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  • Resozialisierung neu denken

    Resozialisierung neu denken

    Sozialraumorientierte Perspektiven zur Überwindung von Drehtüreffekten in der Straffälligenhilfe

    Hanna Nicholson, Prof. Dr. Marcel Pietsch, Prof. Dr. André Heinz
    https://doi.org/10.60049/phi45h4y

    Ob Resozialisierung gelingt, entscheidet sich maßgeblich im Sozialraum. Der Beitrag argumentiert für einen Perspektivwechsel von der institutionellen Vollzugslogik hin zu sozialraumorientierten Unterstützungsstrukturen. Am Beispiel des RESCALED-Ansatzes wird aufgezeigt, welche Handlungsperspektiven sich daraus für die Soziale Arbeit und eine nachhaltige Straffälligenhilfe ergeben.

    Inhalt

    1. Ausgangspunkt: Wie kann Resozialisierung gelingen?
    2. Resozialisierung im Spannungsfeld von individuellen Lebenslagen, Medien und Gesellschaft
    3. Gegenwärtige sozialprofessionelle Resozialisierungsstrategien
    4. Neue Perspektiven und Handlungsansätze: detention houses als Weg zurück in die Gemeinschaft?
    5. Resümee: Neue Chancen einer gemeinschaftlichen Resozialisierung
    6. Literaturverzeichnis

    Zusammenfassung

    Resozialisierung wird in diesem Beitrag aus der Perspektive Sozialer Arbeit als gesamtgesellschaftliche Verantwortung betrachtet und mit strukturellen Herausforderungen in Beziehung gesetzt, die Drehtüreffekte im Strafvollzug begünstigen können. Im Mittelpunkt stehen Zielgruppen, für die lebenswelt‑ und sozialraumorientierte Ansätze – etwa im Jugendstrafvollzug oder bei komplexen sozialen Problemlagen – besondere Relevanz besitzen. Exemplarisch wird hierzu das RESCALED-Konzept der detention houses vorgestellt und hinsichtlich seiner Potenziale für Teilhabe, individuelle Förderung und Rückfallprävention diskutiert. Der Beitrag zeigt, dass Soziale Arbeit und andere beteiligte Akteur:innen Resozialisierung nicht allein als individuelle Unterstützung, sondern als sozialräumlich vernetzten und interdisziplinären Prozess gestalten können. Sozialraumorientierte Strategien eröffnen damit neue Perspektiven für eine nachhaltigere Straffälligenhilfe und die Weiterentwicklung professioneller Sozialer Arbeit.

    1 Ausgangspunkt: Wie kann Resozialisierung gelingen?

    Die Realität des Strafvollzugs ist weiterhin stark von sicherheitsorientierten Strukturen geprägt, welche die Umsetzung individuell zugeschnittener Hilfen erschweren und Ausgrenzungsprozesse verstärken. Eine Inhaftierung entzieht Menschen nicht nur ihre Freiheit, sondern auch soziale Rollen, materielle Ressourcen, berufliche Perspektiven und bedeutungsvolle Beziehungen. Gleichzeitig sind Adressat:innen der Resozialisierung überdurchschnittlich häufig mit multiplen Problemlagen wie sozialer Benachteiligung, Armut, geringeren Bildungschancen, instabilen sozialen Netzwerken oder gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert, die meist bereits vor der ersten Straftat bestehen und sich in Folge von freiheitsentziehenden Maßnahmen eher verstärken als auflösen (Cornel, 2021, S. 25; Kawamura-Reindl, 2022, S. 163, 170). Hinzu kommen gesellschaftliche Diskurse, die die Akzeptanz resozialisierender Maßnahmen beeinflussen. Ein von Teilen der Politik und Medien geförderter Strafpopulismus erschwert differenzierte Sichtweisen auf Kriminalität und fördert Forderungen nach Härte, Abschreckung und „Wegsperren“ (Stehr, 2021, S. 636). Der moralisch aufgeladene öffentliche Diskurs verschiebt damit die kriminalpolitische Debatte weg von empirischen Erkenntnissen und hin zu emotionsgeleiteten Vorstellungen von vermeintlicher Sicherheit und Gerechtigkeit (Haas, 2020, S. 274). Der Fokus kann daher häufig stärker auf Symbolpolitik als auf wirksamen Maßnahmen zur Verhinderung erneuter Straftaten liegen.

    Dabei zeigen empirische Erkenntnisse aus der Rückfallforschung deutlich, dass Inhaftierung allein eher selten zu nachhaltiger Legalbewährung führt. Rund ein Drittel der Inhaftierten ist bereits wiederholt im Vollzug gewesen, viele mehrfach (Statista, 2025). Dabei treten Rückfälle insbesondere in den ersten Jahren nach der Entlassung auf. Im Gegensatz dazu zeigen alternative Sanktionen bzw. ambulante Maßnahmen wie der offene Vollzug oder die Bewährungshilfe deutlich höhere Gelingenschancen. Schüttler et al. (2023, S. 104) zeigen in ihrer Studie, dass die Rückfallquote im offenen Vollzug deutlich geringer ist als im geschlossenen Vollzug. Auch Jehle et al. (2020) verdeutlichen den Nutzen lebensweltlicher Ansätze: Wer in stabilen sozialen Kontexten verbleibt, alltägliche Kompetenzen beibehält und Zugang zu sozialen Unterstützungsstrukturen hat, weist ein wesentlich geringeres Rückfallrisiko auf. Dies verweist auf die Bedeutsamkeit, Resozialisierung umfassender zu denken und als Zusammenspiel individueller Ressourcen, struktureller Rahmenbedingungen, involvierter Sozialräume und gesellschaftlicher Akzeptanz zu verstehen. Erfolgreiche Resozialisierung kann besser gelingen, wenn die verschiedenen beteiligten Systeme – von der Justiz über die Soziale Arbeit bis hin zur Zivilgesellschaft – abgestimmt und interdisziplinär zusammenwirken. Die Überwindung von Drehtüreffekten verlangt demnach strukturelle Innovationen, die über klassische Vollzugslogiken hinausgehen und sozialraumorientierte Perspektiven stärker berücksichtigen.

    Aus sozialarbeiterischer Perspektive bietet die Sozialraumorientierung hierfür einen geeigneten theoretischen Bezugsrahmen. Sozialraum ist dabei nicht als bloßer geografischer Ort zu verstehen, sondern als sozial hervorgebrachtes Geflecht aus Beziehungen, Institutionen und alltäglichen Praktiken (Kessl & Reutlinger, 2022). Resozialisierung vollzieht sich entsprechend nicht ausschließlich innerhalb des Strafvollzugs, sondern vor allem in den Sozialräumen, in denen Menschen wohnen, arbeiten, soziale Beziehungen gestalten und gesellschaftliche Teilhabe erfahren. Eine nachhaltige Reintegration erfordert daher nicht nur individuelle Unterstützung, sondern auch die Einbindung und Aktivierung sozialräumlicher Ressourcen und Netzwerke. Der Beitrag fokussiert dabei insbesondere jene Bereiche der Straffälligenhilfe, in denen sozialraumorientierte und lebensweltbezogene Resozialisierungsansätze besondere Relevanz entfalten, wie im Jugendstrafvollzug und unter komplexen sozialen Problemlagen. Schwerere Formen organisierter oder hochgradig gewaltförmiger Kriminalität können demgegenüber zusätzliche differenzierte Betrachtungen einfordern.

