Kategorie: Aktuelles

  • Grundschule Bleibergquelle: Einweihungsfeier

    Grundschule Bleibergquelle: Einweihungsfeier

    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung

    Velbert (2mind) – Am Samstag wurde die Einweihung der Grundschule Bleibergquelle gefeiert. Seit dem 10. Februar wird in dem Neubau unterrichtet – derzeit zwei erste Klassen. Mit jedem Schuljahresbeginn werden weitere Klassen hinzukommen und nach dem Konzept der „Draußenschule“ lernen. Dabei verlassen die Klassen einmal pro Woche das Schulgebäude und sind in der Natur oder der Region unterwegs: ein ökologisches Bildungsverständnis, das Lernen in und von der Natur ermöglicht. Zugleich wird die Schule ihre Schülerinnen und Schüler auf das Leben in einer zunehmend digitalen Welt vorbereiten, wie Schulleiter Arnfried Szymanski auf der Einweihungsfeier sagte.

    Die Grundschule ist Teil des Bildungszentrums Bleibergquelle, zu dem auch eine Kindertagesstätte, eine inklusive Gesamtschule und ein Berufskolleg für Gesundheit und Soziales gehören.

    Mehr im Internet: https://gsbleibergquelle.de

    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung
    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung
    Foto: Achim Halfmann / Fachstelle Medien & Bildung

  • „Vielerorts katastrophal“: Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

    „Vielerorts katastrophal“: Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

    Foto: Kevin Bückert auf Unsplash

    Wuppertal (2mind) – „Eine angemessene, das Kindeswohl wahrende Aufnahme, Versorgung, Betreuung und Begleitung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) ist derzeit an vielen Orten Deutschlands nicht mehr gewährleistet.“ Mit diesem Statement trat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Dezember an die Öffentlichkeit. Das Positionspapier wurde inzwischen von über 370 Dachverbände, Träger, Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet. Die Kernforderung darin lautet: „Kindeswohl für alle Kinder und Jugendlichen sichern“.

    Die steigende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge trifft in Deutschland auf ein deutlich geschwächtes Ankunfts- und Betreuungssystem. „Die Unterbringungssituation gestaltet sich vielerorts als zunehmend katastrophal“, heißt es in dem Papier. In der Inobhutnahme fehle es an geeigneten Plätzen für junge Menschen mit komplexen Bedarfen. Freien Trägern falle es zunehmend schwer, Fachkräfte für ihre Angebote zu finden.

    Für die jungen Flüchtlinge gelten eigentlich die Standards des SGB VIII; einige Bundesländer hätten die Standards aber für diese Zielgruppe abgesenkt. Unbegleitete junge Flüchtlinge werden teilweise in Großunterkünften wie Turnhallen untergebracht, zeitweise auch in Einrichtungen für erwachsene Geflüchtete. Und eine Rund-um-die-Uhr-Begleitung ist für diese jungen Menschen mancherorts nicht gewährleistet.

    Probleme mit der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge bestünden insbesondere in Ballungsgebieten, in denen viele dieser jungen Menschen ankommen, sagt Helen Sundermeyer vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Gespräch mit 2mind. Betroffen seien etwa Berlin und Bremen, aber auch Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie höre zudem, dass in fast allen Stellen die Lage angespannt sein. Seit 2017 seien Unterbringungsstrukturen abgeschafft worden. „Die Probleme waren absehbar“, sagt Sundermeyer.

    Die Expertin verweist insbesondere auf das Fachkräfteproblem in der Flüchtlingshilfe. Die Arbeit dort sei „super-anstrengend und fordernd“. Durch viele fachfremde Mitarbeitende und Beschäftigungsverhältnisse, deren Bestand von Fluchtbewegungen abhänge, werde das Arbeitsfeld unattraktiver. Wie Sundermeyer weiter berichtet, hat das Bundesfamilienministerium in dieser Woche auf das Positionspapier reagiert und Gesprächsbereitschaft signalisiert.

