Kategorie: Aktuelles

  • KI: Europas Abhängigkeit von den USA

    KI: Europas Abhängigkeit von den USA

    Schriftzug "Claude"
    Foto: Brecht Corbeel auf Unsplash

    Trump lässt Anthropics fortschrittlichste Modelle für Ausländer sperren.

    Berlin (2mind) – Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zeigte sich am Wochenende, wie abhängig Europa von den USA ist. Die US-Regierung unter Donald Trump wies den KI-Entwickler Anthropic an, seine fortschrittlichen Modelle „Mythos 5“ und „Fable 5“ für Ausländer zu sperren. Daraufhin deaktivierte Anthropic diese Modelle ganz; eine Sperre nur für Ausländer ließ sich kurzfristig nicht sicherstellen.

    „Deutschland und Europa sind beim Zugang zu den stärksten KI-Modellen vom Wohlwollen der US-Regierung abhängig“, kommentierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst den Vorgang. „Dies hat unmittelbar Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit unserer klassischen Industrien und unserer Verwaltungen und beeinträchtigt auch unsere Sicherheit und zum Beispiel die Exzellenz unserer Wissenschaft.“ Deutschland und Europa müssten dringend digital souverän werden.

    Die KI-Modelle „Mythos 5“ und „Fable 5“ von Anthropic kommen im Chatbot Claude zum Einsatz. Sie können Programmieraufgaben übernehmen oder Dokumente analysieren, aber ebenso für die Suche nach Sicherheitslücken in Software-Programmen genutzt werden. Davor hatte Anthropic im Frühjahr selbst gewarnt.

  • #KinderSindKeinContent: KI kann Kinderfotos missbrauchen

    #KinderSindKeinContent: KI kann Kinderfotos missbrauchen

    Vater und Mutter küssen ein Kleinkind
    Foto: J. Carter auf Pexels

    klicksafe und SCHAU HIN! starten heute die Aktionswoche gegen das sorglose Teilen von Kinderfotos im Netz.

    Vom 15. bis 21. Juni 2026 startet die Aktionswoche #KinderSindKeinContent, organisiert von klicksafe und SCHAU HIN!. Ziel der Kampagne ist es, Eltern und andere Bezugspersonen für die Risiken des sogenannten „Sharenting“ zu sensibilisieren – also das Teilen von Kinderfotos in sozialen Medien. Der Begriff setzt sich aus „to share“ (teilen) und „parenting“ (Elternschaft) zusammen und beschreibt das aus dem Wunsch vieler Eltern, schöne Familienmomente mit anderen zu teilen, entstehende Posten von Kinderbildern.

    „Die Aktionswoche #KinderSindKeinContent macht deutlich: Kinder sind keine Reichweitenstrategie und kein Content, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Rechten und haben Anspruch auf Schutz und Respekt“, so Deborah Woldemichael von klicksafe Rheinland-Pfalz.

    Die Kampagne warnt vor den Gefahren, die mit der Veröffentlichung solcher Bilder einhergehen. Durch den Einsatz von KI-Programmen können Kinderfotos missbraucht werden, etwa für Betrug, Erpressung oder die Erstellung sexualisierter Inhalte. Zudem birgt das Internet langfristige Risiken, da Inhalte nur schwer gelöscht werden können.

    Um Eltern zu einem bewussteren Umgang mit Kinderbildern zu ermutigen, bietet klicksafe vielseitige Materialien und Hilfestellungen an. Auf der Landingpage zur Aktionswoche finden Interessierte Aufklärungsvideos, Webinare und praktische Checklisten, die dabei helfen, Risiken besser einzuschätzen. Ergänzend hat klicksafe ein Faltblatt mit einer Checkliste veröffentlicht, das Eltern unterstützt, vor dem Posten von Bildern die Konsequenzen sorgfältig abzuwägen.

    Ein zentrales Element der Woche ist das Webseminar des deutschen Safer Internet Centre am 25. Juni 2026 von 14:00 bis 15:30 Uhr, das Themen der Kampagne vertieft. Zahlreiche Partnerorganisationen ergänzen die Aktionswoche mit eigenen Angeboten und Materialien, um den Schutz von Kindern im Netz weiter zu stärken.