    2 Resozialisierung im Spannungsfeld von individuellen Lebenslagen, Medien und Gesellschaft

    Viele straffällig gewordene Menschen befinden sich bereits vor ihrer Straftat in komplexen und instabilen Lebensverhältnissen. Die Forschung zeigt, dass soziale Benachteiligungen, Bildungsabbrüche, gesundheitliche Einschränkungen, psychische Erkrankungen oder Erfahrungen häuslicher Gewalt und Vernachlässigung wichtige Risikofaktoren darstellen, die zu delinquenzbegünstigenden Lebenslagen beitragen können (Kawamura-Reindl, 2022). Diese Problemlagen setzen sich häufig in der Haft fort und verschärfen sich aufgrund der strukturellen Bedingungen des Vollzugs. Lebenslagen verschlechtern sich in der Haft nicht nur durch Freiheitsentzug, sondern auch durch die Reduzierung alltäglicher Handlungsspielräume. Trapp (2023) beschreibt, wie Menschen in Haft grundlegende Kompetenzen und Routinen wie Alltagsorganisation, Konfliktbewältigung, Eigenverantwortlichkeit oder Finanzführung verlieren können, die für ein selbstbestimmtes Leben außerhalb der Justizvollzugsanstalt (JVA) notwendig sind. Hinzu kommen psychische Belastungen des Vollzugs wie Isolation, monotone Tagesstrukturen, fehlende Perspektiven und das Erleben institutioneller Fremdbestimmung, welche nicht selten zu mentalen Krisen führen.

    Der hohe Anteil von schädlichem Substanzkonsum in Haft verschärft diese Situation zusätzlich. Substanzen sind nach Stöver (2023) in vielen JVA leicht verfügbar und werden teilweise auch als Kompensation oder Selbstbehandlung der psychischen Belastungen im Vollzug genutzt. Gleichzeitig sind Zugänge zu spezialisierten Suchthilfen oft begrenzt, sodass bestehende Problemlagen fortbestehen oder sich weiter verfestigen und damit schließlich das Rückfallrisiko erhöhen. Nach der Entlassung sehen sich viele Betroffene darüber hinaus mit erheblichen strukturellen Hürden konfrontiert. Wohnungsnot ist dabei eines der dringendsten Probleme. Laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB, 2025a) sind Haft und Mietschulden zentrale Faktoren für Wohnungslosigkeit. Wer keinen Wohnraum findet, läuft Gefahr, in instabile soziale Kontexte abzurutschen und/oder erneut deviante Bewältigungsstrategien zu nutzen. Die Wohnungssituation wird zusätzlich durch steigende Mietpreise und sinkenden Sozialwohnungsbestand erschwert (BMWSB, 2025b). Menschen mit Vorstrafen stehen auf dem Wohnungsmarkt unter besonderem Druck, da Stigmatisierungen und Vorbehalte der Vermieter:innen die Wohnungssuche weiter erschweren.

    Auch die mediale Aufbereitung des Sachverhalts ist mitentscheidend. Gerbners Kultivierungsthese verdeutlicht, wie verzerrte oder einseitige Darstellungen von Kriminalität in Serien, Nachrichten oder sozialen Medien langfristig das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinflussen können (Meltzer, 2019). Besonders problematisch ist die selektive Darstellung bestimmter Gruppen als besonders kriminell. Hestermann (2025) zeigt, dass z.B. Migrant:innen in Kriminalitätsberichten deutlich überrepräsentiert sind und die Medienwirklichkeit in diesem Fall nicht der statistisch messbaren Wirklichkeit entspricht. Wenn die Bevölkerung Kriminalität als diffuse Bedrohung wahrnimmt, kann sich die Bereitschaft verringern, resozialisierende Maßnahmen zu unterstützen. Derartige Verzerrungen führen daher zu moralischen Paniken und einer viktimistischen Politik, die „mit einer [als Opferschutz propagandierten] Ausweitung von Punitivität“ einher geht (Stehr, 2021, S. 625, 630), was die Resozialisierungschancen erheblich senkt.

    Die skizzierten Problemlagen verdeutlichen, dass Rückfallrisiken nicht allein aus individuellem Fehlverhalten resultieren, sondern wesentlich durch soziale Benachteiligung, institutionelle Haftfolgen sowie gesellschaftliche Deutungsmuster mitgeprägt werden. Resozialisierung muss daher über eine rein sicherheitsorientierte Perspektive hinausgehen und jene strukturellen Bedingungen adressieren, die soziale Reintegration erschweren. Vor diesem Hintergrund stellt sich im Folgenden die Frage, wie gegenwärtige sozialprofessionelle Strategien auf diese komplexen Herausforderungen reagieren und welche weiterführenden Ansätze erforderlich erscheinen.

    3 Gegenwärtige sozialprofessionelle Resozialisierungsstrategien

    Soziale Arbeit spielt in der Resozialisierung eine zentrale Rolle. Im Strafvollzug hat sie den Auftrag, Gefangene unter den Bedingungen der totalen Institution zu unterstützen und ihnen im Haftkontext Orientierung zu geben. Dabei steht der gesetzliche Auftrag zur „Hilfe zur Selbsthilfe“ (§ 71 StVollzG) im Mittelpunkt. Die Umsetzung dieser Aufgabe erfolgt jedoch in einem Spannungsfeld zwischen Fürsorge, Kontrolle und institutionellen Anforderungen.

    Während sich die Arbeit im Vollzug auf Beratung, Krisenintervention, Vorbereitung der Entlassung, Unterstützung im Umgang mit Behörden sowie Vermittlung in externe Hilfen während der Haftzeit im Rahmen der institutionellen sicherheitsorientierten Logiken konzentriert, bietet die Bewährungshilfe mehr Möglichkeiten, an individuellen Problemlagen anzusetzen. Auch wenn die Überwachungskomponente gesetzlich festgeschrieben ist, liegt ein Schwerpunkt auf Beratung, Unterstützung und Stabilisierung. Die Forschung zeigt, dass funktionierende Arbeitsbeziehungen zwischen Fachkraft und Klient:in einen signifikanten Einfluss auf die Legalbewährung haben können (Jehle et al., 2020). Gleichzeitig bleibt auch die Bewährungshilfe aufgrund gesetzlicher Grenzen zeitlich befristet.