    Zu den Unterzeichnern des Papiers gehört die Diakonie Wuppertal. In Nordrhein-Westfalen seien Standards für die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge nicht geschlossen abgesenkt worden, sagt Bärbel Hoffmann aus der Geschäftsführung der Diakonie Wuppertal – Kinder – Jugend – Familie. Allerdings sei auch in Wuppertal spürbar, dass sich die Anfragen vermehrten und keine neuen Plätze geschaffen würden. „Die Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe müssen mehr werden“, so Hoffmann.

    In der stationären Jugendhilfe seien heute durchweg junge Menschen untergebracht, die etwa aufgrund von Traumatisierungen und sexualisierter Gewalt extrem belastet seien. Hoffmann weiter: „Bei geflüchteten jungen Menschen kommt oft hinzu, dass sie aus Ländern kommen, wo es eine extreme Gewalterfahrungen gegeben hat.“ Die Jugendhilfe kenne sich mit der Situation dieser jungen Menschen aus. Allerdings fehle es an therapeutischen Angeboten – ambulant ebenso wie stationär. „Wir haben es da in der Regel mit jungen Leuten zu tun, die traumatisierende Erfahrungen gemacht haben und viel Unterstützung und Begleitung brauchen“, sagt Hoffmann.

    Das Forderungspapier > im Internet

  • „Maria Montessori hätte ein Tablet“

    „Maria Montessori hätte ein Tablet“

    Maria Montessori (1913)

    Düsseldorf (2mind) – Reformpädagogik und Begriffe wie „Neues Lernen“ oder „Zeitgemäße Bildung“, auch in Verknüpfung mit Digitalisierung, bilden keine Gegensätze. Diese Auffassung vertreten Jana Reiche und Silke Kipper in ihrem Gastbeitrag „Maria Montessori hätte ein Tablet“ auf dem Portal News4Teachers. Als Maria Montessori im Jahr 1907 in Rom erstmals Verantwortung für ein Kinderhaus übernahm, war von digitalen Technologien allerdings noch keine Rede.

    Die Autorinnen verweisen insbesondere auf den Dreiklang von „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE), digitaler Bildung und Reformpädagogik. „Es war ein Anliegen der Reformpädagogik, Schule und Erziehung durch neue Praxisansätze zu revolutionieren, auch um dem damals herrschenden Kulturpessimismus zu begegnen“, schreiben sie. Auch die als „4K“ bekannten Kompetenzen für das Lernen in der digitalen Welt – Kreativität, Kommunikation, kritisches Denken und Kommunikation / Problemlösung – seien von Montessori bereits ins Zentrum der Bildung gerückt worden.

    In der Montessoripädagogik gehe es um das Zusammenspiel von Natur, Mensch und Kultur. Dabei werde vieles am Beispiel geübt und dann an der Wirklichkeit überprüft. „Folgerichtig ist es unabdingbar, dass wir uns in Rahmen der Montessoripädagogik auf moderne Entwicklungen einlassen, sie sozusagen konzeptionell integrieren“, so die Autorinnen.

    Als Beispiel verweisen die Autorinnen auf eine Schülerfirma für Schüler:innen der vierten bis sechsten Klassen, in der – Grundgedanken der Kreislaufwirtschaft folgend – nachhaltig zu produzierende T-Shirts designt und ein Rücknahme-System entwickelt wurde. „Eine Domain für einen Webshop ist bereits gesichert.“

    Der ganze Beitrag > auf News4Techers

  • #UNDDU?: Gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

    #UNDDU?: Gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen

    Screenshot #UNDDU?

    Berlin (2mind) – „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen darf kein Tabuthema sein“, unter diesem Motto steht die aktuelle Website #UNDDU?. Das Online-Angebot widmet sich insbesondere der sexualisierten Gewalt, die von Jugendlichen selbst ausgeht. Das Angebot will die sexuelle Selbstbestimmung Jugendlicher und eine klare Haltung gegen sexualisierte Gewalt fördern.