    Die Initiatoren appellieren an Eltern, Kinderbilder nur mit Bedacht zu posten und die Privatsphäre der Jüngsten zu schützen – denn Kinder sind kein Content.

    Die Kampagnen-Website: https://www.klicksafe.de/kindersindkeincontent

    Die Deutsche Telekom erstellte 2023 dieses Video, das für die Gefährden des Sharenting sensibilisieren soll und inzwischen etwa 6 Millionen mal aufrerufen wurde:

  • Kinder brauchen Respekt, Empathie und Toleranz im digitalen Raum

    Kinder brauchen Respekt, Empathie und Toleranz im digitalen Raum

    Foto: Giulia Squillace auf Unsplash+

    Die Erklärung der Bildungsminister zum Umgang mit Social Media im schulischen Bereich setzt auf Medienkompetenz.

    Berlin (2mind) – Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte bestmöglich in medienkompetentem Handeln zu unterstützen und so ein sicheres, respektvolles Miteinander im digitalen Zeitalter zu gewährleisten: Auf dieses Ziel haben sich die Bildungsminister der Länger geeinigt. „Negativen Persönlichkeitsentwicklungen bei Kindern und Jugendlichen und gesundheitsgefährdenden Einflüssen muss ebenso wie demokratiegefährdenden Tendenzen wie Manipulation, Desinformation und Radikalisierung entschieden entgegengetreten werden“, heißt es in einer heute verbreiteten Erklärung der Bildungsministerkonferenz (KMK).

    Laut KMK-Erklärung beträgt die tägliche Bildschirmzeit am Smartphone bei den Zwölf- bis 19-Jähringen durchschnittlich knapp vier Stunden. Die Bildungsminister verweisen auf Studien, nach denen „ein intensiver und wenig regulierter Gebrauch mit erhöhtem sozialen Vergleichsdruck, Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls sowie mit Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und im sozialen Miteinander verbunden sein kann.“

    In dieser Situation müsse die Schule einen Beitrag zum Medienkompetenzerwerb leisten. Das Themenfeld „Social Media“ solle dazu in den Bildungs- und Lehrplänen angemessen berücksichtigt werden. Zudem sollten die Schulen auf Peer-to-Peer-Formate und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zurückgreifen. In der Medienerziehung soll die Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule gestärkt werden.

    Eine besondere Beachtung findet die Werte- und Demokratiebildung. „Werte wie Respekt, Empathie und Toleranz sind auch im digitalen Raum essenziell“, so das KMK-Papier. Hierzu sollen Fortbildungsangebote für Lehrkräfte sowie die Zusammenarbeit mit externen Partnern helfen.

    Die > Erklärung der Bildungsministerkonferenz zum Umgang mit Social Media im schulischen Bereich als PDF zum Download

  • 11,7 Millionen Gefangene weltweit: Überbelegung und psychische Erkrankungen als Herausforderungen

    11,7 Millionen Gefangene weltweit: Überbelegung und psychische Erkrankungen als Herausforderungen

    Frauengefängnis in Brasilien (Foto: Gefährdetenhilfe Scheideweg e.V.)

    In Kriegs- und Krisengebieten leiden Gefangene besonders, was kaum Beachtung findet.

    London (2mind) – An jedem Tag eines Jahres sitzen etwa 11,7 Millionen Menschen weltweit in Gefängnissen, darunter 260.000 Kinder. Das teilt die Organisation „Penal Reform International“ in ihrem nun vorgelegten Bericht „Global Prison Trends 2026“ mit. Gefängnisse operieren nicht in einem Vaccum, so der Bericht. Gerade in den immer zahlreicheren Konfliktgebieten und politisch instabilen Regionen geraten Gefängnisse unter Druck – durch verringerte Budgets, wachsende Gefangenenzahlen und verschlechterte Haftbedingungen. „Gefangene tragen die schwerste Last“, so der englischsprachige Text.