    Eine besonders wichtige Rolle kommt der freien Straffälligenhilfe aufgrund ihrer Freiwilligkeit, Langfristigkeit und Multiprofessionalität zu. Über die Hilfen nach §§ 67–69 SGB XII können Betroffene in den zentralen Problembereichen Wohnen, Schulden, Sucht, Arbeit, Gesundheit und soziale Einbindung unterstützt werden. Die Arbeit erfolgt ressourcenorientiert und lebensweltbezogen. Kawamura-Reindl (2023, S. 245) betont die Bedeutung stabiler, konstanter Beziehungen zur Fachkraft, die Vertrauen aufbauen und Orientierung geben kann. Solche Beziehungen entscheiden oftmals mit, inwieweit Menschen nach der Haft notwendige Hilfen annehmen und diese erfolgreich sein können. Theoretisch kann hier der Lebensbewältigungsansatz nach Böhnisch (2023) als Referenz dienen. Delinquentes Verhalten wird darin nicht als moralisches Versagen, sondern als Bewältigungsversuch in kritischen, aussichtslosen Lebenslagen verstanden. Resozialisierung bedeutet in diesem Verständnis, gemeinsam alternative Bewältigungsstrategien im Sinne funktionaler Äquivalente zu entwickeln, Handlungsspielräume zu erweitern und Zugang zu gesellschaftlichen Teilhaberessourcen zu schaffen. Problematisch bleibt allerdings, dass freiheitsentziehende Maßnahmen den Großteil der finanziellen Mittel im Justizsystem binden (Kawamura-Reindl, 2022). Dadurch entsteht ein Missverhältnis zwischen der nachgezeichneten Wirksamkeit resozialisierender Maßnahmen und ihrer tatsächlichen Förderung.

    4 Neue Perspektiven und Handlungsansätze: detention houses als Weg zurück in die Gemeinschaft?

    Soziale Arbeit kann und soll mit ihren vielfältigen methodischen Zugängen auf Unterstützungsbedarfe der Klientel reagieren und deren Resozialisierung begleiten. Gleichzeitig wurde bereits betont, dass dieser komplexe Prozess nicht im Alleingang oder in abgeschlossenen Systemen bewältigt werden kann, sondern eine Einbindung in soziale Beziehungen und Netzwerke bedarf. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen finden sich im Rahmen gemeinwesen‑ und sozialraumorientierter Ansätze bedeutende Potenziale zur Verbesserung von Resozialisierungsprozessen. In sozialraumorientierten Modellen verschiebt sich das Handeln Sozialer Arbeit von oftmals institutionsgebundener, einzelfallorientierter Hilfe hin zu einer systemübergreifenden Koordinations-, Transformations‑ und Brückenfunktion (Noack, 2025; Rund, 2025, S. 407–409). Sozialraum wird hier gemäß der Definition von Kessl und Reutlinger (2022, S. 7) als „ständig (re-)produziertes Gewebe sozialer Praktiken“ verstanden. Aus dieser Perspektive wird Resozialisierung nicht primär als institutioneller Vollzugsprozess verstanden, sondern als sozialräumlich eingebetteter Prozess, der auf soziale Beziehungen, lokale Ressourcen und gesellschaftliche Teilhabe angewiesen ist. Der Nutzen dieser Maßnahmen für das gesellschaftliche Allgemeinwohl kann essenziell sein: Eine gelungene Resozialisierung bindet Straffällige wieder in normative Lebenszusammenhänge ein, ermöglicht soziale Aneignungs‑ und Selbstwirksamkeitsprozesse und kann dadurch erneutes abweichendes Verhalten verhindern. Gleichzeitig liegt eine nachhaltige Resozialisierung im gemeinschaftlichen Interesse, sobald erkannt wird, dass die Inhaftierten von heute die Nachbar:innen von morgen sind (Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg, 2020, S. 5). Dies könnte zu einer geöffneten, sachlichen Haltung gegenüber Straffälligen führen, das Sicherheitsgefühl steigern, den stigmatisierenden sozialen Status Straftäter:in überwinden und den kriminalpolitischen Diskurs hin zu einem partizipativen und differenzierten Umgang mit Straffälligkeit lenken. Eine erfolgreiche Resozialisierung muss daher an den Orten stattfinden, an denen Menschen leben, arbeiten und soziale Beziehungen aufbauen.

    Die zuvor dargestellten sozialraumorientierten Überlegungen lassen sich exemplarisch am Konzept der detention houses des Netzwerks RESCALED illustrieren. Dieses wurde 2019 in Belgien gegründet und ist nach eigenen Angaben aktuell in 20 europäischen Ländern aktiv (RESCALED, 2024a). Die Gestaltungskategorien small-scale, differentiation und community integration bilden das Fundament, womit der Ansatz der detention houses eine grundlegende Veränderung traditioneller Vollzugsstrukturen in Aussicht stellt: Anstatt straffällige Menschen in großen, isolierten, gesicherten JVA unterzubringen, plädiert RESCALED für kleine, spezialisierte und sozialraumverankerte Einrichtungen. Diese Häuser sollen die Distanz zwischen Institution und Gesellschaft verringern, indem sie die Inhaftierten in die lokalen Strukturen integrieren, soziale Planungs‑ und Bildungsräume gestalten und gesellschaftliche Teilhabe und Beziehungsarbeit ermöglichen. Die resozialisierende Arbeit soll demnach über die Grenzen der Einrichtung hinaus ausgerichtet und an umgebende Infrastrukturen angebunden werden.

    Jugendstrafvollzug in freien Formen: Seehaus Leonberg (RESCALED, 2024b)

    In Deutschland bestehen beispielsweise in Leipzig und Leonberg zwei sogenannte Seehäuser für den Jugendstrafvollzug in freien Formen, wie Abb. 1 zeigt. Straffällige sollen in den detention houses individuelle Unterstützung erhalten und inmitten eines sozialen Wohnkontexts resozialisiert werden. Außerdem sollen stärkere Zugehörigkeits‑ und Gemeinschaftsgefühle ermöglicht werden, wodurch Lebensqualität und soziale Interaktionen sowie letztendlich die Resozialisierungschancen der Inhaftierten im Vergleich zur JVA verbessert werden können. Der kleinere Rahmen kann Straffälligen ermöglichen, Verantwortung für alltägliche Aufgaben zu übernehmen, Beziehungen aufzubauen und einen gelingenden Umgang mit Konflikten zu erlernen, die durch das geöffnete Zusammenleben entstehen können (RESCALED, 2024a). Da sich die detention houses je nach inhaltlichem Gestaltungsschwerpunkt voneinander unterscheiden, können Straffällige in den je nach Sicherheitslevel, Geschlecht, Problemlagen, Zielen und Angeboten für sie passenden Häusern untergebracht werden. Exemplarisch zeigt Abb. 2 ein Small-Scale‑ und High-Security-Haus für männliche Personen im Zentrum der norwegischen Stadt Ålesund. Dieses weist zwar verschlossene Zugänge, jedoch keine Gefängnismauern auf.

    High-Security-Haus in Ålesund, Norwegen (Antonsen & Wahl Sandvold 2022, S. 8)

    Interessant erscheint, dass sich insbesondere Bewohner:innen von Low-Security-Häusern in einem festgelegten Rahmen auch außerhalb der Einrichtungen bewegen und kommunale Hilfeangebote in Anspruch nehmen können, die ihnen auch nach der Inhaftierung eine durchlässige Unterstützung ermöglichen. RESCALED (2024a) begründet das Konzept damit, dass es für Straffällige schwer sein kann, (wieder) einen Platz in der Gesellschaft zu finden und Schäden wiedergutzumachen, wenn sie durch eine Freiheitsstrafe aus der sozialen Gemeinschaft herausgelöst werden und damit ihre Verbindungen zur Gesellschaft abbrechen können. Im alternativ angebotenen Rahmen können sich Straffällige in die Gemeinschaft einbringen und durch die Straftat hinterlassene materielle oder immaterielle Schädigungen im Idealfall wiedergutmachen. Die Aktivierung lebensweltlich verankerter Ressourcen folgt dem sozialarbeiterischen Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe und zielt auf das Empowerment der Klient:innen ab (Noack, 2025, S. 149–154; Omlor, 2023, S. 18). Soziale Arbeit übernimmt dabei eine wichtige koordinierende und vermittelnde Funktion zwischen Institution, Individuum und Sozialraum. Diese ist wiederum eingebettet in eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die insbesondere staatliche Institutionen, zivilgesellschaftliche Akteur:innen und lokale Gemeinschaften einschließt. Eine Resozialisierung in detention houses wie nach RESCALED könnte dazu beitragen, auf die erwähnten Problemlagen differenziert zu reagieren. Das lebensweltorientierte Vorgehen bietet die Möglichkeit, bestehende Beziehungen im Alltag der Betroffenen aufrechtzuerhalten, individuelle Ressourcen zu aktivieren und Kontinuität im Hilfeprozess zu sichern.

