Kategorie: Aktuelles

  • WDR: Hohe Abbrecherquoten in NRW-Erzieherinnen-Ausbildung

    WDR: Hohe Abbrecherquoten in NRW-Erzieherinnen-Ausbildung

    Foto: Daria Shevtsova

    Köln (2mind) – Nach WDR-Recherchen brechen viele angehende Erzieherinnen und Erzieher ihre Ausbildung ab. Dem Besuch der Fachschule ist häufig eine Ausbildung in der Kinderpflege oder der Sozialassistenz vorgeschaltet. Nach dem gestern veröffentlichten WDR-Bericht liegt die Abbrecherquote dort bei 19. Prozent. Der Sender bezieht sich dabei auf Zahlen aus dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2021 und Gespräche mit Fachverbänden. Für die sozialpädagogische Fachschule sprach der WDR mit Ira Lieber vom Alice-Salomon-Berufskolleg, die für ihre Bochumer Schule von einer etwa 10-prozentigen Abbrecherquote berichtet.

    Derzeit befinden sich laut WDR etwa 9.000 junge Menschen in NRW in einer Erzieher:innen-Ausbildung, erforderlich seien in diesem Jahr aber 25.000 neue Fachkräfte. Von den ausgebildeten Fachkräften kämen rund zwei Drittel in den Kitas an. Die anderen wechselten etwa in die Jugendhilfe oder in ein weiterführendes Studium, heißt es in dem Bericht.

    Der Sender sprach mit angehenden Studierenden, die für die ersten beiden Jahre des Vollzeit-Schulbesuchs kein Gehalt bekommen und die berichteten, dass sie auf Bafög oft sehr lange warten müssen. „Zwar gibt es in NRW inzwischen die praxis-integrierte Ausbildung, bei der Azubis von Anfang an bezahlt werden. Aber die setzt sich erst langsam durch“, so der WDR.

  • NRW startet Sofortprogramm Kita: Fachkräftemangel als „größte soziale Herausforderung“

    NRW startet Sofortprogramm Kita: Fachkräftemangel als „größte soziale Herausforderung“

    Foto: BBC Creative auf Unsplash

    Düsseldorf (2mind) – Mehr Quereinsteigerinnen, mehr FSJ-ler in Kitas, mehr Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung zur Kinderpflegerin: Das sind Eckpunkte eines „Sofortprogramms Kita“, mit dem die nordrhein-westfälische Landesregierung auf den andauernden Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen reagiert. Die Landesregierung betont, dass dieses Sofortprogramm in engem Austausch mit den kommunalen und freien Trägern entstand.

    „Mit dem ,Sofortprogramm Kita‘ ergreifen wir kurzfristig erste notwendige Maßnahmen in dieser akuten Situation“, so NRW- Familienministerin Josefine Paul. „Der Fachkräftemangel ist gleichwohl eine der größten sozialen Herausforderungen der nächsten Jahre, weshalb das Sofortprogramm nur ein erster Schritt sein kann.“

    Von den Gewerkschaften kamen dazu unterschiedliche Rückmeldungen: Während ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) das Programm kritisierte, begrüßte die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) das Maßnahmenpaket als ersten Schritt. „Es kann kurzfristig im Umgang mit dem Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten helfen“, so die GEW NRW-Vorsitzende Ayla Çelik. In NRW fehlten aktuell mindestens 24.000 Personen. Dem werde das Programm nicht gerecht, es könne aber den Fachkräftemangel möglicherweise kurzfristig abfedern.

    Für die Landesfachbereichsleiterin von ver.di NRW, Andrea Becker, steht mit Blick auf das Sofortprogramm fest: „Der Bildungs- und Qualitätsanspruch an die Kitas in Nordrhein-Westfalen wird schlicht weiter abgesenkt, was die Abwärtsspirale fortsetzen und die Abwanderung von Fachkräften beschleunigen wird“. Die vorgelegten Maßnahmen würden das System nicht stabilisieren.