    „Jugendliche müssen in einem partnerschaftlichen Umgang und ihrer (digitaler) Beziehungskompetenz gestärkt werden und befähigt werden Ansprechpartner*innen für betroffene Jugendliche zu sein“, heißt es auf der Website. „Präventions- und Interventionsangebote müssen betroffene Jugendliche ermutigen, sich anzuvertrauen und auch so genannte Bystander (beobachtende Jugendliche) darin bestärken, einzugreifen.“

    Die Website bietet eigene Bereiche für Fachkräfte, Eltern und Jugendliche. Ein Lexikon erklärt einschlägige Begriffe; in Handlungsleitfäden bieten Videos Impulse für den Umgang mit und die Einstellung zu sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen. Zudem gibt es spielerische Einführungen zu den Themen rund um die sexualisierte Gewalt und ein Workshopangebot. Zudem soll eine digitale Community für Fachkräfte entstehen. Und es gibt eine Fachkräfte-App für Android- und iOS-Geräte.

    Herausgeber ist der Berliner Verein Innocence in Danger, der insbesondere mittels digitaler Medien gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen kämpft. Das Bundesjugendministerium fördert die Website.

    Der Link zur Website: https://unddu-portal.de/

  • MEMO-Jugendstudie: Interesse junger Menschen an der NS-Zeit – und Wissenslücken

    MEMO-Jugendstudie: Interesse junger Menschen an der NS-Zeit – und Wissenslücken

    Konzentrationslager Birkenau (Foto: Marcin Czerniawski auf Unsplash)

    Berlin (2mind) – Junge Erwachsene wollen mehr über die NS-Zeit wissen: über historische Orte und Gegenwartsbezüge. Das geht aus der in dieser Woche vorgestellten MEMO-Jugendstudie hervor, die von der Universität Bielefeld im Auftrag der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) erstellt wurde.

    „Jungen Erwachsenen wird gern historisches und politisches Desinteresse unterstellt“, so Prof. Jonas Rees von Universität Bielefeld gegenüber der Presse. „Unsere Befragung ergibt jedoch das Bild einer in weiten Teilen engagierten und interessierten Generation.“ Gleichzeitig zeigten sich aber auch Lücken mit Blick auf das Wissen zu grundlegenden historischen Fakten.

    So konnte die Hälfte der befragten 16- bis 25-Jährigen den Zeitraum der NS-Herrschaft nicht korrekt benennen. Trotzdem hatten sich 63 Prozent der jungen Erwachsenen – im Vergleich zu 53 Prozent im Durchschnitt aller Altersgruppen – nach eigenen Angaben intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Rund drei Viertel der 16- bis 25-Jährigen stellen den Sinn der Beschäftigung mit der NS-Geschichte nicht in Frage. Und ein Drittel fühlte sich im Alltag selbst schon diskriminiert.

    „Wer sich mit Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten auseinandersetzt, schaut sensibilisierter auf Diskriminierung heute“, so die Vorstandsvorsitzende der Stiftung EVZ, Andrea Despot. Geschichtsvermittlung sei ein Booster für Solidarität und Demokratie. Despot weiter: „Wir brauchen interaktive und partizipative Angebote für Geschichtsvermittlung – innerhalb und außerhalb der Schule.“

    Für die MEMO-Jugendstudie wurden 3.485 repräsentativ ausgewählte junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren im September und Oktober 2021 sowie 838 Teilnehmer:innen erneut im September 2022 online befragt.

    Die MEMO-Jugendstudie 2023 > als PDF zum Download

  • Digital-Kompass: Initiative für Menschen mit Wahrnehmungs- und Mobilitätseinschränkungen

    Digital-Kompass: Initiative für Menschen mit Wahrnehmungs- und Mobilitätseinschränkungen

    Alex Perez auf Unsplash

    Berlin (2mind) – Eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe setzt heute digitale Kompetenzen voraus. Dies gilt genauso für Menschen mit Sinnes- und Mobilitätsbeeinträchtigungen. Für sie kann eine souveräne Nutzung digitaler Technologien die selbstbestimmte Gestaltung des Lebensalltags erleichtern. Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke startete dazu heute das Projekt „Digital-Kompass – Digitale Teilhabe für Menschen mit besonderen Aufklärungsbedarfen“.