    Mit sozialraumorientierten Resozialisierungsansätzen wie detention houses kann sich zugleich das Verständnis professioneller Sozialer Arbeit zu weiten Teilen verändern. Resozialisierung erscheint dabei nicht länger primär als institutionell begrenzte Unterstützungsleistung innerhalb des Vollzugs, sondern als sozialräumlich integrierter und gesellschaftlich mitverantworteter Prozess, der auf Kontinuität, Teilhabe und stabile Beziehungsstrukturen angewiesen ist. Soziale Arbeit übernimmt in diesem Zusammenhang nicht nur die Begleitung individueller Resozialisierungsverläufe, sondern verstärkt eine koordinierende, vernetzende und gesellschaftlich vermittelnde Funktion zwischen Justiz, Sozialraum, Zivilgesellschaft und den Adressat:innen selbst. Der sozialraumorientierte Ansatz verlangt daher keine Reduktion, sondern vielmehr eine Professionalisierung und Ausweitung Sozialer Arbeit: Sie koordiniert multiprofessionelle Netzwerke, aktiviert lokale Ressourcen und verbindet individuelle Lebensbewältigung mit gesellschaftlicher Verantwortung (Kessl & Reutlinger, 2025; Noack, 2025).

    Aus einer kritischen Perspektive lassen sich nichtsdestotrotz Grenzen sozialraumorientierter Resozialisierungsansätze ableiten. So stellen diese keinen universellen, beliebig anwendbaren Lösungsansatz dar. Ihre Umsetzung setzt geeignete sozialräumliche Ressourcen, funktionierende kommunale Netzwerke sowie eine differenzierte Risiko‑ und Sicherheitsbewertung voraus. Insbesondere bei organisierter Kriminalität, hochgradiger Gewaltkriminalität oder instabilen lokalen Unterstützungsstrukturen können zusätzliche Schutzmaßnahmen und andere Handlungsformen erforderlich sein. Sozialraumorientierung ersetzt deshalb keine Sicherheitslogiken, sondern ergänzt diese um lebenswelt‑ und teilhabeorientierte Perspektiven. Auch die Übertragbarkeit internationaler Modelle ist kritisch zu prüfen, da Strafvollzugssysteme, sozialstaatliche Rahmenbedingungen sowie kommunale Unterstützungsstrukturen deutliche Unterschiede aufweisen können. RESCALED ist daher nicht als unmittelbar übertragbares Modell, sondern als Impuls für die Weiterentwicklung sozialraumorientierter Resozialisierungsstrategien im jeweiligen lokalen Kontext zu verstehen.

    Insgesamt verdeutlichen die exemplarischen Darstellungen, dass sozialraumorientierte Ansätze als konzeptionelle Alternative zur klassischen Vollzugslogik diskutiert werden und Potenziale für einen differenzierteren sozialprofessionellen Umgang mit Straffälligkeit eröffnen können. Ihre Übertragbarkeit ist jedoch von rechtlichen, institutionellen und regionalen Rahmenbedingungen abhängig. Insbesondere die sozialräumliche Einbindung und die Orientierung an alltagsnahen Unterstützungsstrukturen ermöglichen durchlässigere Übergänge zwischen Haft, Nachsorge und gesellschaftlicher Reintegration. Setzt Soziale Arbeit dabei verstärkt auf gesellschaftliche Sensibilisierung, politische Advocacy-Arbeit und interdisziplinäre Kooperation, können Veränderungen auf struktureller, institutioneller und individueller Ebene angestoßen werden. Sozialraumintegrierte Resozialisierung könnte so langfristig zu einem flächendeckenderen Netzwerk an Unterstützungs‑ und Teilhabestrukturen beitragen, das kontinuierliche Entlassungsvorbereitung, nachsorgende Begleitung und soziale Integration erleichtert. Sozialraumorientierte Ansätze können günstige Voraussetzungen für nachhaltige Resozialisierungsprozesse schaffen, indem sie soziale Teilhabe, stabile Beziehungsstrukturen und lokale Unterstützungsressourcen stärken. Ihr Potenzial entfaltet sich jedoch primär im Zusammenspiel geeigneter institutioneller, sozialräumlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen (Hosser & Greve, 2022, S. 109; Noack, 2025; Rund, 2025, S. 407 ff.). Sie sind dabei nicht als universell übertragbare Schablone zu verstehen, sondern als theoretisch fundierte Perspektive zur Weiterentwicklung bestehender Resozialisierungsstrategien.

    5 Resümee: Neue Chancen einer gemeinschaftlichen Resozialisierung

    Für eine durchdachte Zukunftsgestaltung bleibt die Frage zentral, wie Resozialisierung als gesamtgesellschaftliche Verantwortung gelebt werden kann, um Drehtüreffekte zu vermeiden. Der Beitrag zeigt, dass Problemlagen komplex sind, einige Potenziale bislang ungenutzt bleiben und punitive Maßnahmen kaum nachhaltige Erfolge mit sich bringen. Darüber hinaus wird deutlich, dass Resozialisierung eng mit bestehenden sozialen Problemlagen und deren Verschärfungen im Haftkontext verknüpft ist. Sie unterstreichen die Notwendigkeit gesamtgesellschaftlich ausgerichteter, sozialraumorientierter Ansätze, um Rückfallrisiken nachhaltig zu reduzieren.

    Gleichzeitig finden sich lebenswelt‑ und sozialraumorientierte Ansätze, die durch individuelle Unterstützung, gesellschaftliche Akzeptanzförderung und Abbau von Stigmatisierung zu einer erfolgreicheren Resozialisierung beitragen können. Entscheidend ist dabei, Resozialisierung als gemeinschaftliche Verantwortung zu begreifen, bei der Institutionen, Straffällige, Gesellschaft, Politik sowie vernetzte Sozialraumstrukturen mit Hilfe der Sozialen Arbeit koordiniert zusammenwirken. Modelle wie jene von RESCALED können zukunftsweisende Perspektiven mit kleinen, sozialraumintegrierten detention houses anbieten, die individuelle Förderung und Teilhabe stärken. Weitere Forschung und die Entwicklung interdisziplinärer, sozialraumorientierter Methodenansätze bleiben zentral, um sowohl die Lebensbewältigung Inhaftierter zu unterstützen als auch langfristig ein gesundes gemeinschaftliches Zusammenleben zu fördern.