    Die Maßnahmen im Einzelnen:

    • Etwa 10.500 überwiegend junge Menschen in NRW sich in aus Bundesmitteln geförderten Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) tätig. Die Zahl der jungen FSJ-ler, die in Kitas arbeiten, soll steigen.
    • In der praxisintegrierten Ausbildung zum Kinderpfleger und zur Kinderpflegerin (PiA-K) sollen mit Beginn des Ausbildungsjahres zum 1. August 2023 bis zu 900 Ausbildungsplätze neu gefördert werden. Kinderpfleger:innen und andere Ergänzungskräfte sollen in allen Gruppenformen als Mindestpersonal eingesetzt werden können und so dauerhafte berufliche Perspektiven erhalten.
    • Studierende aus pädagogischen Fachrichtungen sollen gezielt für den Einsatz in der Kindertagesbetreuung gewonnen und weitere Berufsgruppen (etwa Psychologinnen, Sport- oder Kunstpädagogen) für den Einsatz in Kitas zugelassen werden.
    • Das landesgeförderte Projekt der Integrationsbegleiterinnen – Frauen mit eigener Einwanderungsgeschichte – soll auf ganz NRW ausgeweitet werden.
    • Mit einer neuen Imagekampagnen will das Land neue Zielgruppen – zum Beispiel Männer und Menschen mit Einwanderungsgeschichte – für die Arbeit in den Sozial- und Erziehungsberufen begeistern.
  • 7. Februar: Safer Internet Day

    7. Februar: Safer Internet Day

    Foto: finelightarts auf Pixabay

    Berlin (2mind) – Seit 2004 wird in jedem Februar der Safer Internet Day veranstaltet. Die Programme richten sich an (Bildungs-) Einrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen und wollen zu einem besseren und sicheren Miteinander im digitalen Raum beitragen. In Deutschland werden die Programme von klicksafe koordiniert – an diesem 7. Februar unter dem Hashtag #OnlineAmLimit. Auf einer Veranstaltung dazu in Düsseldorf verwiesen Experten auf die politische Verantwortung zur Regulierung von Internetkonzernen.

    Der diesjährige Safer Internet Day (SID) stellt die Fragen nach einer angemessenen Mediennutzung und nach digitalen Stressfallen in den Mittelpunkt. Es geht um verbindliche Regeln für den Medienkonsum in Arbeit, Bildungsinstitutionen und Freizeit und um Kompetenzen für eine ausgewogenes Leben mit Medien.

    Welche Fähigkeiten benötigen Erwachsene, Kinder und Jugendliche für eine gesunde Balance? Und wie können verbindliche Regeln für den Medienkonsum in Job, Schule und Freizeit aufgestellt werden? Zu diesen Fragen können am 7. Februar Posts – insbesondere auf Instagram und Twitter – erstellt werden, die – sofern mit den Hashtags #SID2023, #SaferInternetDay2023, #OnlineAmLimit oder #SID23 versehen, auf > dieser Social Wall erscheinen.

    Zum Thema #OnlineAmLimit bietet klicksafe zahlreiche Impulse, darunter

    Für NRW-Medienminister Nathanael Liminski steht fest, dass Eltern und Lehrende die Medien verstehen müssen, um Vorbild sein zu können. „Gesunde Mediennutzung braucht die Eigenverantwortung jedes Einzelnen sowie einen effektiven regulatorischen Rahmen“, so Liminski auf einer Veranstaltung am 6. Februar in der Landesanstalt für Medien NRW in Düsseldorf.

    Der Direktor der Landesanstalt, Tobias Schmid, verwies darauf, dass während der Corona-Jahre „nahezu alle schulischen und sozialen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen ins Digitale verlegt“ worden seien. Die Elterngeneration könne in Bezug auf die Mediennutzung etwas mehr Vertrauen in ihre Kinder entwickeln. „Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch ein Auge auf die Designs von Apps und sozialen Netzwerken haben müssen“, so Schmid weiter. „Wo Grenzen des Nutzerschutzes überschritten werden, da brauchen wir auch wirksame Sanktionsmöglichkeiten.“

    Eine effektive Regulierung könnte z.B. Instagram betreffen. Der Public Policy Lead DACH bei Instagram, Alexander Kleist, versicherte auf derselben Veranstaltung: „Wir nehmen die Verantwortung unseren Nutzerinnen und Nutzern gegenüber sehr ernst und möchten sowohl Eltern und Erziehungsberechtigte als auch Teenager bei einer altersgerechten und sicheren Nutzung von Instagram unterstützen.“ Dazu habe die Plattform Funktionen wie die Elternaufsichtstools eingeführt.