    Die Website https://www.digital-kompass.de/ richtet sich insbesondere an ehrenamtlich Engagierte und bietet Materialien, eine Landkarte zu Projektstandorten, einen Terminkalender und Qualifizierungsangebote. So werden über das Projekt Digital-Kompass z.B. Teilnehmende für digitale Lerntandems gesucht, in denen Menschen mit Sinnes- und Mobilitätsbeeinträchtigungen bei der Nutzung digitaler Medien unterstützt werden.

    Ministerin Lemke erklärte gegenüber der Presse: „Ich freue mich, dass wir mit den Projektpartnern und Engagierten gemeinsam an dem Ziel arbeiten, noch mehr Menschen den Weg in die digitale Welt zu ebnen.“ Am Projekt beteiligen sich mehrere Verbände, die Universität Vechta und Ehrenamtliche. Bis 2025 wird der Digital-Kompass vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert.

  • Kita-Fachkräfteverbände fordern Betreuungsqualität

    Kita-Fachkräfteverbände fordern Betreuungsqualität

    Foto: Erika Fletcher auf Unsplash

    Berlin (2mind) – Die personelle Situation in Kitas erscheint bedrohlich und Statements wie das von Peter Adrian lösen den Unmut der Kita-Fachkräfte aus. Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hatte in der „Bild am Sonntag“ angeregt, auch Arbeitskräfte für die Kita zu gewinnen, die „vielleicht nicht allen Ausbildungskriterien genügen“ – etwa Rentnerinnen. In dieser Woche reagieren die deutschen Kita-Fachkräfteverbände mit einem offenen Brief. Die DIHK brauche „auch in 15-20 Jahren stabile Persönlichkeiten und gut gebildete Menschen“, heißt es darin. „Die Bildungsbiografie beginnt in der Kita, und Bindung kommt vor Bildung“, so die Verbände weiter. „Wer Kita-Betreuung losgelöst von ihren pädagogischen und psychologischen Zusammenhängen betrachtet, hat nicht verstanden, was Kinder brauchen, um sich gesund zu entwickeln.“ (> Der offene Brief als PDF)

    Eine weitere gemeinsame Erklärung haben die deutschen Kita-Fachkräfteverbände in dieser Woche veröffentlicht. Darin fordern sie einen Kita-Gipfel auf Bundesebene. „Es braucht endlich eine ehrliche Analyse der Ursachen für die vielfältigen Probleme im Kita- Bereich und einen entschlossenen politischen Willen, bessere Rahmenbedingungen zu etablieren“, heißt es in dem Pressestatement. Die Standards für eine kindgerechte pädagogische Qualität seien bekannt; jetzt gehe es um die Umsetzung. Und weiter: „Kindgerechte Personalschlüssel und adäquate Räumlichkeiten sind außerdem die beste Motivation zur Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung.“ Der Bund trage die Verantwortung für Umsetzung vergleichbarer Standards in den Ländern.

  • Vorgestellt: Das Kinderrechte-Portal

    Vorgestellt: Das Kinderrechte-Portal

    Screenshot kinderrechte-portal.de

    Wie lässt sich Partizipation in unterschiedlichen Bildungsbereichen umsetzen? Welche Bildungsmaterialien gibt es zum Thema „Kinderrechte“? Hier bietet das Kinderrechte-Portal eine gut sortierte und umfangreiche Sammlung. Gesucht werden kann nach Bildungsbereichen (z.B. „Frühe Bildung“ und „Jugendhilfe“), Themenfeldern (z.B. „Umwelt & Klimaschutz“) oder auch nach Medienarten. Angeboten wir die Website vom National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V. Die Sammlung wird fortlaufend erweitert; Leser können eigenes Material einreichen.