    Das sind wesentliche „Global Prison Trends 2026“:

    1. Die weltweite Gefängnispopulation ist auf 11,7 Millionen gestiegen, was angesichts von Überbelegungen und langer Untersuchungshaftzeiten schwerwiegende Probleme für die Inhaftierten verursacht.
    2. Hohe Inhaftierungsraten, geringe Resozialisierungserfolge und Korruption im Gefängniswesen untergraben vielerorts das öffentliche Vertrauen in den Rechtsstaat.
    3. Nichtregierungsorganisationen (NGO) verstärken weltweit den Fokus auf eine menschenzentrierte Sprache im Strafjustizbereich, um einer entmenschlichenden Sprache entgegenzuwirken. Allerdings bleiben die Fortschritte im Gefängniswesen hinter denen in anderen gesellschaftlichen Bereichen zurück.
    4. Bewaffnete Konflikte beeinträchtigen Justizsysteme und Gefängnisse schwer, Gefangene bleiben gegenüber Gewalt und Missbrauch schutzlos. Dieser Umstand wird häufig übersehen.
    5. Alternativen zu freiheitsentziehenden Sanktionen gewinnen weltweit an Bedeutung, jedoch bleiben ihre Umsetzung und Finanzierung oft unzureichend.
    6. Gesetze kriminalisieren weiterhin benachteiligte Gruppen wie Obdachlose, LGBTQI+-Personen und wirtschaftlich Marginalisierte, was Ungleichheit verstärkt.
    7. Gewalt ist innerhalb von Gefängnissen weit verbreitet und wird durch Überbelegung, organisierte Kriminalität und Instabilität weiter verschärft.
    8. Netzwerke der organisierten Kriminalität nutzen die Schwächen in Gefängnissystemen, um ihre Macht und Aktivitäten auszuweiten.
    9. Obwohl die globale Abschaffung der Todesstrafe Fortschritte macht, steigt die Zahl der Hinrichtungen in Staaten, die daran festhalten.
    10. Die Zahl der lebenslangen Haftstrafen nimmt weltweit zu, während zugleich Forschungsergebnisse die Bedeutung von Hoffnung und der Möglichkeiten zur Entlassung betonen.
    11. Etwa 259.000 Kinder befinden sich weltweit in Haft, wobei marginalisierte Gruppen überproportional betroffen sind.
    12. Die Gesundheitsversorgung in Gefängnissen ist chronisch unterfinanziert, was die Gesundheit von Millionen Menschen gefährdet.
    13. Gefängnisse beherbergen zunehmend Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, doch deren Betreuung und Versorgung bleiben unzureichend.
    14. Drogenkonsum ist in Gefängnissen weit verbreitet, wobei Maßnahmen zur Schadensminderung in vielen Ländern fehlen.
    15. Gefängnissysteme kämpfen weltweit mit Personalmangel, unsicheren Arbeitsbedingungen und der Überlastung ihres Personals.
    16. Resozialisierung und Wiedereingliederung bleiben zentrale Ziele der Gefängnispolitik, doch Barrieren wie die Stigmatisierung von Haftentlassenen oder fehlende finanzielle Ressourcen erschweren ihre Umsetzung.
    17. Der Einsatz moderner Technologien – etwa von Telemedizin oder Künstlicher Intelligenz – in Gefängnissen bietet Chancen, wirft jedoch ethische und menschenrechtliche Fragen auf. Der schnellen Verbreitung dieser Technologien steht eine unzureichende Reflexion der Risiken gegenüber, was Anlass zur Sorge gibt.

    Die NGO Penal Reform International (PRI) wurde 1989 in London gegründet und setzt sich weltweit für eine diskriminierungsfreie Gestaltung der Strafjustizsysteme und den Schutz der Rechte benachteiligter Menschen ein.

    Der Bericht „Global Prison Trends 2026“ (englisch) > als PDF zum Download

  • Teilhabe und Medienkompetenz fördern

    Teilhabe und Medienkompetenz fördern

    Foto: Sherise Van Dyk auf Unsplash

    Der Deutsche Medienrat spricht sich gegen ein pauschales Social-Media-Verbot aus.