    Alle Infos zum SID 23 gibt es hier: https://www.klicksafe.de/sid23

  • Berliner Medienpädagogik-Kita erhält prominenten Besuch

    Berliner Medienpädagogik-Kita erhält prominenten Besuch

    Mädchen mit Tablet (Foto: Igor Starkov auf Unplash)

    Berlin (2mind) – Der INA.Kinder.Garten in Berlin-Spandau wirbt mit dem Schwerpunkt „Medienpädagogik“. Der Kita-Alltag dort bietet viele Bildungsanlässe auf einem mit digitalen Lern- und Spielanregungen ausgestatteten „Active Floor“; Fachkräfte können sich regelmäßig medienpädagogisch weiterbilden. Das ist selten und wohl auch deshalb erhielt die Kita in der vergangenen Woche Besuch vom Berliner Staatssekretär Aziz Bozkurt.

    „Der Alltag in dieser Kita beweist, dass sich Medienpädagogik und Naturerfahrung nicht ausschließen“, sagte der für Jugend, Familie und Schuldigitalisierung zuständige Bozkurt. Medienpädagogik sei ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Kinder. Im spielerischen Umgang mit digitalen Medien und Technologien könnten sie einen kreativen und selbst bestimmten Zugang lernen. Bozkurt weiter: „Dies wird für ihre Kindheit, ihre Jugend, aber auch ihr ganzes Leben von großer Bedeutung sein.“

    Auch nicht selbstverständlich: Die Kita bietet im Internet einen 360-Grad-Rundgang durch ihr Gebäude an.

  • Erinnerung an die NS-Zeit braucht neue Wege

    Erinnerung an die NS-Zeit braucht neue Wege

    Gedenksteine in Langenberg (Foto: Achim Halfmann)

    Berlin (2mind) – Am Freitag (27. Januar) wurde der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen. Anlass ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die „Rote Armee“ am 27. Januar 1945. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Strömungen und Parteien und der Zunahme antisemitischer Verschwörungsnarrative fordern zwei große deutsche Bildungsgewerkschaften mehr Investitionen in die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus.

    Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verweisen auf die schwindende Zahl verbleibender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und die deshalb erforderlichen neuen Wege des Erinnerns. „Wir leben in einer Zeit, die von sich überlagernden Krisen geprägt ist und das gesellschaftliche Miteinander auf eine harte Probe stellt“, erklärte der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand gegenüber der Presse. „Wirft man den Blick in die Vergangenheit, wird klar, dass insbesondere Epochen wie diese ein Nährboden für Verschwörungstheorien und menschenfeindliche Narrative darstellen.“

    Neue Wege in der Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus können digitale Medien einbeziehen. Ein Beispiel gibt die vom WDR entwickelte App „Stolpersteine NRW“: Gedenksteine (siehe Foto) werden nach einer Idee des Künstlers Gunter Demnig auf Bürgersteinen vor den ehemaligen Wohnorten von NS-Opfern verlegt. Die App stellt zu den darauf genannten Personen Informationen und Dokumente zur Verfügung. Sie eignet sich, um mit Kindern und Jugendlichen Ereignisse aus der NS-Zeit in ihrer Heimat zu entdecken und diese – z.B. in (Medien-) Projekten – lebendig werden zu lassen.

    Eine Zusammenstellung von Texten und Tools zur mediengestützten Erinnerungsarbeit gibt es hier: https://orientierungslust.de/erinnerungsarbeit/

  • Mehr als jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet

    Mehr als jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet

    Foto: Luke Pennystan auf Unsplash

    Gütersloh (2mind) – Etwa 2,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind armutsgefährdet. Besonders betroffen sind die Kinder Alleinerziehender sowie Familien mit drei oder mehr Kindern. Insgesamt ist mehr als jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Das geht aus dem heute veröffentlichten Factsheet „Kinder- und Jugendarmut in Deutschland“ der Bertelsmann Stiftung hervor.

    Noch ungünstiger sieht es für junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren aus: 1,55 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als armutsgefährdet. Das sind 25,5 Prozent aller jungen Erwachsenen, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer, junge Menschen in Ostdeutschland häufiger als die in Westdeutschland.

    „Wer als junger Mensch in Armut aufwächst, leidet täglich unter Mangel, Verzicht und Scham und hat zugleich deutlich schlechtere Zukunftsaussichten“, so Anette Stein, Director Bildung und Next Generation bei der Bertelsmann Stiftung, in einem Statement. „Das ist sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Gesellschaft als Ganzes untragbar. Die derzeitigen Krisen und Preissteigerungen verschärfen das Problem.“

    Bildungssystem gefordert

    Das stellt auch für den Bildungsbereich eine Herausforderung dar. Antje Funcke, Senior Expert Familie und Bildung, sagte gegenüber 2mind: „Es ist notwendig, in Bildungseinrichtungen über Armut zu sprechen und das Thema nicht zu tabuisieren.“ Der sozio-ökonomische Status von Kindern sei immer noch entscheidend für deren Bildungserfolg; es gehe also auch um Bildungsgerechtigkeit. „Pädagoginnen und Pädagogen sollten dafür sensibilisiert sein, was es mit Kindern macht, wenn sie unter Armutsbedingungen aufwachsen“, so Funcke. Keinesfalls dürften diese Kinder stigmatisiert werden.

