliche Eigenanbau in Anbauvereinigungen habe sein Potenzial bisher nicht entfalten können, so die Studie.

    Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen sei seit der Teillegalisierung stabil oder sogar leicht rückläufig. Nach Studienangaben ist es „bislang nicht zu einem Rückgang der Risikowahrnehmung des Cannabiskonsums unter Jugendlichen gekommen“. Allerdings würden junge Menschen seltener Frühinterventionsprogramme in Anspruch nehmen.

    Seit etwa 15 Jahren verbreite sich der Cannabiskonsum unter Erwachsenen stetig, was sich auch nach der Teillegalisierung fortzusetzen scheine. Einen bedenklichen Trend erkennen die Forschenden für die ambulante Suchthilfe: „Während immer mehr junge Erwachsene Cannabis konsumieren und auch mit entsprechenden Problemen im medizinischen Versorgungssystem diagnostiziert werden, ist die Inanspruchnahme von Beratungsangeboten der ambulanten Suchthilfe durch diese Bevölkerungsgruppe seit einigen Jahren – auch nach der Teillegalisierung – rückläufig.“

    Im Blick auf die cannabisbezogene Kriminalität stellen die Studienautoren fest: Die Zahl der vor Gericht verhandelten konsumnahen Cannabisdelikte sei nach der Teillegalisierung gesunken. Die Studie weiter: „Aufgrund der beschriebenen Entwicklungen auf dem Cannabismarkt ist davon auszugehen, dass es gelungen ist, den Schwarzmarkt partiell zurückzudrängen.“ Ob dies zu einer Schwächung der cannabisbezogenen organisierten Kriminalität geführt habe, lasse sich noch nicht sagen. Es gebe erste Hinweise darauf, dass deren Akteure am legalen Cannabis-Markt zu partizipieren versuchten.

    Der Markt für das sogenannte Medizinalcannabis werde von hochpotenten Produkten (mit einem THC-Gehalt von über 10% oder 15%) beherrscht – trotz des erhöhten Risikos für psychische Probleme. Einschlägige Onlineplattformen brächten verschreibungswillige Ärztinnen und Ärzte, Apotheken und Konsumierende zusammen und richteten sich mit ihren Angeboten gerade auch an Freizeitkonsumierende.

    „Die dargestellten Ergebnisse verdeutlichen, dass einige der vom Gesetzgeber intendierten Effekte des KCanG schon jetzt teilweise eingetreten sind“, so das Fazit der Forschenden. Jedoch seien auch Fehlentwicklungen zu beobachten: Aufgrund der geringen Zahl an Cannabis-Anbauvereinen sollten die Rahmenbedingungen für deren Zulassung überprüft werden. Die Zusammenarbeit der an einer „Frühintervention“ beteiligten Fachdienste könne besser koordiniert werden. Empfohlen wird eine finanzielle Stärkung der Suchtberatungsstellen ebenso wie eine Stärkung der Strafverfolgungsbehörden. „Mit Blick auf die aufgezeigten Fehlentwicklungen auf dem Markt für Medizinalcannabis sollte der Gesetzgeber in Betracht ziehen, den THC-Gehalt frei verschreibbarer Cannabisblüten zu beschränken.“ Weiter solle laut Studienautoren geprüft werden, wie heilmittelwerberechtliche Vorgaben durchgesetzt werden könnten.

    Auf die problematischen Entwicklungen verweist der Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck: „Beim Medizinalcannabis sehen wir erheblichen Missbrauch zu Konsumzwecken. Streeck fordert Gegenmaßnahmen: „Das hat mit Medizin nichts mehr zu tun. Das weiterlaufen zu lassen, wäre fahrlässig.“ Einen beunruhigenden Trend sieht der Bundesdrogenbeauftragte zudem bei der Hilfe für Jugendliche: „Wer wegen Cannabis auffällt, bekommt heute seltener frühzeitig Beratung und Unterstützung als vor Inkrafttreten des Gesetzes.“ Ursächlich sei das Entfallen der Informations-Weiterleitung durch Polizei, Justiz und Jugendgerichtshilfe. Streeck weiter: „Wer nicht früh eingreift, lässt junge Menschen und ihr Umfeld mit dem Problem allein.“

    Am EKOCAN-Verbund sind Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Eberhard-Karl-Universität Tübingen sowie des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) beteiligt.

    Der > Link zum EKOCAN-Zwischenbericht

  • Social Media: Toxische Debatten führen zu Rückzug und Resignation

    Social Media: Toxische Debatten führen zu Rückzug und Resignation

    Grafik: Planet Volumes auf Unsplash+

    Der „Transparenz-Check Digitale Diskursräume“ der Landesmedienanstalten analysiert Online-Debatten unter journalistischen Inhalten.