    6 Literaturverzeichnis

    Antonsen, K. & Wahl Sandvold, F. (2022). Punishment that makes a difference? RESCALED principles practiced in existing Norwegian prisons. https://www.rescaled.org/2022/09/12/punishment-that-makes-a-difference/

    Böhnisch, L. (2023). Lebensbewältigung: Ein Konzept für die Soziale Arbeit (3. Aufl.). Beltz Juventa.

    Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. (2025a). Wohnungslosenbericht 2024 der Bundesregierung: Ausmaß und Struktur von Wohnungslosigkeit. https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/​downloads/DE/veroeffentlichungen/​wohnen/​wohnungslosenbericht-2024.pdf

    Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. (2025b). Bestand an Sozialmietwohnungen in Deutschland in den Jahren von 2006 bis 2024. https://de.statista.com/statistik/​daten/​studie/​892789/​umfrage/​sozialwohnungen-in-deutschland/

    Cornel, H. (2021). Resozialisierung durch Soziale Arbeit: Ein Lehrbuch für Studium und Praxis. Kohlhammer Verlag. https://doi.org/10.17433/​978-3-17-036045-7

    Haas, M. (2020). Resozialisierung – Medien‑ und Öffentlichkeitsarbeit. In B. Maelicke & C. Wein (Hrsg.), Resozialisierung und Systemischer Wandel (S. 269–295). Nomos.

    Hestermann, T. (2025). Gewalt und Hass in den Medien. In Gina Rosa Wollinger (Hrsg.), Prävention und gesellschaftlicher Frieden: Expertisen zum 30. Deutschen Präventionstag (S. 113–156). DPT Verlag.

    Hosser, D. & Greve, W. (2022). Haftfolgen: Ausgrenzung und Stigmatisierung nach der Entlassung. In W. Wirth (Hrsg.), Steuerung und Erfolgskontrolle im Strafvollzug: Zur evidenzbasierten Gestaltung freiheitsentziehender Sanktionen (S. 97–115). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-35620-0_4

    Jehle, J.‑M., Albrecht, H.‑J., Hohmann-Fricke, S. & Tetal, C. (2020). Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen: Eine bundesweite Rückfalluntersuchung 2013 bis 2016 und 2004 bis 2016. Forum Verlag Godesberg.

    Kawamura-Reindl, G. (2022). Lebenslagen Straffälliger als Ausgangspunkt für professionelle Interventionen in der Sozialen Arbeit. In AK HochschullehrerInnen Kriminologie/​Straffälligenhilfe in der Sozialen Arbeit (Hrsg.), Kriminologie und Soziale Arbeit: Ein Lehrbuch (2. Aufl., S. 162–175). Beltz Juventa.

    Kawamura-Reindl, G. (2023). Freie Straffälligenhilfe. In H. Cornel, C. Ghanem, G. Kawamura-Reindl & I. R. Pruin (Hrsg.), Resozialisierung: Handbuch für Studium, Wissenschaft und Praxis (S. 237–254). Nomos.

    Kessl, F. & Reutlinger, C. (2022). Sozialraum: eine Bestimmung. In F. Kessl & C. Reutlinger (Hrsg.), Sozialraumforschung und Sozialraumarbeit. Sozialraum: Eine elementare Einführung (S. 7–31). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-29210-2_2

    Kessl, F. & Reutlinger, C. (2025). Sozialraumarbeit. In M. Noack & F. M. Nuss (Hrsg.), Handwörterbuch Sozialraumorientierte Soziale Arbeit (S. 156–159). Beltz Juventa.

    Meltzer, C. E. (2019). Kultivierungsforschung. Nomos. https://doi.org/10.5771/9783845290577

    Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg. (2020). Resozialisierung in Baden-Württemberg. Übergangsmanagement – Nachsorge – Wiedereingliederung: Gesamtkonzeption. https://jum.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/​redaktion/​m-jum/​intern/PDF/Gesamtkonzeption_Resozialisierung.pdf

    Noack, M. (2025). Sozialraum. In M. Noack & F. M. Nuss (Hrsg.), Handwörterbuch Sozialraumorientierte Soziale Arbeit (S. 149–156). Beltz Juventa.

    Omlor, R. (2023). Einführung in die Soziale Arbeit. In M. Buntrock & K. Peinemann (Hrsg.), Grundwissen Soziale Arbeit (S. 1–28). Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39707-4

    RESCALED. (2024a). The detention house. https://www.rescaled.org/the-detention-house/

    RESCALED. (2024b). Seehaus Leonberg. https://inspirational-practices.rescaled.org/2024/02/22/seehaus-leonberg/

    Rund, M. (2025). Macht. In M. Noack & F. M. Nuss (Hrsg.), Handwörterbuch Sozialraumorientierte Soziale Arbeit (S. 406–410). Beltz Juventa.

    Schüttler, H., Neumann, M., Klatt, T., Hahnemann, A., Kellermann, A. & Bartsch, T. (2023). Legalbewährung nach Entlassung aus dem offenen Vollzug: Eine Vergleichsstudie. Nomos. https://doi.org/10.5771/9783748939467

    Statista. (2025). Strafvollzug in Deutschland. Statistik-Report zum Strafvollzug in Deutschland. https://de.statista.com/statistik/​studie/id/125064/​dokument/​strafvollzug-in-deutschland/

    Stehr, J. (2021). Kriminalisierung und soziale Ausschließung. In R. Anhorn & J. Stehr (Hrsg.), Handbuch Soziale Ausschließung und Soziale Arbeit: Perspektiven kritischer Sozialer Arbeit (Bd. 26, S. 623–644). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-531-19097-6_21

    Stöver, H. (2023). Drogenkonsumierende Menschen in Haft. In H. Cornel, C. Ghanem, G. Kawamura-Reindl & I. R. Pruin (Hrsg.), Resozialisierung: Handbuch für Studium, Wissenschaft und Praxis (S. 391–417). Nomos.

    Trapp, S. (2023). Entlassungsvorbereitung, Übergangsmanagement und Nachsorge. In J. Endres & S. Suhling (Hrsg.), Behandlung im Strafvollzug: Ein Handbuch für Praxis und Wissenschaft (S. 641–657). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-36046-7_34


    Creative Commons Namensnennung Dieser Beitrag – Resozialisierung neu denken. Sozialraumorientierte Perspektiven zur Überwindung von Drehtüreffekten in der Straffälligenhilfe – von Hanna Nicholson, Marcel Pietsch und André Heinz (2026) ist unter der Lizenz CC BY 4.0 veröffentlicht.

    Verfasst von
    Hanna Nicholson
    Sozialarbeiterin/-pädagogin (B.A.)
    Masterandin an der Universität Regensburg

    Prof. Dr. Marcel Pietsch
    Professor für Soziale Arbeit an der FOM Hochschule Stuttgart

    Prof. Dr. André Heinz
    Professor für Soziale Arbeit an der IU Internationalen Hochschule

  • Neue Plattform: Wissen Wohnungslosigkeit

    Neue Plattform: Wissen Wohnungslosigkeit

    Vorgestellt werden Informationen, Praxisprojekte und Bildungsangebote.

    Bonn (2mind) – Seit heute ist die nationale Wissensplattform zum Thema Wohnungslosigkeit online. Auf wissen-wohnungslosigkeit.de finden sich Daten und Zahlen zur Wohnungslosigkeit ebenso wie die Vorstellung von Praxisprojekten, Fortbildungsangebote und Literatur. Die Plattform will den Austausch zwischen den Akteuren in der Wohnungslosenhilfe stärken und einen Beitrag zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Wohnungslosigkeit leisten.