    Berlin (2mind) – Der Deutsche Ethikrat spricht sich gegen ein pauschales Zugangsverbot zu Social Media für Kinder und Jugendliche aus. „Maßnahmen sollten vorrangig darauf abzielen, Risiken in digitalen Umgebungen kontrollierbar zu machen, ohne Teilhabe und Befähigung unnötig einzuschränken“, heißt es in der Ad-Hoc-Stellungnahme. Restriktivere Maßnahmen nur bei besonders gravierenden Gefährdungen gerechtfertigt – oder wenn ein ausreichender Schutz anders nicht erreichbar sei.

    Als Alternative zu einem Verbot schlägt der Ethikrat ein dreistufiges, risikobasiertes Modell für den technischen Kinder- und Jugendschutz vor:

    Stufe 1: Eltern sichern den Schutz ihrer Kinder, indem sie deren Alter bei der Smartphone-Konfiguration eingeben.

    Stufe 2: Zusätzliche Alterskontrollen – etwa durch biometrische Verfahren – können einen zusätzlichen Schutz bieten.

    Stufe 3: Für den Zugang zu Inhalten, die Minderjährigen nicht zugänglich gemacht werden dürfen (etwa pornografische Angebote) sollten die Anbieter auf besonders sichere Altersverifikationsverfahren zurückgreifen.

    „Risikobasierte Ansätze ermöglichen in der Regel ein höheres Maß an Teilhabe und fördern die Entwicklung von Medienkompetenz“, heißt es in der Stellungnahme. „Sie stehen damit in einem geringeren Spannungsverhältnis zu Teilhabe und Befähigung als weiteren zentralen Dimensionen des Kindeswohls.“

    Die > Stellungnahme des Deutschen Ethikrates als PDF zum Download

  • Wie sterben obdachlose Menschen?

    Wie sterben obdachlose Menschen?

    Obdachloser Mann vor einem Restaurant (Foto: Achim Halfmann / Orientierungslust)

    Ein würdiges Sterben und Verabschieden gewährleisten für Menschen, die wir nicht retten können

    Köln (2mind) – Lothar, ein langjährig Obdachloser, wurde morgens tot unter seiner blauen Plane entdeckt. Martin starb mit Mitte dreißig in seinem Rollstuhl in einer dunklen Ecke nahe dem Kölner Hauptbahnhof. Der 21-jährige Drogen konsumierende Max starb in einer Notschlafstelle unerwartet an seinem Erbrochenen. In einer Krankenwohnung erlebte die an Krebs erkrankte Ornella ihre letzten Tage.

    Über diese Schicksale berichtet Matthias Schnegg, Pfarrer im Ruhestand, der seit über zwanzig Jahren in einer Kölner Notschlafstelle für obdachlose Drogenabhängige mitarbeitet. „Drogenabhängige Obdachlose schleppen sich mit mir unvorstellbaren offenen Wunden und Abszessen, mit hohem Fieber geplagt, auf die Straße, weil der Suchtdruck sie zwingt – teils trotz Substitution mit Ersatzmedikamenten“, so Schnegg in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Leidfaden“.

    Manche obdachlosen Menschen wollten auf der Straße sterben, so der Geistliche. „Deren Lebensschicksal macht ihnen einen Aufenthalt in geschützten Räumen unmöglich.“ Mit einer Krankenwohnung bietet die Stadt Köln Obdachlosen, die Hilfe annehmen können, einen Schutzraum und elementare Versorgungsmöglichkeiten. Die katholische Pace e Bene-Stiftung finanziert für sterbende Obdachlose Plätze in Hospizeinrichtungen. In der Diskussion seien eine Alten-WG für obdachlose Drogenabhängige sowie die Einrichtung eines Hospizes für Obdachlose.

    Eine Initiative der Obdachlosenseelsorge unterhält ein Gräberfeld für obdachlos Verstorbene. Bei Todesfällen in den Notschlafstellen gibt es Riten der Verabschiedung. „Für uns bekannte Übernachter und Übernachterinnen der Notschlafstelle wird in eigenen Feiern der Toten gedacht“, so Schnegg weiter. Und es gäbe Mitmenschen, die bei den Beisetzungen diesen Verstorbenen die letzte Ehre erweisen.