    Die deutlich steigende Zahl von Kindern in SGB II-Haushalten ist laut Bertelsmann Stiftung vor allem auf die aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen zurückzuführen. In Bezug auf die regionale Verteilung zeigt sich eine große Spannbreite zwischen drei Prozent betroffener Kinder und Jugendlicher im bayerischen Roth und 42 Prozent in Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen.

    Kindergrundsicherung – bedarfsorientiert

    Von der Politik fordert die Bertelsmann Stiftung, die Bekämpfung der Kinder- und Jugendarmut zur Priorität zu machen. Die Bundesregierung müsse „die im Koalitionsvertrag vereinbarte Kindergrundsicherung jetzt schnellstmöglich und im benötigten Umfang beschließen“, so Anette Stein. Die Kindergrundsicherung müsse sich an den tatsächlichen Bedarfen junger Menschen für gutes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe orientierten. Dazu müssten junge Menschen beteiligt und regelmäßig zu ihren Bedarfen befragt werden.

    Die Diakonie-Vorständin Sozialpolitik, Maria Loheide, sieht das ähnlich: „Die Bertelsmann-Studie zu Kinderarmut zeigt, wie wichtig jetzt eine wirksame Kindergrundsicherung ist. Bei der materiellen Ausstattung darf die Bundesregierung keine Schnellschüsse liefern“, so Loheide gegenüber 2mind. „Es darf keine Ermittlung des Existenzminimums nach Haushalts- oder Kassenlage geben. Nötig ist eine Neuberechnung, die sich an dem orientiert, was Kinder und Jugendliche für ein gutes Aufwachsen wirklich und maßgeblich brauchen.“

    Bei den Berechnungen im Factsheet „Kinder- und Jugendarmut“ orientiert sich die Bertelsmann Stiftung erstens an der Armutsgefährdungsquote, der zufolge Familien als arm gelten, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens verfügen. Einen zweiten Orientierungspunkt bildet die SGBII-Hilfequote, die Aufschlüsse über das Armutsrisiko zum Beispiel nach Wohnort oder Familienform gibt.

    Stand: 26.01.23, 14:17 h

  • „Medienpraxis mit Geflüchteten“: Neue Tipps und Projekte

    „Medienpraxis mit Geflüchteten“: Neue Tipps und Projekte

    Foto: geralt auf pixabay

    Bielefeld (2mind) – Medienpädagogische Projekte können das Ankommen und die Teilhabe von geflüchteten Menschen unterstützen. Dazu bietet die neu bearbeitete Website Medienpraxis mit Geflüchteten Haupt- und ehrenamtlich Tätigen zahlreiche Anregungen für den Medieneinsatz in Freizeitangeboten, Integrationskursen, kultureller oder politischer Bildung und sozialer Arbeit.

    Auf der Website stellt die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) bereits realisierte medienpädagogische Projekte dar, die Partizipation, Kooperation, Empowerment und Alltagsorientierung stärken. Detaillierte Anleitungen und ergänzende Materialien erleichtern es, ähnliche Projekte in der eigenen Arbeit umzusetzen.

    Vorgestellt werden Foto- und Videoprojekte, die Arbeit mit Websites und Apps, die eine Orientierung im Sozialraum oder den Spracherwerb unterstützen, zur Auseinandersetzung mit Erfahrungen und der eigenen Identität einladen oder mit denen Themen wie etwa „Menschenrechte“ adressiert werden können.

    Die GMK wurde 1984 als bundesweiter Zusammenschluss von Fachleuten aus den Bereichen Bildung, Kultur und Medien gegründet und setzt sich für die Förderung einer ganzheitlichen, umfassenden Medienpädagogik ein.

    Die Website: https://medienpraxis-mit-gefluechteten.de/

  • Werben für den Erzieherberuf: „Mehr bekommst Du nirgendwo!“

    Werben für den Erzieherberuf: „Mehr bekommst Du nirgendwo!“

    Erzieher-In-BW.de (Screenshot: 2mind)

    Stuttgart (2mind) – Freude Arbeit mit kleinen Kindern transportieren und Einblicke in den Beruf vermitteln – das will Baden-Württemberg mit der Kampagne „Mehr bekommst Du nirgendwo!“. „Wir brauchen noch mehr gut qualifiziertes Personal in unseren Kitas, um den steigenden Betreuungsbedarf zu decken und den pädagogischen Fachkräften bessere Arbeitsbedingungen bieten zu können“, so Staatssekretär Volker Schebesta zum Start der Kampagne am 18. Januar.