    Herausgegeben wir die Plattform von der Nationale Kompetenzstelle gegen Wohnungslosigkeit, im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) angesiedelt ist.

    Der Link zur Plattform: https://wissen-wohnungslosigkeit.de/

  • Internet hinter Gefängnismauern

    Internet hinter Gefängnismauern

     

    Foto: Matthew Ansley auf Unsplash

    Düsseldorf (2mind) – Von der digitalen Welt abgeschnitten zu sein ist für Gefangene ein großes Problem – insbesondere kurz vor der Entlassung. Wohnungsangebote gibt es im Internet, Behörden haben auf eine Online-Kommunikation umgestellt, Bildungsangebote wandern in die digitale Welt. Nun bietet Nordrhein-Westfalen Menschen hinter Gittern in drei Pilotanstalten einen Internetzugang: in Geldern, Rheinbach und Essen.

    Möglich wird der Online-Zugang über Computer in digitalen Sozialräumen. Er wird auf einige ausgesuchte Websites beschränkt und durch Vollzugsmitarbeitende überwacht. „Um die Entlassung gezielt vorzubereiten, soll beispielsweise Gefangenen ermöglicht werden, vielfältige Informationsangebote zu nutzen und digital Anträge innerhalb und außerhalb der Vollzugseinrichtungen zu stellen“, so eine Ministeriumssprecherin gegenüber dem Magazin Spiegel.

    Ermöglicht werden soll es Gefangenen

    • digitale Anträge zu stellen
    • mit Online-Übersetzungs-Tools Sprachbarrieren zu überwinden
    • Bildungsangebote zu nutzen
    • Kontakt zu Familien und Freunden zu halten

    Die dafür bereitstehenden Computer werden speziell abgesichert, um einen Missbrauch zu verhindern.

  • Pink Slime schädigt journalistische Orientierungsfunktionen

    Pink Slime schädigt journalistische Orientierungsfunktionen

    Foto: Unsplash+

    Pseudo-Journalismus ist mehr als ein „Symptom medialer Leerstellen“.

    Chur (2mind) – Die rückläufige Präsenz von Lokalmedien in ländlichen Regionen fördert die Verbreitung von „Pink Slime“, so der englische Begriff für Pseudo-Lokaljournalismus. Gemeint sind Informationsangebote, die journalistische Erscheinungsformen imitieren, deren Standards – Transparenz, Quellenprüfung, redaktioneller Unabhängigkeit oder Trennung von Interessenkommunikation – aber nicht entsprechen. Eine Forschungsarbeit an der Fachhochschule Graubünden beschäftigte sich mit der Verbreitung dieses Phänomens in der deutschsprachigen Schweiz und in Deutschland, dem Gefährdungspotenzial für demokratische Gesellschaften sowie möglichen Maßnahmen zu dessen Eindämmung. Nun legten die Forscherinnen ihre Ergebnisse vor „Pink Slime ist kein isoliert auftretendes Randphänomen, sondern Ausdruck eines tiefergreifenden strukturellen Wandels lokaler Öffentlichkeiten“, heißt es darin.

    Die Studie verweist auf die Verbreitung von Pseudo-Lokaljournalismus in ländlichen Regionen ohne journalistische Angebote – und ebenso in Städten, die über eine diverse Medienlandschaft verfügen. Pink Slime müsse in Europa breiter verstanden werden: „nicht nur als Symptom medialer Leerstellen, sondern auch als strategische Nutzung journalistischer Ästhetik und lokaler Vertrauensräume zur Reichweiten-, Einfluss- oder Monetarisierungslogik.“ Pink Slime ist auch ein Geschäftsmodell.

    Die Autorinnen sehen weitreichende Folgen für die Medienlandschaft: „Wenn journalistische Erscheinungsformen systematisch imitiert werden, verlieren visuelle, sprachliche und strukturelle Vertrauenssignale ihre Orientierungsfunktion.“ Besonders erfolgreich sei Pseudo-Lokaljournalismus dort, wo“ lokale Themen emotional relevant, politisch konfliktträchtig oder wirtschaftlich attraktiv“ seien.

    Die Autorinnen fordern, in der Medienkompetenzförderung gezielt auf pseudo-journalistische Angebote einzugehen und Monitoringstrukturen aufzubauen, die Pink-Slime-Angebote systematisch beobachten. Dringend notwendig sei eine „Debatte über die Zukunft lokaler Öffentlichkeiten, journalistischer Glaubwürdigkeit und demokratischer Kommunikation im digitalen Zeitalter.“

    Die Studie:

     

  • Der Einfluss von KI auf die Kinder- und Jugendarbeit und Glaubensbildung und das steigende Misstrauen

    Der Einfluss von KI auf die Kinder- und Jugendarbeit und Glaubensbildung und das steigende Misstrauen

    Salvador Rios auf Unsplash

    Von Sem Dietterle

    Wie verändert künstliche Intelligenz Glaubensbildung, Gemeinschaft und Selbstwahrnehmung junger Menschen – zwischen hilfreicher Unterstützung, wachsendem Misstrauen und gefährlicher Dauerbestätigung? Genau das fordert die Kinder- und Jugendarbeit heute heraus: Sie muss Medienkompetenz stärken, Orientierung geben und Räume schaffen, in denen echte Begegnung, kritische Reflexion und geistliche Reifung möglich bleiben.

    Bei einer Gruppenstunde stelle ich den Teenagern die Frage, wer ChatGPT verwendet. Alle Hände gehen hoch. In Gesprächen mit Jugendlichen über das Thema ist eines klar: Neben manchen Enttäuschungen, wie schlecht KI-Antworten sein können, wird KI von vielen aktiv und ständig genutzt. Schaut man sich die Vielzahl von Einsatzgebieten an, sehen wir, wie tiefgreifend KI das menschliche Verhalten jetzt schon verändert. In diesem Text stelle ich direkte und indirekte Auswirkungen dieser neuen Entwicklungen auf die Jugendarbeit vor.

    Wir müssen Jugendlichen beibringen, wie sie in Bezug auf Glauben gute und fundierte Antworten bekommen.

    KI und Glaubensbildung

    Eine Jugendliche aus meiner Jugend vertrat eines Abends eine sehr merkwürdige Position zu einem biblischen Thema. Sie hatte dazu online eine Auslegung gesehen und fand diese sehr schlüssig. Ich dagegen empfand diese Sichtweise sogar als schädlich. Ups! So schnell übernimmt man Ansichten, weil sie logisch klingen. Dieser Gefahr sind wir allgemein im Internet ausgesetzt. Junge Menschen googeln, schauen Predigten oder fragen nun eine KI nach Antworten auf Lebens- und Glaubensfragen. Dass sich KI irren kann, ist vermutlich allen klar. Dennoch müssen wir Jugendlichen beibringen, wie sie in Bezug auf Glauben gute und fundierte Antworten bekommen. Viele geben in die KI zu wenig ein: „Was sagt diese Bibelstelle aus?“ Bei so einem Prompt kann man nur hoffen, dass die KI gute Daten zur Auslegung auswählt. Eine etwas angepasste Eingabe ist dagegen deutlich sicherer: „Was hat Martin Luther über diesen Bibeltext ausgesagt? Mit direktem Link zur Quelle.“ Damit erhält man eine Position von einem Theologen der eigenen Wahl. Alternativ kann man auch sagen „Stelle verschiedene Positionen dar“, um etwas differenziertere Antworten zu erhalten. Auf Bibelserver.com gibt es eine KI namens Nikodemus.ai, die auf ausgewählte Bibelkommentare zurückgreift und theologisch eine gute Grundlage bietet. Das ist z.B. ein Ort, wo mithilfe von KI ein großer Gewinn erzielt werden kann, wenn es um Bibelauslegung geht.