    Berlin (2mind) – Viele Menschen wünschen sich in sozialen Medien einen respektvollen Austausch, tatsächlich jedoch führen eine aggressive Grundstimmung und toxische Debatten zu kontroversen Themen oft zu Rückzug und Resignation. Das zeigt der aktuelle „Transparenz-Check Digitale Diskursräume“ der Landesmedienanstalten.

    Die Studie verdeutlicht, dass sichtbare Moderation das Sicherheitsgefühl und die Qualität der Gespräche messbar verbessert, wenngleich Redaktionen häufig unter Ressourcenmangel leiden. Plattformen wie Facebook und X werden von den Nutzern als besonders problematisch wahrgenommen, während Instagram als konstruktiver gilt.

    Die Diskursqualität in sozialen Medien wird laut der Studie sehr unterschiedlich wahrgenommen und variiert stark zwischen den einzelnen Plattformen:

    • Instagram: Unter den befragten Experten gilt Instagram als die Plattform, auf der konstruktive Debatten derzeit am ehesten möglich sind.
    • Facebook und Twitter/X: Diese beiden Plattformen werden als besonders problematisch wahrgenommen. Ehemalige Nutzende bewerten sie im Vergleich zu aktuellen Nutzenden als respektloser, künstlicher und unausgewogener.
    • Sonderrolle von Facebook: Trotz der negativen Wahrnehmung bleibt Facebook die Plattform, auf der am häufigsten Kommentare unter journalistischen Beiträgen gelesen und verfasst werden. Gleichzeitig berichten Community-Manager hier von einer zunehmenden Resignation: Aufgrund des als zu toxisch empfundenen Tonfalls findet eine aktive Moderation häufig nicht mehr statt. Besonders bei polarisierenden Themen wie Klimaschutz, Migration oder Kriegen wird ein konstruktiver Austausch auf Plattformen wie Facebook als kaum noch möglich beschrieben.
    • Bot-Aktivität: Interessanterweise zeigen sich bei der tatsächlichen Analyse von Bot-Kommentaren (etwa vier Prozent der untersuchten Kommentare) nur geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Plattformen. Dies steht im Gegensatz zur Wahrnehmung vieler Nutzender, die das Problem oft als wesentlich gravierender einschätzen.

    Insgesamt wird die Debattenkultur auf sozialen Plattformen von vielen als schlecht eingestuft, wobei eine aggressive Stimmung oft dazu führt, dass sich Nutzende nicht an Diskussionen beteiligen.

    Für den „Transparenz-Check Digitale Diskussionsräume“ ließen die Medienanstalten in der 2. Jahreshälfte 2025 Kommentar-Sektionen unter journalistischen Beiträgen auf Facebook, Instagram und YouTube untersuchen sowie Online-Interviews und Tiefeninterviews führen. Für die Bot-Analyse wurden Kommentare unter den Online-Ausgaben von „Bild“, „Spiegel“, „Süddeutscher Zeitung“ und „Die Zeit“ analysiert. Insgesamt wurden 9.418 Kommentare erfasst und davon 6.485 Kommentare für die Studie berücksichtigt.

    Der > „Transparenzcheck Digitale Diskursräume“ als PDF zum Download

  • Neuerscheinung: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027

    Neuerscheinung: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027

    Schwerpunkt der offen lizenzierten Ausgabe ist die „Global Citizenship Education“.

    Bielefeld (2mind) – Das „Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027“ positioniert sich an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und will eine alternative Erzählung zum herrschenden Bedrohungsnarrativ über Migration bieten. Der Schwerpunkt „Global Citizenship Education“ (GCED) wird verstanden als Bildung für ein Weltbürger-Bewusstsein, das über nationalstaatliche Grenzen hinausgeht und eine planetare Verantwortung sowie ein neues Verständnis von Zugehörigkeit und Teilhabe in Migrationsgesellschaften fördert.

    Die einzelnen Kapitel:

    • Hans Karl Peterlini & Jasmin Donlic: „Global Citizenship Education: An alternative narrative on migration – eine andere Erzählung für Migration“
      Die Herausgeber führen in die Thematik ein und erläutern, wie GCED einen Perspektivenwechsel ermöglicht, der Migration als integralen Bestandteil einer gemeinsamen „Heimat-Erde“ begreift. Sie betonen den Anspruch des Jahrbuchs, durch aktuelle und exemplarische Zugänge Impulse für Wissenschaft und Praxis zu geben.
    • Caroline Schmitt: „Global Citizenship Education in Times of Disasters. Communities as Spaces of ›Transformative Literacy‹“
      Der Beitrag untersucht am Beispiel syrischer Freiwilliger im Ahrtal, wie postmigrantische Gemeinschaften durch Solidarität in Krisenzeiten neue Formen globaler Zugehörigkeit schaffen. Geflüchtete werden hierbei als Akteure einer transformativen Bildung sichtbar, die aktiv gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
    • Hans Karl Peterlini: „Bildung für das nackte Leben. Global Citizenship Education als Antwort auf Verrohung und Verhetzung in den westlichen Migrationsgesellschaften“
      Peterlini reflektiert kritisch über die inhumanen Bedingungen an den europäischen Außengrenzen und den erstarkenden Rechtspopulismus. Unter Rückgriff auf Giorgio Agambens Konzept des „nackten Lebens“ zeigt er auf, wie GCED als pädagogische Antwort auf die Entwertung des Menschen dienen kann.
    • Nuzha Allassad Alhuzail: „»I Am an Immigrant, Not a Refugee« Palestinian Migrant Workers, Global Citizenship, and the Politics of Belonging“
      Diese Studie beleuchtet die Erfahrungen palästinensischer Arbeitsmigranten und deren bewusste Abgrenzung vom Flüchtlingsbegriff, um eigene Agency und Würde zu betonen. GCED wird hier als Instrument diskutiert, um das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung dieser Gruppe in Konfliktkontexten zu stärken.
    • Lukas Baumann: „Negative affektive Dynamiken in der Unterbringung von Geflüchteten. Forschungsperspektiven und Anstöße für eine an Fluchtmigration interessierte Global Citizenship Education“
      Baumann analysiert, wie Gefühle wie Ekel und Misstrauen in Unterkünften zur Stabilisierung sozialer Hierarchien und zum „Othering“ beitragen. Er plädiert dafür, diese affektiven Dynamiken in der GCED kritisch zu reflektieren, um koloniale Kontinuitäten zu überwinden.
    • Maria Benedetta Cabitza: „GCED and the Italian Migration Paradox. Bridging Macro, Meso, and Micro Integration Challenges“
      Am Beispiel Italiens werden die Spannungen zwischen restriktiver Politik und lokalen Integrationspraktiken untersucht. Cabitza schlägt GCED als Rahmen vor, um Brücken zwischen Aufnahmegesellschaften und Migrant*innen zu bauen und langfristige Inklusion zu fördern.
    • Irma Eloff: „Vignettes of wellbeing, sustainability and migration. Diversifying the narratives in global citizenship education“
      Die Studie im südafrikanischen Kontext verbindet Wohlbefinden, Nachhaltigkeit und Migration. Mittels Vignettenforschung wird gezeigt, dass internationale Studierende nicht bloß Hilfeempfänger sind, sondern ihre Lebenswege aktiv und gestalterisch im Sinne einer globalen Bürgerschaft prägen.
    • Phillip D. Th. Knobloch: „Indigenous Education und Global Citizenship Education. Decolonial Education Concepts for Migration Societies“
      Knobloch verknüpft dekoloniale Theorien aus Lateinamerika mit indigenen Bildungsgeschichten, etwa der Sámi in Nordeuropa. Er entwickelt daraus Konzepte für eine dekoloniale GCED, die Machtasymmetrien kritisch hinterfragt und indigene Perspektiven in Migrationsgesellschaften würdigt.
    • Daniela Lehner: „Learning from Gloria Anzaldúa. Weaving Pluriversal Perspectives in Global Citizenship Education“
      Basierend auf Anzaldúas Konzept „Nepantla“ (Zwischenraum) plädiert Lehner für pluriversale Pädagogiken in der GCED. Ziel ist es, universelle westliche Sichtweisen zu verlernen, multiple Wissenssysteme anzuerkennen und Bildung als Raum für koexistierende Weltsichten zu gestalten.
    • Meryem Aydogan & Caroline Bossong: „Facing Methodological Nationalism. The significance of multilingualism in qualitative interviews“
      Die Autorinnen diskutieren, wie der bewusste Einbezug von Mehrsprachigkeit in der Forschung helfen kann, den „methodologischen Nationalismus“ zu überwinden. Sie zeigen auf, dass multilingualen Forschungsansätzen eine zentrale Rolle zukommt, um globalere Perspektiven auf GCED zu eröffnen.
    • Rosemarie Schöffmann: „Transformatives Lernen durch GCED als Beitrag zu einer Bildung für alle? Erfahrungen aus einem SüdnachNord-Austausch“
      Dieser Beitrag reflektiert dekoloniale Ansätze am Beispiel eines Austauschprogramms mit Ghana. Es wird gezeigt, wie intersektionale und postkoloniale Perspektiven Räume für transformatives Lernen und ein konviviales Zusammenleben auf Augenhöhe eröffnen können.

    Peterlini, Hans Karl, & Donlic, Jasmin (Hg.). (2026). Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2026/2027: Schwerpunkt »Global Citizenship Education«. Bielefeld: transcript Verlag (CC BY 4.0)