    Im Vergleich zu 2008/2009 hätten sich die Ausbildungskapazitäten für den Erzieherberuf verdoppelt. Sorge bereitet den Initiatoren jedoch, dass immer weniger junge Menschen nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen. Das Land Baden-Württemberg benötigt laut einer Bertelsmann-Studie 16.800 zusätzliche Fachkräfte, um dem gesetzlichen Betreuungsanspruch entsprechen zu können.

    Die Kampagne setzt auf Storytelling und erzählt mit Videoclips Geschichten von Auszubildenden, Quereinsteiger:innen und erfahrenen Erzieher:innen. Zum Einsatz kommen dabei ein YouTube-Channel und eine Website, auf der mit den Gehalts- und Aufstiegsperspektiven geworben wird. Geworben wird auch für einen Berufseinstieg als sozialpädagogische Assistentin.

    Erzieher:innen in der Jugendhilfe stehen nicht im Fokus der Werbekampagne.

  • Sensibilität gestiegen: Deutlich mehr Gewaltmeldungen aus Kitas

    Sensibilität gestiegen: Deutlich mehr Gewaltmeldungen aus Kitas

    Foto: Achim Halfmann

    Bielefeld (2mind) – Die den Landesjugendämtern gemeldeten Fälle von pädagogischem Fehlverhalten und Gewalt in nordrhein-westfälischen Kitas steigen deutlich. Wie die „Neue Westfälische“ (NW) gestern mitteilte, ist die Entwicklung im Rheinland besonders eklatant. Berichte über Gewalt und Fehlverhalten in Kitas kommen allerdings aus mehreren Bundesländern. Das liegt auch an einer gestiegenen Sensibilität.

    Das rheinische Landesjugendamt erfasste laut NW 2018 noch 34 Fälle von pädagogischem Fehlverhalten, 2020 waren es 120 und 2021 bereits 222 Fälle. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich auch bei körperlicher Gewalt (42 Fälle in 2018, 2021 waren es mehr als doppelt so viele) und bei sexuellen Übergriffen (von38 Fällen in 2018 auf 76 in 2020 und 2021). In Westfalen-Lippe wurden weniger Fälle erfasst, jedoch zeigt sich auch hier ein deutlicher Anstieg.

    Erschreckende Berichte

    Eine Erzieherin aus Ostwestfalen-Lippe berichtet gegenüber der NW von Gewalt gegen Kinder: „Ich habe Kinder gesehen, die in ihrem eigenen Urin sitzengelassen wurden, als Strafe, weil es schon die dritte vollgepinkelte Hose in drei Tagen war“, so die Antje B. genannte Pädagogin. Sie habe miterlebt, wie Kinder gewaltsam auf Stühle gesetzt und wie Stühle unter ihnen weggerissen wurden.

    Nordrhein-Westfalen steht mit den steigenden Verdachtsmeldungen nicht alleine da. So hatte der Bayerische Rundfunk (BR) im Dezember die 76 Kita-Aufsichtsbehörden im Freistaat zu Fehlverhalten in Kitas befragt. Nach diesen Recherchen steigt auch in Bayern die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Aufsichtspflichtverletzungen sowie zu seelischer oder körperlicher Gewalt. Zudem führte der BR Gespräche mit 61 Erzieher:innen und Kita-Leitungen. Auszüge daraus erschrecken: „Ein Kind hat Sprachprobleme. Im Morgenkreis äfft die Erzieherin immer wieder das Stocken und Stottern nach. Die anderen Kinder lachen.“ „Meine Kollegin schiebt einem Kind Kartoffeln in den Mund. Dabei hält sie die Hände fest und die Nase zu, damit das Kind schluckt.“ „Ein Kind wird immer auf dem Klo eingesperrt, wenn es sich ’nicht benimmt‘.“

    Problembewusstsein nimmt zu

    Woran liegt die steigende Zahl der Meldungen zu Gewalt und Fehlverhalten aus Kitas? „Über die Ursachen der steigenden Meldungen an Landesjugendämter ist wenig bekannt“, sagt Sabine Prott, die Leiterin des Geschäftsfelds Tageseinrichtungen der Diakonie RWL. „Die gestiegene Sensibilität in den Einrichtungen könnte meines Erachtens dazu ein Erklärungsansatz sein.“ So wurde etwa durch das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) im Jahr 2021 die Vorlage eines Schutzkonzeptes zu einer Voraussetzung für die Kita-Betriebserlaubnis.