    Menschen leben und sterben auf der Straße. „Wir können und konnten sie nicht retten. Wir können sie lieben – indem wir sie nicht übersehen, sie in ihrer Würde bewahren helfen, weiter kreativ an Möglichkeiten arbeiten, ein würdiges Sterben und Verabschieden zu gewährleisten“, schreibt Schnegg.

    Matthias Schnegg (2026). Die Straße und der Tod. In: Leidfaden. Heft 2, Juni 2026, S. 71-73

  • Fast jeder begegnet Fake News: Viele sind verunsichert

    Fast jeder begegnet Fake News: Viele sind verunsichert

    Grafik: Alex Shuper für Unsplash+

    Nach einer Bitkom-Studie begegnen 9 von 10 Deutschen falschen oder irreführenden Informationen im Netz.

    Berlin (2mind) – Fake News erreichen Internetnutzer in Form von Nachrichten, Video-Clips, Screenshots und als Weiterleitungen. Dass die Echtheit von Nachrichten grundsätzlich schwer einschätzbar ist, empfinden fast zwei Drittel (63 Prozent). Neun von zehn Deutschen (91 Prozent) sind bereits auf Fake News gestoßen, 41 Prozent stoßen häufig auf Inhalte, bei denen sie unsicher sind, ob diese stimmen. Das zeigt eine repräsentative Befragung des Branchenverbandes Bitkom unter 1.006 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.

    „Desinformationen verzerren den öffentlichen Diskurs, beschädigen unsere Demokratie und verunsichern viele Menschen zutiefst“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. KI-generierte Deepfakes sind 75 Prozent der Befragten ein Begriff. Wahrgenommen werden Deepfakes am häufigsten als Video (87 Prozent) sowie als Bild (73 Prozent), seltener als Audio (25 Prozent). Rohleder weiter: „Mit KI-generierten Deepfakes kommt eine neue Qualität der Täuschung hinzu: Inhalte wirken immer authentischer, obwohl sie es nicht sind. Wir alle müssen in der Lage sein, Inhalte zu checken, Quellen zu prüfen und Falschinformationen zu erkennen.“

    Ein Problem dabei zeigt die Studie. 50 Prozent derjenigen, die Social Media für die Informationsbeschaffung nutzen, sagen: Wer hinter einzelnen Nachrichteninhalten steht, „das ist mir manchmal nicht so richtig klar“.

    Für den Bitkom-Chef sind Desinformation und Deepfakes eine Herausforderung und ein Auftrag. „Wir müssen digitale Kommunikation so gestalten, dass Dialog und Teilhabe möglich bleiben, ohne dass Täuschung und Irreführung um sich greifen“, so Rohleder. Hierzu sei das gemeinsame Handeln von Politik, Plattformen und Gesellschaft gefordert.

  • „Geködert und turboradikalisiert“: Extremisten rekrutieren Jugendliche über Social Media

    „Geködert und turboradikalisiert“: Extremisten rekrutieren Jugendliche über Social Media

    Bunte Menschen in einer Grafik, wobei einer mit einer dunklen Wolke über sich schwarz-weiß wird
    Grafik: Getty Images auf Unsplash+

    Der Verfassungsschutzbericht 2025 für Brandenburg verweist auf das Radikalisierungspotential von Künstlicher Intelligenz.

    Potsdam (2mind) – Extremisten radikalisieren Jugendliche gezielt über Social Media und bilden gewaltbereite junge Netzwerke: Das beschreibt der heute vorgestellte Verfassungsschutzbericht 2025 des Bundeslandes Brandenburg. „Geködert und turboradikalisiert wird die Jugend über soziale Medien von gewaltorientierten Neonationalsozialisten, Islamisten und Linksextremisten“, so Brandenburgs Innenminister Jan Redmann. Der CDU-Minister fordert Zugangsbeschränkungen für Jugendliche zu Social Media und erweiterte Befugnisse für den Verfassungsschutz.