    Der Link zum Portal: https://kinderrechte-portal.de/

  • Offener Ganztag der Zukunft: Schule und Jugendhilfe besser vernetzen

    Offener Ganztag der Zukunft: Schule und Jugendhilfe besser vernetzen

    CDC auf Unsplash

    Düsseldorf (2mind) – Das im Oktober 2021 verabschiedete Ganztagsförderungsgesetz garantiert ab August 2026 allen Kindern der ersten Klassenstufe an deutschen Grundschulen einen Platz in Ganztagsbetreuung. Und das trotz dem Mangel an pädagogischen Fachkräften und der mancherorts spartanischen Räume und Ausstattungen der Ganztagseinrichtungen. Um den Anspruch auf einen Ganztagsplatz in drei Jahren mit Qualität erfüllen zu können, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung im Januar einen Expertenbeirat einberufen. Derzeit steht in NRW mit 392.500 Plätzen ein Ganztagsangebot für etwas mehr als die Hälfte aller Kinder im Grundschulalter zur Verfügung. Die qualitative Ausgestaltung dieses Angebotes stellt sich jedoch unterschiedlich dar, sagt Prof. Ulrich Deinet, der dem Expertenbeirat angehört.

    „Die einheitlich aussehende Schullandschaft zerfällt ins sehr unterschiedliche Schulen mit sehr unterschiedlichen Ressourcen und Ausstattungen für den offenen Ganztag, was auch von der Frage abhängt, was eine Kommune finanziell leisten kann“, sagt Deinet, der am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf lehrt und forscht. „Selbst im reichen Düsseldorf sind die Unterschiede zwischen Schulen und Sozialräumen sehr gravierend.“

    Schule als Lebensraum

    Deinet verweist darauf, dass Kinder an Werktagen mehr Zeit in der Schule verbringen als danach wach zuhause. „Wir müssen uns damit beschäftigen, wie Kinder und Jugendliche den Lebensraum Schule erleben und wie sie ihn mitgestalten können“, so der Wissenschaftler. Früher lebten Kinder in einer Gleichaltrigenkultur im Stadtteil oder in der Familie; heute finde dieses gemeinsame Leben in der Schule statt.

    Dabei seien für Kinder auch Rückzugsräume von großer Bedeutung – an denen es im offenen Ganztag mitunter fehle. Deinet weiter: „Viele für die Entspannung gedachte Räume wurden inzwischen allerdings in Gruppenräume umgewandelt, weil der Bedarf so groß ist.“

    Miteinander von Schule und Jugendhilfe

    Eine Besonderheit des offenen Ganztags liegt darin, dass hier „verschiedene Systeme an einem Ort zusammenarbeiten: Schule und Jugendhilfe, meist Wohlfahrtsverbände oder auch Elternvereine. Strukturelle Unterschiede müssen professionell bearbeitet werden“, so Deinet.

    Dass dieses Miteinander gelingt, ist auch eine personelle Frage – und ein Grund, den Fachkräfteanteil im Ganztag hochzuhalten. Qualitätseinbußen beim offenen Ganztag erschwerten dessen Kooperation mit der Schule. Deinet weiter: „Die Lehrkräfte dort verfügen über Universitätsabschlüsse, und ohne qualifizierte Ganztagsmitarbeiter wird die Rede von der Begegnung auf Augenhöhe schwierig.“

    Und es geht um organisatorische Entscheidungen, die eine Verschränkung von Schule und Jugendhilfe fördern. „An manchen Schulen gibt es ‚Mitarbeitendenzimmer‘ statt ‚Lehrerzimmer‘. Professionen der Mitarbeitenden an den Schulen haben sich diversifiziert, deshalb ist ein gutes Teambuilding wichtig. Im Blick auf Schule und Jugendhilfe müssen unterschiedliche Kulturen zusammengebracht werden“, sagt Deinet.

    Dass es mit diesen multiprofessionellen Teams noch nicht überall gut läuft, hat auch Birgit Schröder beobachtet, die am Institut für soziale Arbeit (ISA) den Arbeitsbereich Jugendhilfe und Schule leitet. „Das betrifft auch die Schul- und Jugendhilfeplanung, die abgestimmt aufeinander laufen sollte, jedoch oftmals noch separiert läuft“, so Schröder.