    Zudem arbeitet eine zunehmende Zahl an Einrichtungen mit Qualitätsmanagementsystemen. „Mehr als die Hälfte der evangelischen Tageseinrichtungen in Rheinland, Westfalen und Lippe arbeitet mit dem Bundesrahmenhandbuch zur Erlangung des Evangelischen Gütesiegels BETA“, so Prott, „einem Qualitätsmanagementsystem, in dem auch der Kinderschutz eine wichtige Rolle spielt.“

    Sprecher beider Landesjugendämter führen die steigenden Fallzahlen laut NW ebenfalls auf eine erhöhte Sensibilisierung der Eltern, Erzieher und Träger zurück. Beide Landesjugendämter hatten 2020 eine Kampagne für Gewaltschutz durchgeführt.

    Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes NRW, Gaby Flösser, sieht allerdings noch einen weiteren Hintergrund. In dieser Situation schlügen sich der Personalmangel und die Überforderung nieder, sagte sie gegenüber der NW. Flösser weiter: „Das ist ganz klar politisches Versagen, weil sich niemand um die desaströse Lage in den Kitas kümmert.“ Auf politischer Ebene gebe es eine „Allianz des Nichthinschauens.“

    Schutzkonzepte sensibilisieren

    „Schutzkonzepte bieten eine Chance, Kita-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Fehlverhalten zu sensibilisieren.“ So sieht es auch Gudrun Barbendererde, die Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen in der Lippischen Landeskirche. Bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes und dessen Verankerung in der täglichen Arbeit sei eine Unterstützung für die Kita-Leitungen wichtig. „Das ist keine Routineaufgabe, und Leitungen sind dabei schnell in einer Doppelrolle als Führungskräfte und Moderatoren.“ Die Landesregierung stelle für Fortbildungen inzwischen auch im Bereich Kinderschutz finanzielle Mittel zur Verfügung – die gab es bisher für Teamschulungen in alltagsintegrierter Sprachbildung -, um externe Fortbildner zu engagieren. „Ich würde mir wünschen, dass die Landesregierung Kitas jährlich vier Tage Sonderschließzeit für die Arbeit an der Konzepterstellung und -umsetzung und Qualitätssicherung verpflichtend bereitstellen würde“, so die Fachberaterin weiter.

  • Gehackt: Uni-Daten im Darknet

    Gehackt: Uni-Daten im Darknet

    Foto: kewl auf pixabay

    Essen (2mind) – Im November gab es einen Cyberangriff auf die Universität Duisburg-Essen (UDE). Große Teile des Datenbestands wurden verschlüsselt. Die Universität zahlte kein Lösegeld; nun sind erbeutete Daten im Darknet aufgetaucht. Auch andere Bildungseinrichtungen sind vor Hackerangriffen nicht sicher.

    Wie die UDE mitteilte, sei direkt nach dem Cyberangriff die gesamte IT-Infrastruktur heruntergefahren und vom Netz getrennt worden. So sei nur ein kleiner Teil der Daten durch die Cyberkriminellen erbeutet worden. In einem Pressestatement erklärte die Hochschule: „die Universität Duisburg-Essen lässt sich auf ihre digitale Erpressung nicht ein und unterstützt keine Straftaten.“

    Hackerangriffe treffen nicht nur große Bildungseinrichtungen wie die UDE. Ende Oktober wurden die Datenbanken der Amtlichen Schulverwaltung (ASV) auf den Servern des Medienzentrums München-Land gehackt und unlesbar gemacht. 75 Schulen im Landkreis Berchtesgaden konnten nicht mehr auf Adressdaten und Stundenpläne zugreifen. Auch hier wurde eine Lösegeldforderung nicht erfüllt.

    Betroffen sind ebenso soziale Einrichtungen: Im September wurden die Server des Caritas-Verbandes München und Oberbayern gehackt und mutmaßlich wurden Daten erbeutet. Aber auch kleinere soziale Einrichtungen – etwa in Nordrhein-Westfalen – waren bereits von Cyberkriminalität betroffen, erlebten die Verschlüsselung ihrer Daten und sahen sich Lösegeldforderungen ausgesetzt.