    Im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verzeichnet der Verfassungsschutz deutlich intensivierte Desinformationskampagnen sowie Spionageaktivitäten. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sollten gesellschaftliche Spaltungslinien vertieft werden, so der Verfassungsschutz in einer Pressemitteilung.

    Bei der Bewertung von Social Media-Inhalten rät der Bericht, drei Schritte zu unterscheiden:

    • die Erstellung oder Veränderung von Inhalten
    • das Platzieren (Posten) der Inhalte
    • die Reichweitensteigerung

    „KI kann in allen drei Schritten helfen“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. „Die Wirkung entsteht dabei häufig nicht durch eine einzelne, perfekt gemachte Fälschung, sondern durch Tempo, Menge und der gezielten inhaltlichen Adressierung bestehender gesellschaftlicher Spannungsfelder.“ Die Einflussakteure zielten dabei nicht nur auf Menschen, sondern auch auf die Informationsgrundlagen von KI-Systemen, indem etwa pro-russische Akteure große Mengen an Inhalten ins Netz stellten. „So kann Propaganda indirekt wirken – nicht als klar erkennbare Botschaft, sondern als scheinbar neutrale Zusammenfassung einer KI“, heißt es im Verfassungsschutzbericht. „Diese subtile Manipulation erhöht die Detektionsschwelle und die eindeutige Zuordnung wird erheblich erschwert.“

    Mithilfe von KI könnten Inhalte „schneller hergestellt, leichter angepasst, regional eingefärbt sowie über künstliche Profile glaubwürdig verpackt werden“. Der Bericht fasst zusammen: „KI hat Desinformation nicht erfunden – aber sie ist ihr effizientester Multiplikator“.

    Und Manipulation zeigt Wirkung: Das Gesamtpotential aller Extremisten in Brandenburg sei im Jahr 2025 um 2.035 Personen auf 7.540 Personen gestiegen, so der Bericht. Drei extremistische Phänomenbereiche verzeichneten den höchsten Stand seit ihrer Erfassung durch den Verfassungsschutz: Rechtsextremismus mit 5.890 Personen (+2.240 Personen), Linksextremismus mit 660 Personen (+110 Personen) und Islamismus mit 260 Personen (+35 Personen).

    Der Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2025 > als PDF zum Download

  • Armut und Kürzungen treiben Menschen in die Hände von Populisten

    Armut und Kürzungen treiben Menschen in die Hände von Populisten

    Bettelnder Mensch in einer Großstadt
    Foto: Ev auf Unsplash

    Der Paritätische Gesamtverband fordert in seinem Armutsbericht mehr bezahlbaren Wohnraum.

    Berlin (2mind) – 13,3 Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut, das sind 16,1 Prozent der Bevölkerung. Davon leben 4,6 Millionen Menschen in erheblicher materieller Entbehrung, so der heute vorgestellte Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes. „Wir sehen eine Gesellschaft, die sozial weiter auseinanderdriftet. Menschen spüren das“, so Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Jetzt immer neue Kürzungen zu diskutieren, schürt Angst und Unsicherheit. Das spielt Populisten und Extremisten in die Hände“.

    Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende sowie ältere Menschen sind besonders häufig von Armut betroffen. Zudem bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: So sind in Bayern etwa jede achte Person von Armut betroffen, während in Sachsen-Anhalt mehr als jede fünfte Person und in Bremen mehr als jede vierte Person in Armut lebt.

    Armutsbetroffene seien in besonders hohem Maße durch Wohnkosten belastet, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Neben dem dringend notwendigen Ausbau bezahlbarer und sozial gebundener Wohnungen braucht es insbesondere einen stärkeren Schutz bestehender Mietverhältnisse vor übermäßigen Rendite-Interessen.“

    Der > Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes als PDF zum Download

  • Mission Freedom: „Wir haben einige Veränderungen vorgenommen“

    Mission Freedom: „Wir haben einige Veränderungen vorgenommen“

    Kinderbeine mit Turnschuhen vor einer bunten Wand
    Foto: Aedrian Salazar auf Unsplash

    Der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Haus SeeNest“ wurde die Betriebserlaubnis entzogen, die Trägergesellschaft musste Insolvenz anmelden.