    Planungsprozesse neu denken

    Zu einem abgestimmten Miteinander gehöre auch, dass die schulische Raumentwicklung in kommunalen Planungsprozessen und von Schulleitungen und Ganztagskoordinator:innen neu gedacht werde. Schröder weiter: „Stellen Sie sich vor, die Schule wäre komplett leer: Was brauchen Kinder über den ganzen Tag an Räumlichkeiten und Flächen?“ Angebote im Sozialraum – wie Bauspielplätze – und mögliche Kooperationspartner – wie Büchereien – sollten einbezogen werden. „Unter den Mitarbeitenden darf es das Pronomen ‚mein‘ Raum nicht mehr geben, die Nutzung von Räumen nur für den Unterricht oder nur für den Ganztag muss aufgebrochen werden.“

    Sozialpädagogische Berufskollegs gefordert

    Bei der Frage nach der Fachkräftequalität im offenen Ganztag sieht Schröder die Berufskollegs als Ausbildungsstätten in der Pflicht: „Gehört der offene Ganztag dort zum Portfolio? Ist die multiprofessionelle Zusammenarbeit im Curriculum verankert? Gibt es Weiterqualifizierungsangebote – etwa zur OGS-Fachkraft?“, fragt die Expertin.

    Und schließlich müsse im offenen Ganztag die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern stärker in den Blick genommen werden. In der Schule würden Eltern teilweise als Störenfriede wahrgenommen. Schröder weiter: „Wir wissen aber, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehr- und pädagogischen Fachkräften mit Eltern bzw. Personensorgeberechtigten einen positiven Impuls für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder hat.“

    „Personal backen können wir nicht“

    Iris Solmaz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISA und sieht im Personalmangel – neben dem Raummangel – die große Herausforderung für eine flächendeckende Einführung des offenen Ganztags. Solmaz dazu: „Wir müssen an diesem Mangel arbeiten, aber Personal backen können wir nicht.“

    Dazu sei auch eine Nachqualifizierung von Quereinsteiger:innen wichtig – so, dass diese im Ganztag Fuß fassen und bleiben könnten. Und im Personal-Wettbewerb etwa mit Kitas müsse sich der offene Ganztag besser aufstellen. „Wenn wir nicht wollen, dass Fachkräfte aus dem offenen Ganztag in die Kita wechseln, müssen Arbeitsbedingungen verbessert und z.B. mehr Vollzeitstellen angeboten werden“, sagt Solmaz.

    Bei der Ganztagsentwicklung sind aber nicht nur Schul- und Jugendhilfeträger gefordert. „Bei allen Planungen muss die Partizipation der Kinder eine Rolle spielen“, sagt Solmaz. „Bei Raumgestaltung und Konzeptentwicklung müssen die Kinder stärker gehört und aktiv beteiligt werden.“

  • „Renterinnen in die Kita“

    „Renterinnen in die Kita“

    Foto: Natalie Bold auf Pexels

    Berlin (2mind) – „Es braucht in den Kitas ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot von morgens halb sieben bis abends neun Uhr.“ Das sagte Peter Adrian (65), Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der „Bild am Sonntag“ (gestrige Ausgabe). Um das zu ermöglichen, will der DIHK-Präsident Arbeitskräfte für die Kita gewinnen, die „vielleicht nicht allen Ausbildungskriterien genügen“.

    Der Hintergrund: Jedes Jahr müssen rund 400 000 Fachkräfte ersetzen, die in Rente gehen. Im Inland sieht Adrian noch Potenziale bei bisher teilzeitbeschäftigten Frauen. „ Viele Frauen können schlicht nicht mehr Stunden arbeiten, weil es keine verlässliche Kinderbetreuung gibt“, so Adrian gegenüber der „Bild“.

    Der DIHK-Präsident schlägt im Blick auf neue Kita-Kräfte deshalb vor: „Es gibt unter den geflüchteten Ukrainerinnen viele, die problemlos aushelfen könnten, auch viele Rentnerinnen und Rentner wären bereit, in Randzeiten stundenweise mitzuarbeiten.“