    KI und das steigende Misstrauen

    In den sozialen Medien wird sich einiges verändern. Jetzt schon gibt es unglaublich viele KI-Videos, die täglich das Netz fluten. Wie kann man aber Fakebilder oder Fake-videos erkennen? Die Antwort ist erschreckend einfach: Mit dem Auge kann man gutgemachte „Fakes“ nicht mehr erkennen.

    Die KI-Ergebnisse sind einfach zu gut geworden. Auch wenn uns gerade noch viele lustige Fehler in KI-Bildern auffallen, sollten wir nur noch Bildern trauen, die von vertrauenswürdigen Quellen stammen. Wir müssen uns woanders Hilfe holen, um Fakes aufzudecken; Faktenchecker oder OnlineDienste, die KI erstellte Bilder erkennen. Jugendliche werden vermutlich verschieden mit der visuellen Illusion umgehen. Einige steigen vielleicht aus, weil sie keine Lust auf den KI-Schrott haben. Viele andere werden jedoch Social Media weiterhin nutzen und KI-Videos sogar feiern, weil sie unterhaltsam sind und Fantastisches zeigen, was ohne KI nicht möglich wäre. Zugleich steigt aber das Misstrauen gegenüber jeglichem Bildmaterial. Ein Trend lässt sich da schon erkennen: Influencer starten vermehrt Events, bei denen sie persönlich ihre Community treffen. Denn damit zeigt man seine Echtheit und Nahbarkeit. Zudem werden Netzwerke, deren Informationsgehalt man vertraut, in Zukunft gezielt gesucht. Das ist unsere Chance für Jugendliche: Wir bieten ihnen Echtheit und Orientierung durch anspruchsvolle Inhalte, die zum Nachdenken anregen, die Welt verstehbar machen und durch unseren Glauben Maßstäbe zur Bewertung geben.

    KI bestätigt Jugendliche bis zum Himmel

    Jeder Nutzer kennt es: Egal, was du in ein Sprachmodell eintippst, die KI feiert deine Eingabe mit Bestätigungen wie: „ein sehr inspirierender Gedanke, der tiefgehend ist.“ Was aber erst einmal höflich und freundlich erscheint, kann langfristig schwierig enden. Sprachmodelle sollen uns bestätigen und uns gute Gefühle vermitteln. Wer das ernst nimmt, denkt: So wie ich bin, sollte ich am besten bleiben. Manchmal brauchen wir diese Bestätigung, aber ausnahmslos bestätigt zu werden, kann sich auch schädlich auswirken. Lass es mich praktisch erklären: Es gibt Jugendliche, die den KI-Bot „My AI“ ihren Freund nennen. Dieser KI-Bot kann innerhalb der Social Media Plattform Snapchat aufgerufen werden. Mit ihm kann man sprechen, wie mit ChatGPT. Es gibt schon Anzeichen, dass Jugendliche emotionale Bindungen zu solchen Bots aufbauen. Gerade wer sich einsam fühlt oder verstärkt Hilfe sucht und keine im Offline-Leben erhält. Jugendliche besprechen ihre Gefühle, ihre Entscheidungen mit einem Bot. Dieser hilft immer. Auch wenn wir nicht alles für gut erachten. Für Menschen kann so ein Bot gottähnlich sein, denn er ist immer da, hilft immer, ist immer für mich und kennt mich. Die Folgen solcher Beziehungen für die Jugendlichen sind sicher vielfach. Eine Bestätigungsmaschine ist jedoch oft nicht hilfreich, da wir Menschen immer auch Korrektur brauchen. Denkt man diese Bestätigungsspirale weiter, boykottieren irgendwann Menschen jegliche Kritik, da sie Bestätigung für normal erachten. Einer KI muss daher immer bewusst gesagt werden, dass sie dieses Mal „kritisch“ sein soll. Die Chance an Kritik und Korrektur müssen wir daher etablieren und bestärken. Unsere Botschaft darf hier ganz biblisch sein in Sinne von: Freut euch, wenn ihr euch ändern dürft und es auch mal Herausforderungen gibt. Denn Jesus ruft zur Umkehr, also zur Veränderung der Überzeugungen, der Einstellungen und Lebensweise.

    Unsere Aufgabe bleibt dieselbe wie immer: Mit der Bibel in der Hand Orientierung geben und Jugendlichen helfen, sich in einer KI-geprägten Welt zurechtzufinden.

    Indirekte Folgen

    Meine vielleicht idealistische Hoffnung ist, dass wir dank der Digitalisierung und KI auch ein Wiederaufleben von analogen Veranstaltungen und echten Beziehungen haben werden, dass Menschen sich wieder in echte Gemeinschaften hineingeben und dort Orientierung und Halt suchen. Eben als Gegenbewegung zu der digitalen Welt, die immer schneller wird, der man weniger vertrauen kann und die sogar an vielen Stellen verwirrt und belastet. Unsere Aufgabe bleibt in all dem schlicht dieselbe, wie immer: Mit der Bibel in der Hand suchen und geben wir Orientierung an Jugendliche weiter, zeigen ihnen die Tiefe und Schönheit des Glaubens und der Glaubensgemeinschaft und helfen dadurch in unserer KI-Welt zurechtzukommen.

    Sem Dietterle ist Jugendpastor der Ev. Gemeinschaft München-Bogenhausen, Instagram: @semdietterle (zuerst erschienen in: Digital Glauben. Das Online-Magazin für digitale Jugendarbeit. Ausgabe #3, Juli 2026)

    Lizenz: CC BY 4.0

  • Religiöses Sinnfluencing braucht Medienbildung

    Religiöses Sinnfluencing braucht Medienbildung

    Roboter in einem Kirchenschiff
    Foto: KI-generiertes Symbolbild

    Die aktuelle Studie zum islamischen Religionsunterricht in Österreich

    Innsbruck (2mind) – TikTok, Instagram und YouTube verändern religiöse Bildungsprozesse. Dabei spielen Sinnfluencer:innen eine zunehmende Rolle. Die Islamwissenschaftlerinnen Ayşe Almıla Akca und Aslıgül Aysel untersuchten den islamischen Religionsunterricht an österreichischen Schulen und stellten fest: Medienkompetenzen werden an den Schulen nur punktuell vermittelt, im Religionsunterricht aber vorausgesetzt. Die spezifischen Herausforderungen digitaler religiöser Kommunikation werden nicht behandelt. Die Autorinnen fordern in den Lehrplänen eine stärkere „Verankerung medienpädagogischer und religionsdidaktischer Ansätze, die Schüler:innen dazu befähigen, religiöses Sinnfluencing kritisch zu analysieren, einzuordnen und verantwortungsvoll für ihre eigene religiöse Orientierung zu nutzen.“