    Hamburg/München (2mind) – „In den letzten Wochen haben wir einige Veränderungen vorgenommen.“ Unter dieser Überschrift berichtete der Hamburger Verein „Mission Freedom“ in seinem Newsletter zu Wochenbeginn über seine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Haus SeeNest“ im Oberallgäu. Dann erfährt der Leser: Der Einrichtung wurde die Betriebsgenehmigung entzogen und die sechs dort untergebrachten Kinder wurden in andere Betreuungssituationen überführt. Die pädagogische Leitung des Hauses wurde freigestellt und die verantwortliche Geschäftsführerin verlässt den Verein.

    Die Inobhutnahme der Kinder erfolgte durch das örtliche Jugendamt. Dessen Aktivitäten gehen auf eine Anzeige ehemaliger und aktueller Mitarbeiter der christlichen Jugendhilfeeinrichtung zurück. Im Vorfeld hatten Auffassungsunterschiede über das Profil der Einrichtung zu Spannungen im Mitarbeiterteam geführt, wie 2mind im Gespräch mit mehreren Mitarbeitenden des Vereins „Mission Freedom“ erfuhr.

    Im März wurde ein Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leiterin erlassen. Mitte April nahm das zuständige Jugendamt die sechs dort untergebrachten Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren aus der Einrichtung heraus und beendete damit deren Tätigkeit. Die zuweisenden Jugendämter hatten zuvor dem Verbleib der Kinder in „Haus SeeNest“ zugestimmt, so die Mitarbeitenden. Gegen das Tätigkeitsverbot hatte die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH, eine 100-prozentige Tochter des Hamburger Vereins Mission Freedom, als Träger der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Beschwerde eingelegt und eine Entscheidung im Eilverfahren beantragt.

    Das Verwaltungsgericht Augsburg entschied gegen diese Beschwerde. Aus dem Beschluss zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) schwerwiegende Vorwürfe gegen das pädagogische Team der Einrichtung: Kinder seien am Boden fixiert worden. Einem Kind sei mehrfach eine scharfe Chilipaste auf die Lippen aufgetragen worden und Kinder hätten sich Waschlappen in den Mund stopfen müssen. Von den Mitarbeitenden werden die Beschreibungen als verzerrt dargestellt. Sie gingen zum Teil auf die mit den Kindern vereinbarte Anwendung sogenannter Trauma-Skills zurück: Dabei geht es um Bewältigungsstrategien, mit denen traumatisierte Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen ihren Körper erleben und ins Hier und Jetzt zurückgeholt werden sollen.

    Seit Mai ermittelt die Staatsanwaltschaft Kempten wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

    Das 2023 eröffnete „Haus SeeNest“ sollte bis zu zehn Kindern mit frühkindlichen Traumatisierungen einen geschützten Alltag sowie eine traumatherapeutische Begleitung bieten. Mission Freedom als Gesellschafter und Kapitalgeber der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung wurde 2011 von der Predigerin und Buchautorin Gaby Wentland gegründet, die ihn bis heute leitet. Der Verein setzt sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution ein, bietet betroffenen Frauen Ausstiegshilfen an und wird von Kritikern – auch unter Verweis auf Äußerungen der Gründerin Wentland -als christlich-fundamentalistisch eingeordnet. Mission Freedom ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Lebenshilfen (ACL) und im Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“.

    Seit ihrer Eröffnung war die Einrichtung im Oberallgäu mit Kritik konfrontiert. So heißt es etwa in einer Anfrage der Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel (Bündnis 90/Die Grünen) an die bayerische Staatsregierung aus dem April 2024 über Mission Freedom: „Den Helfern wird unterstellt, fundamentalistische Christen zu sein.“

    Die Schließung der Einrichtung hat für die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH schwerwiegende Auswirkungen: Sie musste einen Insolvenzantrag stellen; das Amtsgericht Hamburg setzte im Mai eine vorläufige Insolvenzverwalterin ein (Az. 67c IN 195/26). Darüber berichtet der Newsletter von Mission Freedom nicht.