    Die Studie:

  • Internetsuche: Je jünger, um so KI-affiner

    Internetsuche: Je jünger, um so KI-affiner

    Grafik mit Leiterplatte und einem angedeuteten Gehirn
    Grafik: Steve Johnson auf Unsplash

    Wien (2mind) – KI verdrängt bei Jugendlichen die Google-Suche. „Junge Menschen erwarten heute sofort nutzbare Antworten statt langer Ergebnislisten“, heißt es im österreichischen Jugendinformationsmonitor 2026. Die bis 14-jährigen griffen danach besonders häufig auf eine KI-Suche zurück. Weitere Ergebnisse der Studie:

    • ChatGPT und die Google-KI-Suche liegen sind die am häufigsten verwendeten Suchmechanismen. 9 von 10 der befragten Jugendlichen nutzen eine dieser Apps.
    • Die 15- bis 19-Jährigen kombinieren eine KI- und klassische Suche (häufig via Google), wobei KI-basierte Such-Apps vorrangig genutzt werden.
    • Bei den ab 20-jährigen dreht sich das Verhältnis und die klassische Internetsuche liegt wieder vorne.
    • Insgesamt verändert sich die Art der Suche weg von Schlagwörtern und hin zum Gespräch. Ein Prompt wird dann häufig mit der Diktierfunktion eingegeben.
    • Verwendet wird die KI-Suche von Jugendlichen für Schulaufgaben, Alltagsfragen, das Aufbessern spontaner Wissenslücken und den Faktencheck in Gesprächen.

    Das Bundesnetzwerk Österreichische Jugendinfos hatte im März 1.019 Jugendliche im Alter zwischen 11- und 24 Jahren in Österreich befragt. Die > Jugendinfostudie online

  • Social-Media Trend: Jugendliche posten Suizid-Datum

    Social-Media Trend: Jugendliche posten Suizid-Datum

    Foto: Melanie Wasser auf Unsplash

    Empfehlungsalgorithmen verschärfen das Problem.

    Mainz (2mind) – Ein neuer Social-Media-Trend: Jugendliche kündigen ihren Suizid mit einem konkreten Datum an – leicht auffindbar im Internet. In den Kommentarspalten posten weitere Jugendliche ebenfalls ein Datum für die geplante Selbsttötung. „Dies kann den Druck zur Nachahmung erhöhen und Hemmschwellen senken“, heißt es im aktuellen Report „Suizidale Inhalte im Netz“ von Jugendschutz.net.

    Der Großteil dieser Posts ist nicht konkret genug, um eine polizeiliche Intervention zu rechtfertigen. Die Autoren sehen die Gefahr, „dass in der Masse der unkonkreten Beiträge ernst gemeinte Suizidankündigungen untergehen.“

    Für entsprechende Posts etwa auf TikTok werden etablierte Akronyme genutzt: #sm („Selbstmord“), #smg („Selbstmordgedanken“), #kms („kill myself“), #kys („kill yourself“), #smv („Selbstmordversuch“) sowie #idwtba („I don´t want to be alive“) und #iwtd („I want to die“). Für gesperrte Begriffe werden häufig Alternativen verwendet: statt dem Hashtag #suicide etwa #sewerslide oder #se-wersl1de.

    Eine potenzielle Gefahr sehen die Autoren in der Funktionsweise der Empfehlungsalgorithmen: „Wer einmal gezielt nach traurigen Inhalten oder sogenannten „SadTok“-Videos sucht, bekommt vom Algorithmus prompt weiter vergleichbaren Content ausgespielt.“ Das könne psychische Krisen verstärken.

    Die Studienautoren verweisen auf die gesetzliche Verpflichtung der Betreiber von Social-Media-Plattformen, „geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um Kindern und Jugendlichen eine sichere und altersgerechte Teilhabe zu ermöglichen. Wirksame Schutzkonzepte reduzieren belastende Inhalte und ermöglichen im Notfall schnelle Hilfe.“

  • VR-Zeitreisen brauchen kritischen Umgang mit präsentierten Deutungen

    VR-Zeitreisen brauchen kritischen Umgang mit präsentierten Deutungen

    Konzentrationslager Birkenau (Foto: Marcin Czerniawski auf Unsplash)

    Die digitale Technologie fördert erfahrungsorientiertes historisches Lernen.

    Bochum (2mind) – Vermehrt werden Zeitreisen – insbesondere in die Jahre des Nationalsozialismus – mittels Virtual Reality (VR) angeboten. Dabei dominiert der Einsatz von 360°-Produktionen, die Nutzenden wenig Interaktionsmöglichkeiten bieten, schreibt Elena Lewers in ihrem neu erschienenen Buch „Zeitreisen mit Virtual Reality? Zum Einsatz von VR an historischen Orten mit NS-Vergangenheit“. Bereitgestellt werden solche Zeitreisen von kommerziellen Anbietern ebenso wie vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und öffentlichen Institutionen als nur vor Ort nutzbare Tools sowie im digitalen Raum, z.B. auf YouTube.

    Dabei hält es Lewers für wichtig, „einen kritischen Umgang mit den präsentierten Deutungen der VR und des historischen Ortes sowie der eigenen Wahrnehmungen und Eindrücke zu fördern.“ Durch VR könne „ein anschaulicher (und ggf. interaktiver) Zugang zu Virtuellen Geschichten geboten werden“ Und weiter: „Diese Dimension von Geschichtserfahrung kann demnach nicht nur für Unterhaltungszwecke, sondern ebenfalls für erfahrungsorientiertes historisches Lernen produktiv genutzt werden.“

    Das Buch basiert auf einer 2025 an der Ruhr-Universität Bochum eingereichten Dissertation.

  • Medienkonzepte in der außerschulischen Jugendarbeit

    Medienkonzepte in der außerschulischen Jugendarbeit

    Foto: Sherise Van Dyk auf Unsplash

    Dieser Leitfaden unterstützt Träger, dem Einfluss digitaler Medien auf die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen zu begegnen.

    Potsdam (2mind) – In jeder Einrichtung der Kinder- und Jugendarbeit sieht ein Medienkonzept anders aus. Der Der Landesfachverband Medienbildung Brandenburg (lmb) bietet in seinem Leitfaden handlungsleitende Fragen und formuliert konkrete Schritte:

    • Planungsschritte festlegen
    • Ausgangssituation analysieren
    • Medienpädagogische Leitlinien erarbeiten
    • Konkrete Ziele beschreiben
    • Fachliche Ansätze berücksichtigen
    • Rechtliche Rahmenbedingen beachten
    • Ziele durch medienpädagogische Angebote umsetzen
    • Ergebnisse beurteilen
    • Qualität sichern
    • Konzept erweitern

    „Die Entwicklung und Abstimmung eines Medienkonzepts braucht Zeit“, heißt es in dem Leitfaden. „Um diesen Prozess realistisch zu gestalten, müssen die Rahmenbedingungen dafür in der jeweiligen Einrichtung mit ihren Anforderungen, Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen bedacht werden, damit Anpassungen während der Erstellung flexibel möglich sind.“

    Der offen lizenzierte Leitfaden zum Download: